Breitband Nordhessen

Schnelles Internet: Netcom will 35.000 Kunden in Nordhessen erreichen

Ortstermin in Wichmannshausen: (von links) Netcom-Sprecher Daniel Hecker, Heike Hamdad (Netcom), Ortsvorsteher Herbert Cebulla und Karl-Heinz Quast am Multifunktionsgehäuse beim Dorfgemeinschaftshaus.
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Ortstermin in Wichmannshausen: (von links) Netcom-Sprecher Daniel Hecker, Heike Hamdad (Netcom), Ortsvorsteher Herbert Cebulla und Karl-Heinz Quast am Multifunktionsgehäuse beim Dorfgemeinschaftshaus.

Mit der Fertigstellung der Anschlüsse in 570 Ortslagen in ganz Nordhessen beginnt für die Netcom mit Sitz in Kassel am Ständeplatz eine neue Ära. Was wird die Zukunft bringen? Hier einige Fragen und Antworten.

Wie wird die Entwicklung nun weitergehen?

Die Netcom kümmert sich aktuell vor allem um die weitere Kundenakquise. Den jetzt schon 20 100 gewonnenen Internet-Neukunden „sollen 15 000 weitere folgen“, sagen die Netcom-Geschäftsführer Ralph Jäger und Eckart Liebelt. Das könne allerdings noch einige Zeit dauern, weil natürlich Altverträge mit anderen Anbieten erst auslaufen müssten.

Gleichzeitig arbeitet die Netcom ständig an der Optimierung interner Abläufe, wie den Vertrieb, das Kundenmanagement und den Kundenservice. „Hier haben wir in jüngster Vergangenheit deutliche Verbesserungen erreicht“, sagen Jäger und Liebelt. So wurde jetzt die Webseite inklusive Webshop und Online-Automatisierung neu gestaltet, und auch mit dem Wechsel des Callcenter-Dienstleisters im Mai 2019 (jetzt Summacom) habe sich eine signifikante Verbesserung des Service ergeben.

Ein Glasfasernetz mit 100 MBit pro Sekunde ist zwar schon recht anständig. Doch reden alle schon vom Gigabit-Glasfasernetz.

Die Netcom prüft aktuell, inwieweit das vorhandene Netz mit Super-Vectoring nachgerüstet werden kann. Mit dieser Technik ließe sich der Datentransport noch einmal um 150 auf dann 250 MBit pro Sekunde beschleunigen. „Wir wollen erst einmal sehen, wie hoch die Bedarfe tatsächlich sind, und dann entsprechend reagieren“, sagt Jäger. Für Industrie- und Geschäftskunden erfolge schon jetzt in Einzelprojekten die direkte Glasfaseranbindung ohne Kupfer, um Gigabit-Bandbreiten zu erreichen (ein Gigabit entspricht 1000 Mbit).

Und was ist mit einem flächendeckenden Glasfasernetz auch bis hin zu den Wohnhäusern?

Der Weg hin zu einem Gigabit-Netz für alle Haushalte ist noch weit. Die Breitband Nordhessen als Netcom-Partner arbeitet derzeit an einer Gigabit-Strategie. Ziel ist es, bis 2030 alle Kommunen im Ausbaugebiet Nordhessens in den kompletten Glasfaserausbau ohne Kupferendleitungen zu bringen. „Das aber wird ohne Fördermittel nicht gehen“, sagt Liebelt. Geschätzte Kosten für solch einen Vorstoß: 1,3 Milliarden Euro.

Apropos Kosten: Wird sich der bislang geleistete Aufwand für die Breitband Nordhessen und die Netcom überhaupt rechnen?

Der Bau des 2100 Kilometer langen Glasfasernetzes durch die Breitband Nordhessen (Gesellschafter sind die fünf Landkreise Nordhessens) war nur durch ein 143 Millionen Euro schweres, vom Land verbürgtes Darlehen möglich geworden. Die Breitband Nordhessen verpachtet ihr Netz nun an die Netcom als Betreiberin. Mit diesen Pachteinnahmen wird das Landesdarlehen über viele Jahre wieder refinanziert.

Letztlich ist es also die Netcom, die die 143 Millionen Euro aus dem Verkauf ihrer Internetprodukte erwirtschaften muss. Hinzu kommt noch einmal ein zweistelliger Millionenbetrag an eigenen Investitionen und Vorleistungen, die nun als Verbindlichkeit auf der Netcom lasten.

„Natürlich müssen wir sehen, dass wir wirtschaftlich arbeiten“, sagt dazu Jäger. Darauf legten die Gesellschafter auch großen wert. Entsprechend schließt er eine mögliche Quersubventionierung der Netcom durch lukrative Geschäftsfelder der Gesellschafter KVV und EAM (beides kommunale Unternehmen) für den Fall, dass es mal nicht so gut läuft, kategorisch aus. „Das ist auch gar nicht möglich“, sagt Jäger.

Wirkt sich solch ein hoher Kostendruck nicht auf die Verbraucherpreise aus?

Ja, das tut es. „Tatsächlich sind unsere Internet-Produkte im Schnitt um einen bis vier Euro teurer als die der anderen Anbieter“, sagt Jäger. Doch gebe es dafür jetzt in Bereichen Nordhessens schnelles Internet, wo es zuvor nur weiße Flecken gegeben habe. Zur Erinnerung: Ein Markterkundungsverfahren 2014 hatte ergeben, dass keiner der etablierten und großen Anbieter auch nur einen Finger krumm gemacht hätte, um der chronischen Internet-Unterversorgung vor allem in ländlichen Bereichen Nordhessens ein Ende zu bereiten.

Wird die Netcom aber nun der einzige Anbieter von Internetprodukten auf dem Glasfasernetz der Breitband Nordhessen bleiben?

Nein. Das Netz der Breitband Nordhessen steht grundsätzlich allen Marktteilnehmern offen. Tatsächlich führt die Netcom derzeit Gespräche mit großen Anbietern wie der Telekom und der Vodafone. Auch einige kleinere Unternehmen klopfen aktuell bei der Netcom an, oder stehen bereits unter Vertrag – wie die Götel aus Südniedersachsen.

Der Vorteil für die Netcom: Über die Weitervermietung des Netzes sowie den Verkauf von Internetvorprodukten der Netcom an neue Anbieter, erschließt sich für die Netcom ein weiteres lukratives Geschäftsfeld. „Wir hoffen, im Herbst auch mit einem großen Akteur entsprechende Verträge abschließen zu können“, sagt Jäger.

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