Landfrauen kochen mit Spitzenkoch Sippel

Regionale Produkte. Karotten, Rote-Bete-Schaum und das Mohn-Sesam-Hähnchen bilden den Hauptgang.

Sontra/Eschwege. Die Bezirkslandfrauen aus Eschwege haben mit dem Spitzenkoch Björn Sippel gekocht. Verfeinert waren die Gerichte -natürlich- mit Mohn.

Es ist der Seeteufel, der die Aufmerksamkeit der meisten Frauen auf sich zieht. Schon immer wollte man den mal filetieren, endlich ergibt sich die Möglichkeit, das einmal auszuprobieren. Denn zugegebenermaßen werde sonst immer das fertige Filetstück gekauft, die Haut ist da schon längst nicht mehr am Fisch.

Dieses Mal war sie noch dran. Besorgt hatte den Seeteufel Spitzenkoch Björn Sippel vom Meißnerhof aus Germerode, der sich anheuern lassen hatte von einer ganzen Schar Frauen, die sich den ein oder anderen Trick abschauen wollten beim Profi. Ermöglicht hatte dieses Event der Bezirksverein der Landfrauen Eschwege. Deren Mitglieder sind bekanntermaßen durchaus fähig, leckere Gerichte auf die Teller zu zaubern. Und dennoch waren die zwölf Frauen und der 13-jährige David, der einmal Koch werden möchte und mitkommen durfte, überzeugt: Man kann immer noch etwas lernen.

Es dreht sich um den Mohn

Und so ging es bei einem gemeinsamen Abend, der in Kloppers Brauhaus in Ulfen stattfand und ganz dem Thema Mohn gewidmet war, in die Küche: Die Frauen teilten sich in mehrere Gruppen auf, und schon bald erschallte das Geräusch klappernder Messer, rauschenden Wassers und dem Aneinanderschlagen von Rührbesen und -schüssel durch den Raum: Kartoffeln müssen geschält, Wirsing gewaschen und Zutaten zusammengerührt werden. Für die Karotten gibt es sogar ein extra rund geformtes Messer: „So lassen die sich schön oval formen“, erklärt Sippel den Grund für das spezielle Werkzeug und zeigt gekonnt, wie das funktioniert - oder funktionieren könnte, denn auch das will offenbar gelernt sein: „Bei mir wird da überhaupt nichts rund“, sagt Helga Isenberg aus Langenhain und lacht trotzdem (später wird ausgerechnet die perfekt geschälte Karotte von Björn Sippel vom Teller auf den Boden flutschen, sodass sie nicht mehr mitgekocht wird).

Routinierter läuft das am gegenüberliegenden Ende der Küche ab. Dort stehen Dagmar Neusüß und Susanne Busch und bereiten den Hauptgang vor: Hähnchenbrustfilet in einer Mohn-Sesam-Kruste soll es geben. Von jedem Schenkel wird die Haut mit geübten Handgriffen entfernt, anschließend wird das Fleisch in einem Gemisch aus Mohn, Sesam, Paniermehl und Gewürzen gewendet. „Darauf wäre ich gar nicht gekommen, das mal auszuprobieren“, sagt Neusüß.

Auch Ingrid Baum hört gespannt zu, wenn der Spitzenkoch erklärt, wie man das Kartoffelstroh herstellt, das es zu den Seeteufel-Medaillons auf dem grünen Erbsenpüree geben wird. „Die Gerichte sind bis auf den Fisch alles regionale Produkte, die man gut nachkochen kann“, sagt die Herleshäuserin. Was sie überrascht hat: Dass selbst vermeintliche Abfälle verwendet werden. So wurden aus der Haut des Hähnchens knusprig angebratene Würfel.

Typischer Küchengeruch

Ans Hantieren mit den Töpfen geht es in der Ulfener Küche erst, als die Vorbereitungen abgeschlossen sind: Die in lange Streifen geriebenen Kartoffeln werden in Öl frittiert, leise köcheln die geschälten Möhren auf der Platte daneben vor sich hin. Schnell kommt der typische Küchengeruch auf: Es reicht nach Fett, heißem Wasser und leckerem Gemüse, aber auch nach Experimenten, die in der heimischen Küche eher weniger zu sehen sind: Mit hochprozentigem Alkohol löscht Sippel die Garnelen ab, sodass wenige Sekunden später hohe Flammen aus der Pfanne emporzüngeln.

Bis tief in die Nacht hinein werden die Gerichte anschließend an der festlich geschmückten Tafel im Gewölbe von Kloppers Brauhaus verspeist. Die mit Lachstatar und Frischkäse gefüllten Mohncrêpes machen den Anfang, den Abschluss bildet eine himmlische Kombination aus Süßem und Fruchtigem: Die weiße Schokoladenmousse wird mit Kirschen an Cassis kombiniert.

• Kloppers Brauhaus in Ulfen feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Das ganze Jahr hindurch wird es kulinarische Veranstaltungen wie diese geben.

Kochen mit den Landfrauen

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