Nicht ohne Respekt

Joachim Hartel, katholischer Pfarrer in Sontra, ist nebenbei Amateur-Boxtrainer

Freut sich, dass er bei der Firma Frimo im Industriegebiet Brodberg neue Trainingsräume gefunden hat: Joachim Hartel, Box-Trainer und katholischer Pfarrer in Sontra. Foto: Deppe

Sontra. Natürlich hätten die Mitbrüder im Theologiestudium manchmal den Kopf geschüttelt, erinnert sich Joachim Hartel. Ein Mann der Kirche, der sich am Boxsack fit hält? Das mag auf den ersten Blick nicht richtig zusammenpassen.

Das sieht der 46-Jährige anders. „Man muss an körperliche und geistige Grenzen gehen“, sagt der katholische Pfarrer, „das ist eine gute Schule.“

Zweimal pro Woche bietet Hartel für den TV Sontra ein Boxtraining an. An der Adam-von-Trott-Schule betreut er eine Arbeitsgemeinschaft Boxen. Als Angriffssport will er sein Hobby aber nicht verstanden wissen. „Es geht um Bewegung, darum, dass der komplette Körper beansprucht wird“, sagt er. Daher habe es auch Priorität, nicht von seinem Gegner getroffen zu werden. „Erst wenn das klappt, kann man auch mal versuchen, einen Treffer zu landen.“

Zum Boxen kam Hartel während seines Jura-Studiums in Gießen Anfang der 90er-Jahre. Eine Kommilitonin hatte ihn mit zum Uni-Sport genommen. „Anfangs musste ich mich auch ab und an mal durch das Training quälen, aber das gehört eben dazu“, sagt er. Dort nahm er manchmal am Sparring teil, den Trainingskämpfen. „Da habe ich auch mal den ein oder anderen Treffer kassiert und weiß, wie weh das tun kann.“

Von richtigen Kämpfen sind die Sontraer Boxer aber weit entfernt. Wer wirklich in einen Ring wolle, der müsse deutlich mehr tun, als einmal die Woche mit ihm zu trainieren, sagt Hartel. Ohnehin bietet er mit dem olympischen Boxen die sicherere und wegen der enger gestaffelten Alters- und Gewichtsklassen auch fairere Variante an. Dafür hat er beim Hessischen Box-Verband die C-Trainer-Lizenz gemacht. „Dazu habe ich mich schnell entschieden, weil die Möglichkeiten sonst doch recht limitiert sind“, sagt er. Respekt steht für ihn an oberster Stelle und da lässt er keine Kompromisse zu: „Sollte ich erfahren, dass jemand das Gelernte außerhalb des Sports anwendet, der wäre sofort raus.“

Den ursprünglichen Trainingsort, die Turnhalle der Barbaraschule musste die Boxgruppe nach der Belegung der Schule mit Flüchtlingen verlassen. Trainiert wird jetzt in Räumen der Firma Frimo am Brodberg, die Geschäftsführer Thorsten Blöcker zur Verfügung stellt.

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