In Wichmannshausen wird abgestimmt, ob die letzte Gefrieranlage abgeschaltet wird

Jetzt ist sie ein Stromfresser

Klappt vielleicht am Freitag ein Kapitel in der Wichmannshäuser Dorfgeschichte zu: Vorsitzender Georg Löffler ist seit 15 Jahren Vorsitzender der Gefriergemeinschaft.

Wichmannshausen. Am Freitagabend könnte das Ende der ersten und mittlerweile letzten Gefriergemeinschaft in Wichmannshausen besiegelt werden.

Dann stimmen die Fachinhaber darüber ab, ob das Gemeinschaftskühlprojekt noch eine Zukunft hat. Gestiegene Energiepreise und das fehlende Interesse der jungen Dorfbewohner stellen das System der großen Kühlfächer in Frage. Der Vorsitzende Georg Löffler gehört zu den Mitbegründern der Gefriergemeinschaft.

Als die ersten Fächer 1963 gebaut wurden, gingen die kalten Boxen weg wie warme Semmeln. Im Kurt-Reuber-Haus, direkt neben der Milchannahmestelle, wurden die ersten 38 Kühlfächer eingerichtet. Als das neue Gemeindehaus gebaut wurde, hatte man die nach dem Zweiten Weltkrieg aufkommenden Gefrierfächer miteingeplant. In diesem Jahr werden die mehrfach generalüberholten Gefriertruhen 50 Jahre alt. „Schlachtefleisch wurde darin überwiegend gelagert“, erinnert sich Georg Löffler an die Anfänge. Gleich nebenan wurde auch ein Kühlraum gebaut, in dem die Schweine lagerten. Die erste Gefrieranlage in Wichmannshausen hat eine Besonderheit: Hier gibt es einen Vorfroster. Er war für jeden Kühlfachbesitzer zugänglich. Darin konnten die Lebensmittel für einen Tag eingefroren werden, damit sie bereits tiefgefroren in das private Fach gelegt werden konnten.

Die letzte Gefriergemeinschaft wird gleichzeitig auch von der Lebensmittelüberwachung genutzt. Täglich um zehn Uhr holen Mitarbeiter des Veterinäramts aus einem Kühlschrank Trichinen-Proben ab, die Metzger und Jäger aus Sontra, Ringgau und dem Ulfetal dort für die Überprüfung abgeben.

Rund 23 000 D-Mark hat die Anlage 1963 insgesamt gekostet. Für 600 D-Mark hat jeder Interessent ein Kühlfach gekauft. „Mancher hatte sogar gleich zwei“, erzählt Löffler. Jährlich wurden die Nebenkosten wie Raummiete, Strom und Versicherung auf die Eigentümer umgelegt. 35 Euro waren das im vergangenen Jahr pro Fach.

Einige Fächer sind mittlerweile schon ausgeräumt. 36 Eigentümer teilen sich noch die Kosten. Diese Kosten werden in Zukunft vermutlich nicht mehr gehalten werden können. „In den vergangenen zwölf Jahren sind die Stromkosten um zwei Drittel gestiegen“, sagt Löffler. In nächster Zeit stehen Investitionen an: Die zweite Kühlmaschine läuft seit 27 Jahren, die erste hatte 23 Jahre durchgehalten.

Sollte sich die Versammlung morgen Abend für ein Ende der Gefriergemeinschaft entscheiden, soll die Anlage bis Oktober abgebaut werden. Rund 2000 Euro wird die Demontierung kosten, wenn die Eigentümer selbst mit anfassen. Die Kühlmaschine von 1986 wird noch mit FCKW betrieben. Die Sitzung der Gefriergemeinschaft am Freitagabend im Gasthaus Zum weißen Ross beginnt um 19 Uhr.

Von Tobias Stück

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