Frust vorm Medibus: Mobile Arztpraxis deckt Bedarf in Sontra nicht

So sieht er aus: der Medibus – die mobile Arztpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen. Foto: Christopher Hess/nh

Sontra. Ärger mit dem Medibus gibt es in Sontra an fast jedem „Öffnungstag“. Patienten werden abgewiesen. Die – wegen Krankheit ohnehin schon angespannt – sind dann gefrustet und schlagen im Zimmer von Bürgermeister Thomas Eckhardt auf, der sich Vorwürfe anhören muss.

„Das ist so und ich kann die Menschen auch verstehen“, bestätigt der Verwaltungschef. Allerdings, so fügt er an, sei der Medibus, also die neue mobile Arztpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, nicht das Problem. „Dass dieser nicht ausreichen wird, um den Ärztemangel bei uns abzudecken, ist logisch. Er entspannt die Lage nur bedingt“, sagt Eckhardt. So wurde ihm beispielsweise zugetragen, dass eine ältere Dame keine Behandlung mehr bekam, weil das Angebot an dem Tag bereits überlaufen war.

„Generell sorgen die Wartenzeiten von rund einer Stunde auch für Unmut, weil die zuletzt in der prallen Sonne schwer zu ertragen waren“, ergänzt er. Mitunter deswegen hat man den Halteplatz vor das Bürgerhaus verlegt, um einen Warteraum inklusive Toiletten vorzuhalten. Oft bekomme Eckhardt zudem zu hören, dass für alles Geld da sei, nur für Mediziner nicht. „Das ist natürlich nicht wahr. Wir tun alles dafür, um Ärzte nach Sontra zu bekommen, und haben als Interkommunaler Zweckverband mit Herleshausen und Nentershausen schon 133 000 Euro ins Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) investiert“, entgegnet er. Eben dieses befindet sich momentan im Bau und kommt ins ehemalige Möbelhaus Hesse in der Sontraer Innenstadt, das jahrelang leer stand und dem Vandalismus anheimfiel (wir berichteten). Investor bei dem Millionenprojekt ist die Rotenburger Baufirma Barwich. Darum, dass die Räumlichkeiten dann mit Leben gefüllt werden, kümmern sich aber die Stadt Sontra und der Interkommunale Zweckverband.

„Mit Physio- und Ergotherapeuten sind wir schon in guten Gesprächen und zuversichtlich, die als Mieter zu bekommen“, berichtet Eckhardt. Demnächst soll auch offensiv um Ärzte geworben werden. Es steht sogar im Raum, Medizinern ein gewisses Startkapital zur Verfügung zu stellen, um die zu locken.

„Wir müssen dringend handeln, denn durch die Schließungen der Hausarztpraxen Genscher und Meister in den letzten Jahren hat sich die Situation in Sontra extrem verschärft“, mahnt der Bürgermeister. Die drei bestehenden Mediziner würden teilweise keine neuen Patienten mehr annehmen. Auch in der Nachbargemeinde Nentershausen (Kreis Hersfeld-Rotenburg) sei eine Schließung der beiden noch vorhandenen Praxen im Jahr 2019 absehbar.

Ab Frühjahr dieses Jahres soll dann passenderweise das MVZ in Sontra beziehbar sein. „Wir sind froh, hier die Kassenärztliche Vereinigung als Partner mit im Boot zu haben und sollten an einem Strang ziehen, um das Problem des Ärztemangels aktiv anzugehen“, sagt Eckhardt.

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