Zwischen Vernunft und Wehmut

Keine Sontraer Breitwiesn in diesem Jahr – Banner werden trotzdem aufgehängt

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Mit vereinten Kräften und unter Mitwirkung zahlreicher Akteure wurden die Banner in der Sontraer Innenstadt aufgehängt.

Ordentlich und haargenau wurden die Banner der einzelnen Sontraer Vereine am Mittwochnachmittag in der Innenstadt in fünf Meter Höhe in Position gebracht.

Es ist ein traditioneller Akt des nunmehr zehn Jahre alten Breitwiesn-Fest. Für viele ehrenamtliche Bürger ist es eigentlich der Startschuss in das Festwochenende.

In diesem Jahr ist alles aber ein bisschen anders. Anfang April haben sich die Veranstalter der Breitwiesn entschlossen, die neunte Auflage des Volksfestes wegen der Corona-Pandemie abzusagen. Zu groß sei die Gefahr durch das Virus. Statt Partystimmung wird an diesem Wochenende gähnende Leere in der Innenstadt und auf dem Festplatz an der Breitweise Einzug halten. „Aber das Aufhängen der Banner behalten wir auch in der Corona-Zeit bei“, sagte Sontras Bürgermeister Thomas Eckhardt, der sich freut, dass sich viele Vereine im Arbeitkreis-Breitwiesn beteiligen und beim Aufhängen der Transparente mit anpacken.

„Mir blutet das Herz"

Einer von ihnen ist Georg Baurhenne. Der 72-jährige ist seit der Gründung des Arbeitskreises immer mit von der Partie. „Mir blutet das Herz. Aber es geht nicht anders“, so das Urgestein des Kleingartenvereins, „Es ist das erste Mal, dass so etwas in Sontra passiert. Ich habe in über 50 Jahren keinen Festzug verpasst.“ Der Festumzug war und ist für Baurhenne Jahr für Jahr die Kirsche auf der Torte: „Die Begeisterung der Menschen am Straßenrand und die der Mitwirkenden werde ich besonders vermissen.“

Axel Fahnert (49) lobte in der Vergangenheit stets den Einfallsreichtum und die Kreativität der Teilnehmer des Festumzugs: „Wir haben mit dem Fest- und dem Festzug immer ein positives Signal nach außen gesendet.“ Vor allem sei laut dem zweiten Vorsitzende der ASH (Aktionsgemeinschaft des Sontraer Handels) das Volksfest für viele ehemalige Sontraer ein Grund gewesen, in die Heimat für ein Wochenende zurückzukehren: „Man sieht manche Leute nur einmal im Jahr und das ist auf den Breitwiesn. Aber die Absage war die logischste und vernünftigste Entscheidung.“

Feier wird fehlen

Werner Gerlach, der Ehrenratsvorsitzende der SG Sontra, hat den Termin für die Festlichkeiten schon lange in seinem Terminkalender markiert. „Mit Kumpels und Freunden zu feiern, das wird mir fehlen“, so der 66-Jährige, der sich erstmal dran gewöhnen muss, dass er am Freitag nicht den Weg in Richtung Festzelt einschlagen kann.

„Der Freitag wäre anders gestaltet worden“, so Gerlach, „Ein großer Heimatabend mit Darbietungen der Vereine aus Sontra und Tambach-Dietharz und insbesondere der Samstagabend mit der Coverband Partyteufel hätten für viel Begeisterung gesorgt.“ Nicht nur Gerlach klingt wehmütig, auch Tobias Blind. Der 42-jährige Vorsitzende der Feuerwehr Sontra-Mitte hätte in diesem Jahr mit der Jugendfeuerwehr das Fest als Symbolträger auf der Breitwiesn-Plakette vertreten. Die zwölfjährige Janina Schulz war als das Gesicht für den beliebten Pin vorgesehen, weil sie stellvertretend für viele Mädchen steht, die über die Jugendfeuerwehr den Weg in die Einsatzabteilung anpeilen. Blind fügte an: „Wir hatten viele Erneuerungen ins Programm aufgenommen.“ Bereits am Donnerstagabend hätte ein Festkommers anlässlich 30 Jahre Städtepartnerschaft mit Tambach-Dietharz (Thüringen) angestanden. „Wir als Arbeitskreis haben die Anregungen der Bevölkerung sehr ernst genommen und werden sie auch beim nächsten Breitwiesn-Fest umsetzen.“

Musikalisches Wecken am Sonntag

Mit drei kurzen Auftritten innerhalb einer Stunde wollen die Silver Lions und der Landknechtsfanfarenzug am Sonntagmorgen an die Breitwiesn erinnern. Los geht’s um 9 Uhr. Der Fanfarenzug um den musikalischen Leiter Stefan Ziemann spielt am Marktplatz, am Altenheim Schloss Sontra an der Lindenauer Straße sowie in der Schillerstraße. 

Die Marchingband Silver Lions mit der musikalischen Leiterin Tatjana Diegel an der Spitze willl mit Auftritten auf dem Barbaraplatz, am Awo-Altenheim an der Wichmannswiese und in der Danziger Straße den Menschen etwas Normalität zurückgeben. „Es soll keine Großveranstaltung sein, es werden drei Lieder gespielt und wir bitten die Bevölkerung die Darbietungen von zuhause aus zu verfolgen“, betonten die Verantwortlichen des Arbeitkreis Breitwiesn, die sich sehr darüber freuten, dass beide Musikzüge für die Aktion zur Verfügung stehen.

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