Die Nachbarn kannten die Anfänge

Der Männergesangsverein Ulfen feiert seinen 150. Geburtstag

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Der Jubiläumschor im Jahr 2020: Auf rund 30 Aktive kann der Männergesangverein zählen. Fünf Männer kamen in diesem Jahr aus Sontra dazu.

Der Männergesangverein Ulfen wird seinen dreitägigen Feier-Marathon für dieses Wochenende absagen. Grund für die Absage sind die jüngsten Entwicklungen zum Coronavirus.

„Wir haben eine Verantwortung, gerade vielen älteren Mitmenschen“, denen wir gerecht werden möchten“, sagt Vorstandsmitglied Willi Eckhardt. Die Veranstaltung wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. Trotzdem blicken wir in die Historie des Vereins.

Vereinsgründung vor 150 Jahren

Den Beweis der Vereinsgründung vor 150 Jahren liefern die Nachbarn aus Richelsdorf, was auch nötig war, denn eigene Protokolle gingen lediglich bis ins Jahr 1894 zurück. In Richelsdorf feierte der dortige MGV 1960 sein 100-jähriges Bestehen. In dieser Chronik stand: „Im Jahr 1871 ging’s zum Singefest nach Ulfen.“ Diese Nachricht motivierte Schriftführer Karl Rimbach, der zu dieser Zeit als Postbediensteter in Richelsdorf tätig war, und Notenwart Eduard Michael. Sie haben die entsprechende Stelle aus der Chronik abfotografiert, was zur Folge hatte, dass der Mitteldeutsche und der Deutsche Sängerbund die Gründung auf das Jahr 1870 festlegten. Die 150 Jahre im Zeitraffer:

1902

wurde die erste Vereinsfahne angeschafft und feierlich eingeweiht.

1911

musste wegen der vielen Sänger die Aufnahme von neuen Mitgliedern gestoppt werden.

1914

wurde wegen des Ersten Weltkrieges der Übungsbetrieb eingestellt, viele Sänger wurden an die Front berufen.

1923

wurde wegen der Geldentwertung beschlossen, dass in der Gesangstunde kein Bier mehr getrunken wird, viele Mitglieder konnten es sich nicht leisten.

1926

wurde das geplante Sängerfest nach einem starken Regen in der Nacht zum 10. Juli abgesagt. Das Dorf stand unter Wasser und musste von Schlamm und Geröll befreit werden. Zwei Wochen später wurde das Fest mit neun Gastchören nachgeholt.

1931

zählte der MGV 31 aktive Mitglieder, der Singstundenbetrieb blieb in den Folgejahren aufgrund von politischen Interessen allerdings bis nach dem Zweiten Weltkrieg auf der Strecke.

1950

hat sich der MGV Ulfen zusammen mit zwölf Vereinen dem Sängerkreis Tannenberg angeschlossen und drei Jahre später dem Deutschen Sängerbund.

1958

haben sich die Ereignisse überschlagen. Im Juli konnte der MGV Ulfen 18 Gastvereine zum Bezirkssängerfest begrüßen und dann kam mit Willi Höll eine Legende des Chorgesanges im Werra-Meißner-Kreis als Schulleiter nach Ulfen, übernahm den MGV und gründete mit frischem Schwung den Frauenchor, der dann mit dem auch als großer gemischter Chor auftrat.

1964

begann eine Ära. Willi Höll wurde nach Wanfried versetzt und Nikolaus Gerlach übernahm für 46 Jahre den Dirigentenstab bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahre 2010.

1970

bekam der Vorsitzende Heinz Göpfarth zum 100-jährigen Bestehen in der Landeshauptstadt Wiesbaden die Zelterplakette verliehen.

1971

fanden die eigentlichen Jubiläumsfeierlichkeiten mit einem Jahr Verspätung statt. 22 Gastvereine gratulierten auch zur Einweihung der neuen Fahne. Auch der Wechsel ins neue Vereinslokal Stauffenberg wurde vollzogen.

1981

reisten die Sänger erstmals zum Weihnachtskonzert ins Altenheim nach Wommen. Dieser Termin ist auch aktuell noch immer im Jahresprogramm festgeschrieben. Hermann Bodenstein wird zum Vorsitzenden gewählt und bleibt es 36 Jahre.

1990

entstand die Freundschaft zum MGV Liederkranz Laucha. Nach der ersten Fahrt ins benachbarte Thüringen sollten bis in die Gegenwart viele weitere folgen, sogar mit dem Pflanzen einer Freundschaftseiche.

1995

wird in der Sport- und Kulturhalle mit einem Chorkonzert das 125-jährige Bestehen gefeiert.

2000 

fährt der MGV Ulfen zum ersten Treffen nach Oberstetten. Auch diese Freundschaft zum Chor im oberen Taubertal wird länger gepflegt. Mit großem Engagement bracht sich der MGV in die örtliche 1225-Jahr-Feier ein.

2010 

übernahm Karl-Wilhelm Schmidt die Chorleitung. Und zusammen mit den Chören aus Grandenborn und Breitau nahm der MGV Ulfen die Einladung von Dieter Franz in den hessischen Landtag wahr, die gemeinsamen Gesangsdarbietungen fanden unter der Leitung von Karl-Otto Stück aus Grebendorf statt. Das 140-jährige Bestehen wurde mit hohen Ehrungen für Hermann Bodenstein und Willi Eckhardt gefeiert. Und der Umzug ins DGH war nach der Schließung des Gasthauses Stauffenberg unumgänglich.

2013 

legt der zweite Vorsitzende Eduard Michael nach 50 Jahren Vorstandsarbeit sein Amt nieder und wird aufgrund seiner Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt, obwohl er nie an der Spitze des Chores stand.

2014

übernimmt Michael Rimbach den MGV als musikalischer Leiter. Der Ulfener Vollblutmusiker wird allseits als Glücksfall für den Fortbestand des Chores bezeichnet.

2020

schließen sich rechtzeitig zur dreitägigen Jubiläumsfeier nach der Auflösung des Chorvereins mehrere Sänger aus Sontra dem MGV Ulfen an, der nun 30 Aktive zählt.

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