Auflagen der Kassenärztlichen Vereinigung nicht erfüllt

Heimarzt im neuen Sontraer Pflegeheim darf keine Patienten aus Stadt annehmen

Es geht voran: So sieht das Pflegeheim „Schloss Sontra“ momentan aus. Es soll am 1. April 2018 eröffnet werden – mit einem eigenen Arzt für die Bewohner der Einrichtung. Foto: Berg

Sontra. Ein Arzt im neuen Pflegeheim in Sontra soll nicht nur den Heimbewohnern helfen, sondern auch allen anderen Bewohnern aus der Stadt. Doch die Kassenärztliche Vereinigung verbietet das. 

Kürzlich hat ein 95-jähriger Mann aus Sontra bei Roland Bardt angerufen. Er fragte den Geschäftsführer des gerade entstehenden neuen Pflegeheims „Schloss Sontra“, ob der eigens bei der Einrichtung angestellte Mediziner ihn und seine Frau als Patienten aufnehmen kann. „Er hat dann sogar geweint, weil er keinen anderen Arzt mehr nach der Schließung der Hausarztpraxis von Herrn Meister zum Ende des Jahres 2017 bekommt. Trotzdem musste ich ihm schweren Herzens absagen“, sagt Bardt.

Warum? Ganz einfach: Bardts Idee, die medizinische Versorgung der Heimbewohner mit einem eigens angestellten Arzt sicherzustellen, klappt zwar voraussichtlich – allerdings darf der keine Patienten aus Sontra annehmen. Dafür erfülle dieser als nicht selbstständiger Angestellter die Auflagen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) nicht. „Andererseits kümmert die KV sich aber auch nicht darum, das Problem anzugehen“, ärgert sich Bardt. Auf dem Papier herrscht in Sontra momentan noch eine 105-prozentige Abdeckung des Bedarfs an Medizinern, nach der Praxisschließung am 31. Dezember ist die Kommune aber offiziell unterversorgt.

„Die KV müsste Anreize schaffen, um Mediziner aufs Land zu holen. Die Vergütung sollte zum Beispiel besser sein“, sagt Bardt. Ideen, wie einen mobilen Medizin-Bus in die Gemeinden zu schicken, hält er für wenig hilfreich. „Das habe ich auch schon vor Ort persönlich angesprochen. Stellen Sie sich mal vor, Sie sind ein Senior und warten mit Rückenschmerzen im Kalten vor dem Bus“, so Bardt. Nun habe die KV die Kommunen aufgefordert, warme Wartezimmer mit Toiletten für das Modell vorzuhalten. „Wer kann das schon leisten?“, fragt Bardt.

In Sontra sieht er aufgrund des Alters der anderen Mediziner weitere Praxisschließungen auf die Bevölkerung zukommen. Zudem könnten die bestehenden Ärzte kaum noch Patienten oder gar keine mehr annehmen – weil sie ausgelastet sind bis oben hin. „Daher habe ich das Modell gewählt, den hessenweit ersten Pflegeheim-Arzt anzustellen. Es gibt eine ernsthafte Bewerberin. Die KV prüft, ob alles klar geht“, berichtet Bardt. Die dürfte dann auch Patienten aus seiner Einrichtung in Rotenburg und vermutlich der aus Heringen versorgen.

„Auf keinen Fall aber Bürger aus Sontra, das eigentliche Problem kann ich damit also nicht lösen – sondern nur die ärztliche Versorgung für die eigenen Pflegeheim-Bewohner sicherstellen“, sagt Bardt. Die Eröffnung vom „Schloss Sontra“ mit 56 vollstationären Pflegeplätzen und 16 Tagespflegeplätzen bei einem Investitionsvolumen von rund fünf Millionen Euro verzögert sich übrigens von 1. Januar auf 1. April 2018. „Ohne das Heimarzt-Modell hätten viele Bewohner garantiert keinen Arzt bekommen. Die Situation ist haarsträubend“, so Bardt. Positiv bewertet er daher die Idee des interkommunalen Zweckverbandes, ein medizinisches Versorgungszentrum in Sontra zu schaffen.

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