Vor dem Feuertod gerettet: Mann zieht Frau nach Unfall aus brennendem Auto

Nach Unfall auf B27 bei Bebra: Mann zieht Frau nach Unfall aus brennendem Auto

Nach dem Unfall auf der B27 bei Bebra rettete Norbert Schmitz  eine 34-jährige Frau aus ihrem brennenden Auto.

Sontra - Den vergangenen Sonntag wird Norbert Schmitz aus Sontra wohl auch nie wieder vergessen. Der 63-Jährige war zufällig Zeuge des schweren Unfalls auf der B27 bei Bebra.

Der Renter kam gerade mit seiner Frau als Alsfeld. Das vor ihm fahrende Auto sei ihm schon vor dem Unfall aufgefallen, weil es so leicht „geschlingert“ sei, sodass er gesundheitliche Probleme des Fahrers oder der Fahrerin vermutet habe.

Nach Unfall auf B27 bei Bebra: Ohne lang zu überlegen, hingelaufen

Dann sei alles ganz schnell gegangen: Das Auto kam bei Bebra von der B27 ab, wurde über die Leitplanke katapultiert, prallte frontal gegen einen Baum und fing an zu brennen. Ohne lange zu überlegen sei er hingelaufen, berichtet Schmitz, und habe die verletzte und offenbar unter Schock stehende Frau aus dem Auto gezogen. Die Tür habe bereits offen gestanden.

Norbert Schmitz: Helfer

„Es tat mir fast leid, sie hatte sicher Schmerzen, aber ich musste sie ja irgendwie raus bekommen“, so der Rentner, der in seiner Freizeit für die Werra-Rundschau Zeitungen zustellt. „Das war sehr, sehr brenzlig.“ Zwei inzwischen ebenfalls an der Straße stehende jüngere Männer habe er lautstark angewiesen, ihm zu helfen und außerdem die Unfallstelle abzusichern.

Nach Unfall auf B27 bei Bebra: Norbert Schmitz ging nochmal zurück

„Dann bin ich nochmal zurück, um nachzuschauen, ob möglicherweise auch noch Kinder im Fahrzeug sind.“ Um sein eigenes Leben habe er in diesem Augenblick keine Angst gehabt, wobei zum Nachdenken schlicht keine Zeit gewesen sei. „Jeder kann in so eine Situation kommen und Hilfe benötigen“, weiß der Sontraer. Was er nicht verstehen kann, ist das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer am Unfallort auf der B27 bei Bebra. „Einige sind einfach an uns vorbeigefahren.“ Respekt zollt er hingegen den Rettungskräften. „Die waren sehr schnell da.“

Das Geschehen habe ihn nicht nur den Rest des Abends beschäfigt. „Man macht sich natürlich so seine Gedanken“, sagt der 63-Jährige. „Hat sie Familie, wie geht es ihr jetzt?“ Er hofft, dass die 34-Jährige alles gut übersteht.

Nach Unfall auf B27 bei Bebra: Ähnliche Situation schon mal erlebt 

Eine ähnliche Situation habe er übrigens vor vielen Jahren schon einmal erlebt, erzählt er. „In den 1970er-Jahren, als ich noch bei der Bundeswehr war, wurden wir Zeuge, als ein Jeep der US-Armee von der Straße abkam und in Brand geriet.“ Gemeinsam hätten sie zwei Männer aus dem Wrack geholt, ein dritter war augenscheinlich tot. „Diese schlimmen Bilder werde ich nie vergessen, und damals habe ich mir geschworen, zu helfen, wo ich helfen kann.“

Dass er auf Anfrage unserer Zeitung über seinen Einsatz am Sonntag spricht, habe vor allem einen Grund: „Ich bin niemand, der in die Öffentlichkeit drängt. Aber vielleicht ist es ein Ansporn oder eine Hilfe für andere, die in eine ähnlichen Situation kommen und unsicher sind. Es ist besser, etwas falsch zu machen, als nichts zu machen.“

Nach Unfall auf B27 bei Bebra: Polizeisprecher lobt Ersthelfer 

Das sagt so auch Stephan Müller, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Osthessen, der den Einsatz der insgesamt drei Ersthelfer auch im Namen des Polizeipräsidenten ausdrücklich lobt. „Wir sprechen ihnen für ihr couragiertes Handeln unsere Anerkennung aus. Es ist schön, dass es immer wieder Menschen gibt, die in so einer Situation vorbildlich handeln, anstatt zuzuschauen oder gar die Einsatzkräfte zu behindern.“

Überdies könne nach einem Unfall jeder etwas tun: eine Rettungsgasse bilden, den Notruf wählen und die Unfallstelle sichern. Wenn möglich, sollte man natürlich auch die Warnweste anziehen, um sich selbst nicht zu gefährden. Sinnvoll sei es zudem, die Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig aufzufrischen. Aber Müller betont auch: „Wer den Notruf wählt, wird nicht allein gelassen.“

Von Nadine Maaz

Foto: Gaby Oberenzer

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