Zum 550. Todestag von Johannes Gutenberg: Eins der ältesten Bücher im Kreis in Breitau

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Werra-Meißner. Heute ist der 550. Todestag von Johannes Gutenberg. Zu diesem Anlass habe wir geschaut, welche die ältesten gedruckten Bücher im Werra-Meißner-Kreis sind.

Auch noch Jahrhunderte nach der Erfindung eines Verfahrens zur manufakturmäßigen Herstellung von Büchern wird Johannes Gutenberg als Revolutionär gefeiert. Sein besonderes Verdienst liegt darin, alle Komponenten des Buchdruckes zu einem effizienten Produktionsprozess zusammengeführt zu haben. 

Einige der ältesten gedruckten Bücher des Werra-Meißner-Kreises befinden sich heutzutage im Besitz des Pfarrarchives in Sontra-Breitau und des Stadtarchives Eschwege.

Ein Fund in Breitau

Eines der ältesten Bücher des Werra-Meißner-Kreises und dazu ganz Hessens wurde erst im vergangenen Jahr im Pfarrarchiv in Sontra-Breitau entdeckt. Die Druckausgabe des Neuen Testaments in der Übersetzung Martin Luthers stammt aus dem Jahr 1529 und gehörte zu der ersten Auflage, die der Drucker Franz Rohde in Marburg am 23. Januar jenes Jahres fertigstellte.

Von ursprünglich 500 Exemplaren sind heute nur noch sieben weitere erhalten. Laut dem landeskirchlichen Archiv in Kassel geht der Druck auf eine direkte Initiative des Landgrafen Philipp von Hessen zurück. Der ordnete 1528 an, dass alle hessischen Pfarrreien dieses Neue Testament zum öffentlichen Gebrauch zu kaufen hatten. Es sollte also nicht ausschließlich den örtlichen Pfarrern zur Verfügung stehen, sondern allen Gemeindemitgliedern.

Geschichten und Anekdoten

Eines der ältesten Bücher Eschweges befindet sich im Stadtarchiv. Das Werk „Joco Seria“ von Otto Melander wurde im Jahr 1600 in Mühlhausen abgedruckt. 1571 als Sohn des ortsansässigen Pfarrers in Niederhone geboren, studierte und promovierte er zunächst in Wittenberg und Marburg. Aufbauend auf der Arbeit seines Vaters verfasste er in lateinischer Sprache die Sammlung von Anekdoten und Geschichte, die zum Teil aus der Werra-Region stammen. 

Heutzutage bildet das Werk eine gute kulturhistorische Quelle für die Werralandschaft des 16. Jahrhunderts. Bemerkenswert ist auch, dass sich der Autor im weiteren Verlauf seines Lebens das Vertrauen am Hof Kaiser Friedrichs II. (1619-1637) in Böhmen erarbeiten konnte und dort unter anderem als Diplomat tätig war.

Revolutionäre Erfindung

Zeitgenössische Darstellung: Johannes Gutenberg.

Zwar konnten schon im 6. Jahrhundert in Asien im Holzschnitt Texte im Druck vervielfältigt werden, in Europa übernahmen dies aber noch über 1000 Jahre hinweg klösterliche Schreibstuben per Handschrift.

 Ab dem späteren Mittelalter existierten dann auch professionelle Schreiber und Buchmaler. Das neuartige technische Verfahren Gutenbergs gewährleistete nun eine ungleich schnellere und wirtschaftlichere Herstellung, wodurch mehr Menschen Zugang zu Büchern und damit auch zu Wissen kamen.

Anschaulich wird die Bedeutung seiner Errungenschaft, die weitläufig als die größte Innovation des zweiten Jahrtausends gilt, wenn man sich vergegenwärtigt, welche Zeitersparnis damit einherging: In der damaligen Zeit dauerte es etwa zwei Jahre, bis eine Bibel handschriftlich kopiert werden konnte. In dieser Zeit druckte Johannes Gutenberg mit seinem neuen Verfahren 180 identische Exemplare.

Drucktradition in Eschwege

Auch in Eschwege lässt sich zumindest ab Ende der frühen Neuzeit eine Tradition unterschiedlicher Druckereien nachweisen. Von 1744 bis 1798 arbeitete die Buchdruckerfamilie Robetje in der Wallgasse 24. Die erste Zeitung wurde von der Druckerei Müller in den Jahren 1811 bis 1813 abgedruckt. 

Ab dem Jahr 1822 kehrte mit Röbling und Hoffmann eine gewisse Kontinuität ein, die sich hauptsächlich im regelmäßigen Zeitungsdruck widerspiegelte. Als letzte Druckerei Eschweges wirkte Keitz und Fischer, heutzutage wird kein Buch mehr in der Kreisstadt gedruckt.

Von Maurice Morth

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