Verurteilter könnte frei kommen

Mordversuch in Sontra: Landgericht will am 16. November Urteil verkünden

Justizia als Skulpur mit verbundenen Augen
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Der 56-jährige Deutsch-Türke aus Göttingen, der wegen Mordversuchs an seinem kurdischen Schwiegersohn in Sontra zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde, könnte bereits Mitte November vorerst aus der Haft entlassen werden. Das hat Richter Robert Winter in der Revisionsverhandlung vor der 10. Strafkammer des Landgerichts angekündigt.

Sontra/Kassel - In der Verhandlung am kommenden Montag, 16. November, will die Kammer über die Haftfähigkeit des Mannes entscheiden. Sollte der Mann dann tatsächlich zunächst auf freien Fuß kommen, müsse er aber gleichwohl an den beiden noch folgenden Prozesstagen teilnehmen, ermahnte der Richter den Angeklagten. Der schweigt bislang auch in dem neuen Prozess.

Der Bundesgerichtshof hatte der Revision des Angeklagten stattgegeben, weil sich die 6. Strafkammer in ihrem Urteil nach Auffassung des BGH nicht hinreichend mit der Frage des strafbefreienden Rücktritts vom Tötungsversuch auseinandergesetzt habe. Seit Mitte Oktober wird daher der komplette Fall erneut aufgerollt. Dem Göttinger wird vorgeworfen, im Februar 2018 mit einer halbautomatischen Pistole und einer Luftdruckwaffe insgesamt acht Mal auf den heute 26 Jahre alten Kurden geschossen und diesen lebensbedrohlich verletzt zu haben. Der Mann, der inzwischen die Tochter des Angeklagten geheiratet hat, überlebte knapp nach einer Notoperation.

Hintergrund der Tat war der Umstand, dass der Angeklagte nicht mit der Beziehung seiner Tochter zu dem Kurden einverstanden war und die Hochzeit verhindern wollte. Am jüngsten Verhandlungstag wurde ein Gutachten vorgelegt, das sich mit einer Verletzung an der rechten Hand des Angeklagten befasste. Diese Verletzung werde typischerweise vom Zurückschnellenden Schlitten einer Pistole verursacht, wenn diese von einem unkundigen Schützen abgefeuert wird. Richter Winter kündigte an, dass am geplant letzten Verhandlungstag, dem 24. November, der psychiatrische Sachverständige Dr. Georg Stolpmann sein Gutachten über den Angeklagten vortragen wird. Dann sollen die Plädoyers gehalten und auch das neue Urteil gesprochen werden.

Von Thomas Stier

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