Ein Museum in Zahlen 

Heimathof auf Zielgerade: Historisches Ulfener Anwesen umgestaltet 

+
Insgesamt sieben Personen können in zwei Zimmern Übernachtungen buchen. Geschichtserleben gibt es inklusive, weiß Ortsvorsteher Michael Stein .

Im August 2019 konfrontierte Ulfens Ortsvorsteher Michael Stein (47) die Bürger aus dem Sontraer Stadtteil mit einer mutigen Idee: Ein in die Jahre gekommenes Anwesen am Johannesberg soll in Eigenarbeit und mit viel Liebe zum Detail zu einem Heimatmuseum umgestaltet werden.

„Viele erklärten mich für verrückt“, sagte der 47-jährige Stein. Aber sein Plan ging auf – und ist dank vielem ehrenamtlichen Engagement auf der Zielgerade. Ende August will der Heimat- und Förderverein Ulfen den sogenannten Heimathof, der Gästen das traditionelle Landleben mit seinen geschichtlichen, geologischen, handwerklichen und regionalen Besonderheiten in eindrucksvoller Art und Weise näherbringt, der Öffentlichkeit vorstellen. Der Eintritt soll frei sein.

Wir stellen den Heimathof in Zahlen vor:

7 Personen 

können in zwei Zimmern Übernachtungen buchen. „Das wird für die Gäste ein besonderes Erlebnis, in diesen historischen Zimmern zu übernachten“, sagte Stein, der den Zimmerschrank öffnet, um auf eine in Französisch verfasste Lohnsteuerklärung aus dem Jahr 1809 zu zeigen. Stein geht prompt auf den geschichtlichen Zusammenhang ein: „Damals gehörten wir noch zum Königreich Westfalen und der Bruder von Napoleon saß im Schloss Wilhelmshöhe.“

15 ehrenamtliche Bürger 

haben fleißig mitangepackt, um das Projekt zu realisieren. Fast 8000 Arbeitsstunden kommen unter dem Strich zusammen. „Diesen Arbeitsaufwand hätten wir gar nicht bezahlen können“, betonte der Ortsvorsteher und lobte vor allem den Bauexperten Manfred Schäfer: „Er hat sich im extremen Maße eingebracht und andere motiviert mit anzupacken.“

20 Quadratmeter 

In den historischen Zimmern kann übernachtet werden. Das in die Jahre gekommene Anwesen wurde zu einem Heimatmuseum umgestaltet.

groß ist der Gewölbekeller, der aufwendig restauriert wurde und nun zum Verbleiben einlädt. Das Anwesen war ein kleinbäuerlicher Betrieb mit Schusterwerkstatt. Die alten Gerätschaften erinnern daran, dass bis Mitte der 1980er-Jahre des letzten Jahrhunderts Landwirtschaft nur mit einem Kuhgespann betrieben wurde. 

Stein, der seit 2011 Ortsvorsteher ist, ist aber noch lange nicht fertig. Für das Jahr 2021 wird anvisiert, das in die Jahre gekommene Wirtschaftsgebäude in eine 160 bis 180 Quadratmeter große Burgbergschänke umzubauen, in der Hochzeiten und Geburtstage ausgerichtet werden können.

80 Bilder

von Johann Georg Pforr (1745-1789) sollen auf einem Flachbildschirm in der gleichnamigen Stube zu sehen sein. Der in Ulfen geborene Maler spezialisierte sich in der Goethezeit auf Pferdemalerei und wurde von seinen Zeitgenossen „als der deutsche Wouwerman“ bezeichnet. Michael Stein: „Er ist der berühmteste Bewohner unseres Dorfes, dessen Lebensgeschichte und dessen Werk wir unseren Besuchern gern vorstellen möchten.“

16.000 Euro 

an Förderungen erhält der Heimatverein durch den Verein für Regionalentwicklung Werra-Meißner. In der letzten Stadtverordnetenversammlung wurde beschlossen, das Projekt, das an den Premiumwanderweg 20 angebunden ist, mit 2000 Euro zu bezuschussen. Bürgermeister Thomas Eckhardt fand nur lobende Worte für das Projekt: „Mit dem Heimathof wird auf der einen Seite ein Leerstand in Ulfen behoben und gleichzeitig Geschichte erlebbar gemacht. Zudem wertet der Heimathof durch seine Lage am Premiumwanderweg diesen auf und bietet Wanderern aus nah und fern neben der Möglichkeit der Besichtigung und der Nutzung der Toilette die Möglichkeit zur Einkehr.“

Premiumwanderweg P 20 „Ulfener Karst“

Der Premiumwanderweg P20 „Ulfener Karst“ wurde noch nie so häufig abgelaufen wie in der Corona-Zeit. Die vielen Autos auf dem Wanderparkplatz sowie das vollgeschriebene Hüttenbuch an der Burgberghütte bestätigen dies. Vor Kurzem wurde an der Burgberghütte eine neue Panoramatafel angebracht. Oberhalb dieser Hütte steht die größte Frau Holle Deutschlands. Von dort kann die 2,5 Hektar große Blumenwiese bewundert werden, die erst nach der Mohnblüte so richtig zur Geltung kommt. Nachdem der Premiumwanderweg zuletzt mit 71 von 100 möglichen Erlebnispunkten belegt wurde und erneut das Wandersiegel des Deutschen Wanderinstituts erhalten hat, erhoffen sich die Verantwortlichen durch die unmittelbare Anbindung an den Heimathof auch eine Aufwertung des Premiumwanderwegs. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare