PARADIES GESUCHT (5)

Heike und Jürgen Kliem haben Nadelwald in ein Blütenmeer verwandelt

Paradies gesucht, Garten, Schluss mit großen dunklen Bäumen: Jürgen und Heike Kliem haben in jahrelanger Arbeit aus einem Nadelwald im Hinterhof ein buntes Blütenmeer gemacht Blumen, Fichten, Blüten
+
Schluss mit großen dunklen Bäumen: Jürgen und Heike Kliem haben in jahrelanger Arbeit aus einem Nadelwald im Hinterhof ein buntes Blütenmeer gemacht.

Zeigt her eure Gärten! Wenn Ferien im eigenen Garten, gerade in der Corona-Zeit, zum Urlaubsersatz werden, ist die WR dabei und wirft in dieser Serie einen Blick in die heimischen Paradiese.

Wichmannshausen – Wo heute ein kleiner gepflasterter Weg an einem ordentlich drapierten Blumenbeet vorbeiführt, war noch vor sieben Jahren kein Durchkommen. „Hier standen mal vierzig Fichten“, sagt Heike Kliem und breitet die Arme weit aus. Die 60-Jährige strahlt bei der Erinnerung übers ganze Gesicht, denn seit dem Ende des Nadelholzwaldes ist rund um ihr Haus nichts mehr wie vorher.

Aus dem alten Fachwerkhaus mit dunklem, verwuchertem Garten machten Heike und Jürgen Kliem einen Retro-Gartenpark. „Wir haben fast alles, was wir um das Haus herum gefunden haben, wiederverwendet“, erzählt Jürgen Kliem. So blieb die etwas heruntergekommene Gartenhütte stehen, aber statt der verfallenen Tür setzte das Ehepaar kurzerhand die alte Tür des Wohnhauses ein. Mit einem schneeweißen Anstrich, Tomatenpflanzen vor den Fenstern und einem alten Kuh-Kummet an der niedrigen Mauer sieht die Gartenhütte wieder frisch aus.

An dem kleinen Holzschuppen gegenüber hängen Eggen, Kuchenformen und ein Steckenpferd. „Das haben wir von unseren Eltern geerbt oder auf Flohmärkten gefunden“, erklärt Jürgen Kliem und zeigt auf die bunt zusammengewürfelte Wanddekoration. Doch nicht nur zufällige Funde finden den Weg in den Vintage-Garten.

Nach einem hölzernen Handwagen, der in ihre Gartenecke passt, hat das Paar ganz gezielt gesucht. Heute steht das kleine Gefährt mit den roten Rädern vor der Gartenmauer und ist Hüter der Kürbispflanzen.

Den passenden Handwagen aus Holz für ihr Gartenparadies hat das Wichmannshäuser Ehepaar Kliem lange gesucht.

In einer anderen Ecke des Gartens geht es dagegen weniger rustikal zu. Hier ist von robustem Alltagscharme weniger zu spüren, dafür ranken sich rosafarbene Rosen um einen schlanken Metallbogen, unter dem eine kleine Gartenbank mit passendem Kissen steht. Rosen hat Jürgen Kliem besonders gern und so zieht sich ein buntes Blumenband um das Grundstück: „Es sind bestimmt 65 Sträucher“, sagt der gelernte Dekorateur stolz.

Der Handwerker mit dem grünen Daumen züchtet deshalb Bukavu-Rosen, Kletterrosen, Duftrosen und Fairy-Bodendecker-Rosen. Den Anfang hatte ein einziger Rosenstrauch gemacht, den der Landschaftsgärtner von seiner Vorgesetzten geschenkt bekam. „Und dann ging es einfach immer weiter“, so der 64-Jährige.

Allerdings bereitet den Heimgärtnern der Zustand ihrer Pflanzen momentan Sorgen. Denn die bunten Blühpflanzen werden vom Rosenrost heimgesucht. Die Ursache für den Pilzbefall, der die Blätter mit braunen Punkten übersät und der im schlimmsten Fall zum Absterben der Rose führt, sieht das Ehepaar Kliem im Boden.

Rosen sind das Steckenpferd von Jürgen Kliem und eines aus Holz hat der Wichmannshäuser in seinem Gartenparadies auch.

„Befallene Rosen werden nämlich oft in der Biotonne entsorgt, wo sie nicht hingehören“, erklärt Heike Kliem. Denn wenn die erkrankten Rosen später kompostiert werden, bleiben Pilzreste erhalten und die wandern über den Humus wieder auf die jungen Pflanzen über, so Kliem.

Gar nicht kränklich ist dagegen der Apfelbaum, der im Vorgarten neben der blau gestrichenen Garage steht. „Von dem bekommen wir 80 Liter Apfelsaft im Jahr“, freut sich Jürgen Kliem. Zentnerweise bringt das Ehepaar alle gepflückten Äpfel zur Kelterei in Oberdünzebach. Und das, obwohl Heike Kliem eigentlich allergisch gegen Äpfel ist.

Einen Tipp für alle Apfelliebhaber hat die 60-Jährige aber parat: „Wird die Frucht zu Saft gepresst, reagiere ich darauf nicht mehr allergisch.“ Denn beim Pressen der Früchte wird die allergene Eiweißstruktur aufgebrochen und das schwächt die Überreaktion des Immunsystems ab. Damit die Äpfel jedes Jahr sprießen, gießt Jürgen Kliem den Baum an trockenen Tagen.

Rosen sind das Steckenpferd von Jürgen Kliem und eines aus Holz hat der Wichmannshäuser in seinem Gartenparadies auch.

„Und hier war alles mal nur Schotterwiese“, erinnert sich der Gartenbesitzer und schaut auf seine Blumenbeete und den kleinen gepflasterten Weg, der sich zwischen dichten Bukavu-Rosensträuchern entlangschlängelt. Für die Pflege des Rasens haben sich die Vollblutgärtner Unterstützung geholt. Unter einem kleinen Vordach wartet ein Mähroboter auf seinen Einsatz. Um ihre mühsam gezüchtete Rosenpracht nicht den scharfen Messern des Rasenhelfers auszusetzen, hat das Ehepaar einen mitgelieferten Draht verlegt. „Also wenn es ein doppelter Draht ist, weiß der Roboter, dass er drüber fahren darf und bei einem einfachen fährt er nicht drüber“, erklärt Jürgen Kliem die grüne Konstruktion.

Auch um den kleinen Pool macht der Rasenmäher einen Bogen. Für das Ehepaar Kliem ist ihr Garten nicht nur schön anzuschauen, er ist auch unersetzlich. „Das Grün brauchen wir einfach, es ist immer dabei“, sagt Heike Kliem. Auch als das Ehepaar noch in Kassel wohnte, musste ein Schrebergarten her. Seit ihrem Umzug vor sieben Jahren nach Wichmannshausen müssen Heike und Jürgen Kliem aber nicht mehr so weit fahren, um zu ihren Tomaten, Rosen und Apfelbäumen zu kommen – ein Schritt vor die Haustür reicht.

Von Kim Hornickel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare