Verabschiedung von Pfarrer Reinhard Weidner aus dem Dienst in den Ruhestand

Mit Leib und Seele Pfarrer

Der Kirchenvorstand ist zur Verabschiedung Pfarrer Reinhard Weidners (Mitte) eher traurig, denn er verliert einen engagierten, menschlichen Seelsorger. Pröpstin Winold-Hocke entpflichtete ihn, Pfarrer Ralph Beyer (re.) dankte seinem Kollegen. Foto: Weber

Wichmannshausen. Noch drei Monate, dann wären es 20 Jahre gewesen. So verabschiedet sich Pfarrer Reinhard Weidner nun ohne Dienstjubiläum in den Ruhestand. „Reinhard Weidner ist in dieser Zeit mit Leib und Seele Landpfarrer gewesen“, sagt Pröpstin Katrin Winold-Hocke über ihn. „In 40 Dienstjahren hat er die Menschen zum Reden gebracht und ihnen zugehört.“

Und er kann sie für das Evangelium einnehmen. Genau aus diesem Grund lässt seine Gemeinde ihn auch nur sehr ungern ziehen. Sie alle wissen, was sie an ihrem Pfarrer haben, der fast 20 Jahre für die Menschen in Wichmannshausen, Hoheneiche und Mitterode da war, Freude und Leid mit ihnen geteilt hat - der seine Predigten immer ohne Manuskript hielt, dafür mit Humor, mit Herz und Menschlichkeit.

So war die Kirche zum Verabschiedungsgottesdienst in Wichmannshausen auch bis auf den letzten Platz besetzt, denn alle Gemeindemitglieder wollten ihrem Pfarrer zum Abschied noch einmal ihre Dankbarkeit aussprechen. „Das Markenzeichen von Reinhard Weidner ist seine Toleranz, seine Offenheit und sein mitfühlendes Handeln, allen gegenüber, auch den anders Denkenden, anders Lebenden und anders Glaubenden gegenüber“, sagte Dieter Krämer aus dem Kirchenvorstand. Nicht nur in den drei Gemeinden des Kirchspiels, sondern auch in der Notfallseelsorge und in der Urlauberseelsorge engagierte sich Pfarrer Weidner mit ganzer Kraft. „In unseren Gemeinden hat er seine Spuren tief eingeprägt“, fügt Dieter Krämer hinzu.

„Bist du denn verrückt? Pfarrer - so einen Hungerleiderberuf?“

Reinhard Weidners Mutter

Und er wird eine Lücke hinterlassen. Das bleibt ungesagt, aber nicht ungedacht. 1947 wurde Reinhard Weidner in Neuroda am Thüringer Wald geboren und hatte mit sieben Jahren eine schwere Tetanuserkrankung zu überstehen. Im Konfirmandenunterricht, in dem er anfangs „die Wirkung des Heiligen Geistes noch nicht gespürt hatte“, wie er selbst erzählt, stellte sich diese dann aber doch rasch ein. So stand sein Berufswunsch als junger Mann bereits fest. Er wollte Pfarrer werden, auch wenn seine Mutter von der Idee nicht begeistert war. „Bist du denn verrückt, Pfarrer, so einen Hungerleiderberuf?“, soll sie gefragt haben.

Doch für Reinhard Weidner war es mehr eine Berufung denn ein Beruf, der er dann auch 40 Jahre lang mit aller Energie nachging, die letzten 20 Jahre davon in Wichmannshausen, wo er mit seiner Familie für diese Zeit ein Zuhause gefunden hatte.

Nun geht es für ihn zurück nach Thüringen. Und seine Gemeinde wünscht ihm, dass er nun Zeit hat, sich der Musik und der Literatur zu widmen - und seinen Bienenvölkern, die er mit viel Liebe pflegt.

Von Kristin Weber

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare