Klosterbier am Zuckerhut: Wie der Sontraer Armin Weichert das Eschweger Bier in Brasilien eingeführt hat

Armin Weichert mit seinem Lieblingsbier: Der Sontraer ging vor 20 Jahren nach Rio de Janeiro, gründete eine Familie und holte das Eschweger Bier nach. Foto: privat

Rio de Janeiro/Eschwege/Sontra. Ein Haus in Strandnähe, von dort den Blick auf den weltberühmten Zuckerhut und den Strand von Copacabana; Eigenheim, Familie, Katze und Hund. Armin Weichert (54) geht es gut in Brasilien. Vor 20 Jahren kam er das erste Mal und blieb. Er baute sich und seiner Familie eine Existenz auf. Heute ist er Geschäftsführer der Filiale einer amerikanischen Firma, die Rückenimplantate herstellt. Doch irgendwas fehlte dem Mann, der aus dem nordhessischen Sontra kam.

Von Andreas Nöthen

Will man in Deutschland Jacobinus-Klosterbier kaufen, muss man schon in die Region rund um Eschwege fahren. In Rio de Janeiro geht man einfach in eine Filiale der großen brasilianischen Supermarktketten Zona Sul oder Pão de Açúcar. Dort steht das Klosterbier einträchtig neben wenigen anderen importierten Sorten und den großen brasilianischen Platzhirschen. Doch wie kommt das? Schließlich ist Andreas Klosterbrauerei Eschwege ein kleines mittelständisches Unternehmen mit 50 Mitarbeitern und kein Global Player. Kästen und Fässer mit deren Erzeugnissen kommen normalerweise kaum über die Landkreisgrenze hinaus. Dass das nun anders ist, hat wiederum mit Armin Weichert zu tun.

Der hatte die Idee dazu. Vor einigen Jahren nahm er Kontakt zu Ernst Andreas auf, dem Besitzer der Brauerei. Beide waren auf dieselbe Schule gegangen. Außerdem war Andreas Sponsor von Weicherts Heimatfußballverein, der SG Pfaffenbachtal. Scheinbar eine gute Basis für eine Partnerschaft. Kurz drauf ging der erste Container mit 22 000 Flaschen auf die mehr als 10 000 Kilometer lange Reise über den Atlantik.

Das Geschäft ließ sich gut an. „Im zweiten Jahr waren es schon vier Container“, sagt Weichert. Inzwischen kann man das Gebräu in ganz Brasilien finden – von Fortaleza im Norden über Manaus im Amazonas bis in die Hauptstadt Brasilia oder Porto Alegre ganz im Süden. Das mag groß klingen, aber in erster Linie ist der Bierimport ein Hobby, wie Weichert sagt.

Waren nach Brasilien zu importieren ist nicht ganz einfach, die Einfuhrzölle sind hoch, die Bürokratie kann einem den letzten Nerv rauben. Darum arbeitet Weichert mit einem Logistikspezialisten zusammen. Eigentlich konzentriere man sich auf den regionalen Vertrieb, sagt Tanja Beck von der Andreas Klosterbrauerei Eschwege. „Aber inzwischen versenden wir unsere Biere nach Brasilien, Australien, Mexiko oder die Dominikanische Republik.“

In der Regel kommt der Kontakt zum Kunden auf direktem Weg. Weichert sucht sich Restaurants aus, die passen könnten und spricht die Besitzer dann an. Ganz uneigennützig ist das nicht: „Ich möchte nicht nur das beste Essen, sondern auch das beste Bier trinken“, sagt er. Doch zunehmend spielen die Sozialen Netzwerke eine größere Rolle. Kein Wunder in einem Land, so groß wie ein Kontinent und 200 Millionen mehr oder weniger handyabhängigen Einwohnern. Eine wachsende Zahl von Bestellungen kommt so über Facebook oder Whatsapp. „Oft auch von Personen, die ich bis dahin nicht persönlich kannte.“

Weichert und seine Familie fühlen sich wohl in Brasilien. Und sollte er jemals zwischenzeitlich Zweifel gehabt haben. Spätestens, seit er sein Lieblingsbier aus der Heimat auch mit Blick auf den Zuckerhut genießen kann, ist für ihn alles tudo ótimo: alles bestens!

So kam Weichert nach Rio

Seit nun 20 Jahren lebt Armin Weichert in Brasilien, war dort zunächst als Sales-Manager für das Melsunger Pharma-Unternehmen B. Braun zuständig. Das Unternehmen wollte expandieren, Weichert war jung und abenteuerlustig. Auf die Frage: Wer ist bereit für uns nach Brasilien zu gehen, meldete er sich. Damals als einziger. Und am Anfang gefiel es ihm dort weniger. „Ich saß in einem Wohnblock und wäre beinahe depressiv geworden“, sagt er. Schließlich war er aus seiner Heimat eine Umgebung mit viel Grün gewohnt und weniger das fröhlich lärmende Chaos der Mega-Stadt. Er schaute sich etwas im Umland um und fand Ruhe und Natur in Niteroi. Die Stadt liegt gegenüber von Rio an der Öffnung der Guanabara-Bucht. „Als ich das gefunden hatte, war alles gut.“ Vor sieben Jahren wechselte Weichert dann zum amerikanischen Unternehmen Globus Medical - Alphatec Spine, das medizinische Rückenimplantate herstellt. Bereut hat er den Schritt nicht. „Ich habe Brasilien alles zu verdanken, habe hier gute Chancen bekommen“, sagt der 54-Jährige. Auch privat fand er das Glück. Er heiratete die Brasilianerin Mirella. Die beiden haben zwei Söhne (14) und (16), die beiden gehen auf die deutsche Schule in Rio.

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