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Im Zug sprang der Funke über: Martha und Heinz Gebhardt feiern eiserne Hochzeit

Martha und Heinz Gebhardt blicken in die Kamera.
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Seit 65 Jahren ein glückliches Ehepaar: Martha und Heinz Gebhardt aus dem Sontraer Stadtteil Berneburg feiern heute ihre eiserne Hochzeit.

Eigentlich müsste das Lieblingslied von Martha und Heinz Gebhardt ein Schlager von Cliff & Rexonah sein, der den Titel trägt: „Ich fand das ganz große Glück mit dir im Zug nach Osnabrück.“

Warum? Ganz einfach, weil auch beim Ehepaar aus Berneburg, das am heutigen Donnerstag das seltene Fest der eisernen Hochzeit feiert, der Funke der Liebe in einem Zug übergesprungen ist. Wenn auch nicht in Richtung Osnabrück, sondern 1953, also vor 67 Jahren, auf dem Weg nach Bebra zur Berufsschule. „Ich war damals 17, Martha 16 und am 23. Juli 1955 war Hochzeit. Wie das damals so war, man musste heiraten“, schmunzelt Heinz Gebhardt mit dem Hinweis, dass am 5. Dezember bereits Tochter Karin geboren ist. „Und da wir außer unserer Liebe nichts hatten, haben uns zunächst einmal meine Schwiegereltern in Sontra aufgenommen“, erzählt der eiserne Bräutigam beim WR-Gespräch.

Ehefrau Martha blickt zurück zur Fahrt nach Bebra: „Heinz hat damals den Beruf des Steinsetzers gelernt, ich wollte Herrenschneiderin werden. Ich habe gelegentlich in diesem Beruf gearbeitet, war ansonsten Hausfrau und Mutter, während mein Mann schon am 1. Mai 1956 zur Bundesbahn wechselte und im Beamtenstatus 1998 in Pension ging.“

Das Ehepaar durfte viele schöne Jahre verleben und konnte trotz der kleinen Hobbylandwirtschaft wunderbare Reisen in Deutschland und ins europäische Ausland unternehmen. Aber auch das Schicksal hat dem eisernen Paar schwer zugesetzt. Sohn Lothar starb mit nur 24 Jahren nach einem Verkehrsunfall mit dem Motorrad, und Sohn Dieter krankheitsbedingt nur sechs Wochen nach der Geburt.

Während Tochter Karin mit ihrer Familie in Berneburg geblieben ist und ihre Eltern großartig in der Pflege unterstützt, zog es Tochter Ilona nach Röhrenfurth bei Melsungen und Sohn Joachim nach Kassel. Fünf Enkel und drei Urenkel komplettieren die Familie und sind natürlich gern gesehene Gäste bei den liebevollen Großeltern. Während die 82-jährige Martha Gebhardt sich im Kirchenchor in Berneburg und seit über 40 Jahren im Awo-Ortsverein Sontra engagiert und diesbezüglich auch schon mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet wurde, sah sie sich, was Ehemann Heinz Gebhardt betrifft, mit vielen Entbehrungen konfrontiert, denn ihr Partner gehört einerseits zur Kategorie „Vereinsmeier“, und andererseits hat er sich seit der Gebietsreform in 1972 der Kommunalpolitik verschrieben.

Allein 30 Jahre, von 1976 bis 2006, stand er als Stadtverordnetenvorsteher an der Spitze des Parlamentes in Sontra, wo er die Zusammenarbeit mit fünf Bürgermeistern (Besand, Stoepel, Alsholz, Büchling und Schäfer) pflegte. Die Liste der Ämter von Heinz Gebhardt ist lang: Schöffe am Landgericht Kassel und am Amtsgericht Eschwege, Eisenbahner-Gewerkschaft Deutschland, Mitgründer des SPD-Ortsvereins Berneburg, SPD-Ortsverband Sontra, Ortsbeirat von Berneburg, Anhörungsausschuss beim Werra-Meißner-Kreis, schließlich gehört er in Sontra und im Pfaffenbachtal zehn Vereinen an, war im Heimatverein Sontra sogar Vorsitzender. Natürlich durfte er sich über viele Ehrungen freuen, die höchste überbrachte ihm Landrat Dieter Brosey am 6. Dezember 2005 im Namen von Bundespräsident Horst Köhler: „Über das Bundesverdienstkreuz habe ich mich wirklich sehr gefreut.“

Eine Herzensangelegenheit war ihm stets die Partnerschaft mit Vimoutiers: „Ich war Mitorganisator der ersten Radtour über 14 Tage und 1200 Kilometer in die Normandie. Seither treffen wir uns zu Fahrten in Deutschland und Frankreich“, schwärmt der 83-Jährige von den vielen gewachsenen Freundschaften.

Gefeiert wird die eiserne Hochzeit am Samstag ab 11 Uhr im Gasthaus Gonnermann in Berneburg, wo das Jubelfest mit einer Andacht beginnt.

Von Harald Triller

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