Mit dem Schlepper nach Bonn

Landwirte aus dem Kreis laden zu Demonstration gegen die Agrarpolitik ein

+
Sind beim Protest dabei: die Landwirte Tobias Wagner (links) und Martin Schmidt (rechts) sowie Fabian Asbrand (mit seiner kleinen Tochter im Schlepper).

Die Landwirte Fabian Asbrand (Breitau), Tobias Wagner (Sontra) und Martin Schmidt (Donnershag) haben die Nase voll. Sie rufen auf zum friedlichen Protest gegen die Agrarpolitik der Regierung.

Diese mache ihrer Aussage nach den heimischen Bauern das Leben schwer oder zwinge sogar Betriebe zur Aufgabe der Existenz.

Die drei folgen damit dem Aufruf der verbandsneutralen deutschlandweiten Bewegung „Land schafft Verbindung – wir rufen zu Tisch“. Landwirte aus ganz Deutschland kommen deswegen am Dienstag, 22. Oktober, ab 11 Uhr auf dem Münsterplatz in Bonn zusammen, wo das Bundes-Umweltministerium seinen Sitz hat. 700 Landwirte aus der Bundesrepublik seien angemeldet, viele davon kämen mit Schleppern. „Einige aus dem Kreis haben auch schon zugesagt. Wir hoffen, dass es noch mehr werden“, sagt Tobias Wagner, der vor den zwölf Stunden Fahrt auf dem Traktor nicht zurückschreckt, um Aufmerksamkeit zu erregen.

Thematisch sind es vier Kernpunkte, denen sich die Landwirte in der Demonstration zuwenden – beispielsweise die Gefährdung bäuerlicher Familienbetriebe durch das Agrarpaket. „Es geht hier unter anderem darum, dass wir Teile unserer Flächen mit Aue-Böden nicht bewirtschaften dürfen, um die Nitrat-Belastung zu senken. Das ist Unsinn, nur wenig Nitrat in Grundwasser kommt von uns Landwirten“, erklärt Martin Schmidt aus Sontra-Donnershag.

Auch greifen die Landwirte die Verschärfung der Düngeverordnung an. „Man darf pro Fläche nur noch eine bestimmte Menge Mist und Gülle ausbringen – ebenfalls zur Senkung der Nitrat-Werte. Das schadet aber dem Boden und dem Wasser mehr, als es nützt“, sagt der Breitauer Fabian Asbrand. Er meint, dass sich dadurch der Nährboden verschlechtert und weniger Kohlenstoffdioxid im Boden gebunden werde, das nun dadurch verloren gehe.

Tobias Wagner aus Sontra stört darüber hinaus die „permanente negative Stimmungsmache“ in der Öffentlichkeit. „Das führt zu Ärger und Frustration in unserem Berufsstand.“ Diskriminierung und Mobbing von Angehörigen gehöre zur Tagesordnung. „Teilweise brechen sogar vermeintliche Tierschützer in den Stall ein und machen Geräte kaputt. Das war bei uns erst kürzlich der Fall“, ergänzt Asbrand. So verliere der Beruf des Landwirtes immer mehr an Ansehen und Attraktivität.

Zu guter Letzt schmeckt den Bauern nicht, dass wegen des Mercosur-Handelsabkommens importierte Waren mit Billigpreisen „die Versorgung mit sicheren, qualitativ hochwertigen und geprüften Lebensmitteln aus der Region“ gefährden. Schmidt: „Wir wollen eigentlich nur in Ruhe arbeiten und davon letztlich auch leben können.“

Info:Wer noch mit zur Demo möchte, kann sich für einen vom Kreisbauernverband gecharteten Bus bei Stefanie Wittich, Tel. 0 56 51/74 56 60 oder per E-Mail kbv.wmk.wittich@gmail.com, anmelden. Wer mit dem Schlepper mitfährt, ruft Tobias Wagner unter Tel. 0163/5 54 63 28 an.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare