Spender informierte über Stammzellen- und Knochenmarkspende

Schüler der Adam-von-Trott-Schule ließen sich typisieren

Viele Schüler ab 17 Jahren ließen sich typisieren: Wie einfach das war, zeigt Julius Beier, der sich gerade eines der Wattestäbchen über die Innenwangen streicht. Seine Gewebepartikel werden nun im Labor daraufhin überprüft, ob er für einen Patienten passend ist. Fotos: Rissmann

Sontra.  „Einen Menschen retten zu können, das ist ein unbeschreibliches Gefühl." So berichtet Mike Dorsch aus Sontra von der Erfahrung, Stammzellen gespendet und damit einem damals 16-jährigen Jungen aus Kalifornien das Leben gerettet zu haben.

Dorsch erzählte am Mittwochvormittag vor rund 60 Oberstufenschülern der Adam-von-Trott-Schule in Sontra von seiner Spende. Gerade einmal drei Monate war er bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registriert, da sei bereits der Brief gekommen, dass er für einen Patienten in Frage komme. Eindrucksvoll schilderte der 41-Jährige den Schülern von den zahlreichen Voruntersuchungen, der Beratung mit seiner Familie und dem Entschluss auch tatsächlich helfen zu wollen.

„Eine Registrierung bei uns bedeutet nicht, dass man auch verpflichtet ist tatsächlich zu spenden“, erklärte Martin Quarg. Er ist bei der DKMS für die Neuspendergewinnung zuständig und hatte den Schülern im Vorfeld zwei Filme über die Notwendigkeit und den Ablauf einer Stammzellen- und Knochenmarkspende gezeigt.

Hatten viele Fragen: Alina Stöhr (von links), Sophia Dreilich, Lisa Semmler, Philine Hilmes und Anna Knüffel hatten viele Fragen an Mike Dorsch.

Dorsch machte den Schülern Mut sich registrieren zu lassen. „Bei mir wurden die Zellen damals in einer Operation aus dem Beckenknochen entnommen, das hat gar nicht schlimm weh getan“, sagt er. Lediglich ein paar Tage habe es sich wie ein Muskelkater angefühlt. „Ich würde es jederzeit wieder machen“, sagt Dorsch. Denn das schönste sei eigentlich nach der Spende passiert: „Ein paar Wochen später kam bereits der erste Brief von der Familie des Jungen aus Amerika. Das war ein sehr emotionaler Moment.“ Alles sei anonymisiert gelaufen, denn in den ersten zwei Jahren nach einer Spende dürfen Spender und Empfänger sich nicht persönlich treffen. Dorsch berichtete von Briefen, die von Mitarbeitern der DKMS anonymisiert wurden. „Wir haben aber trotzdem bereits nach anderthalb Jahren persönlichen Kontakt gehabt“, erzählt Dorsch und lächelt verschmitzt. Der ein oder andere Fehler beim anonymisieren brachte die Vornamen und mit den Hinweisen Sonne und Strand die ungefähre Region. Die noch fehlenden Informationen recherchierte Dorsch dann im Internet.

„Der Vater des Jungen hatte eine Spendenaktion in seiner Heimatstadt in Kalifornien oranisiert und so habe ich ihn gefunden“, sagt Dorsch. Der erste Anruf sei noch etwas holprig gewesen, doch mittlerweile habe man regelmäßigen und intensiven Kontakt. „Das hat das Leben unser beider Familien vollkommen verändert“, sagt Dorsch. Eine Erfahrung, die er nicht missen möchte. „Ich kann Euch nur empfehlen Euch registrieren zu lassen“, gab er den Schülern mit auf den Weg.

Das ließen sich einige nicht zweimal sagen und machten bei der anschließenden Typisierungsaktion mit. Die war gar nicht schlimm, denn die Schüler mussten kein Blut abgeben, sondern sich lediglich zwei Wattestäbchen in die Innenwangen legen.

Von Diana Rissmann  

 

Fragen und Antworten zum Ablauf einer Spende bei der DKMS 

- Welche Risiken trage ich als Spender?

Heutzutage werden rund 80 Prozent der Spenden über die sogenannte periphere Stammzellenentnahme vorgenommen. Die ist ähnlich einer Blutplasmaspende und dauert etwa drei bis vier Stunden. Vorher bekommt man ein bestimmtes Medikament, dabei kann man grippeähnliche Symptome entwickeln, die aber nach der Spende vergehen. Die restlichen Stammzellen werden durch eine Knochenmarkentnahme aus dem Beckenkamm gewonnen. Dabei trägt man das normale Risiko von operativen Eingriffen mit Vollnarkose. Über Langzeitnebenwirkungen ist nichts bekannt.

- Ab welchem Alter darf man sich registrieren und spenden?

Spenden darf jeder, der zwischen 18 und 55 Jahren ist. Auch wenn es harmlos ist, ist es ein Eingriff in den Körper und dafür müsse der Spender volljährig sein. Registrieren kann man sich ab dem 17. Lebensjahr, sodass man dann ab 18 direkt als Spender zur Verfügung steht.

- Kann sich jeder typisieren lassen, auch wenn er selbst Krankheiten hat?

Nein. Die potenziellen Spender müssen über 50 Kilogramm wiegen und nicht übergewichtig sein. Registrieren kann man sich ebenfalls nicht, wenn man beispielsweise Erkrankungen von Herz udn Kreislauf, der Nieren oder der Lunge, schwere Stoffwechsel oder Infektionskrankheiten, Autoimmunerkrankungen, schwere chronische Erkrankungen wie Asthma oder Rheuma hat. Auch Menschen mit Suchterkrankungen sind ausgeschlossen.

- Kann man sich die Methode der Stammzellspende aussuchen?

Natürlich steht der Wunsch des Spenders ganz oben. Allerdings müssen auch die jeweiligen Umstände berücksichtigt werden. Aus medizinischen Gründen kann eine der beiden Methoden ausgeschlossen werden. Ein Arzt wird darüber bei den intensiven Voruntersuchungen genau aufklären. (dir)

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