Erlös aus Dorffest gespendet

Hilfe aus Diemerode kommt direkt bei junger Familie im Ahrtal an

Hilfe, die ankommt: Björn Vogel hat die Spenden aus dem Dorffest einer betroffenen Familie aus Altenahr direkt vor Ort übergeben.
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Hilfe, die ankommt: Björn Vogel hat die Spenden aus dem Dorffest einer betroffenen Familie aus Altenahr direkt vor Ort übergeben.

Die Jagdgenossenschaft und die Dorfgemeinschaft Diemerode haben Geld gesammelt und es persönlich bei Opfern der Flutkatastrophe vom Sommer abgegeben.

Diemerode – Am 14. Juli kam es im Ahrtal zur großen Flut, 476 Gebäude, darunter auch 192 Wohnhäuser, wurden vom Wasser zerstört. „Für uns war sofort klar, sollten wir beim Dorffest mehr Geld einnehmen, dann würden wir das Geld dorthin spenden“, erklärt Björn Vogel von der Freiwilligen Feuerwehr in Diemerode. Im Herbst machten sich Björn Vogel und Reinhard Brandau von der Jagdgenossenschaft auf, um das Geld persönlich in Altenahr zu übergeben.

Zusammen mit den Landfrauen organisierte die Feuerwehr ein spontanes Dorffest. Alle Getränke und Speisen wurden auf Spendenbasis rausgegeben, um Kontakte zu minimieren. 1100 Euro blieben nach Abzug der Kosten übrig, die Jagdgenossenschaft legte noch einmal 200 Euro drauf, der Berneburger Geflügelhof stellte seinen Kühlwagen spontan kostenfrei zur Verfügung.

 „Mir fehlen selten die Worte, aber was wir dort gesehen haben, hat uns sehr still gemacht.“

Björn Vogel

Dann ging es ins Ahrtal. „Was wir dort gesehen haben, hat uns die Sprache geraubt“, so Reinhard Brandau. „Mir fehlen selten die Worte, aber was wir dort gesehen haben, hat uns sehr still gemacht“, fügt Björn Vogel an. Die Diemeröder wollten das Geld nicht einfach an eine große Organisation spenden, sondern gerne an eine von der Flut betroffene Familie geben, die es besonders nötig hat.

Den Kontakt herzustellen war allerdings gar nicht so einfach. Über einen Koordinator bekamen sie dann die Adresse zu einer jungen Familie mit zwei Kindern, die in Altenahr lebt: Die Familie ist vor noch nicht mal einem Jahr in ihren Neubau eingezogen, im Garten der Oma. Das neue Haus steht in der dritten Reihe an der Ahr. Dann kam die Flut: Das Wasser stieg in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli bis in das erste Obergeschoss der Familie. Die jungen Eltern, beide um die 30 Jahre alt, setzten ihre Kinder, ein und drei Jahre alt, voller Angst in eine Plastikwanne, sicherten diese mit einem Kabel aus der Kabeltrommel, öffneten die Tür des Balkons und ließen die Kinder in der Wanne aus dem Haus schwimmen. „Die Eltern wussten nicht, wie sie sich helfen sollten, zum Glück ist alles gutgegangen“, fügt Björn Vogel an. Das Haus der Großmutter der Familie, welches direkt davor stand, traf es noch schlimmer und muss nun abgerissen werden. Die Großmutter verstarb einige Tage später an den Folgen der Flut.

„Wenn man in diesem Haus steht, diesen Geruch in der Nase hat und die Wasserlinie sieht, bis wohin das Wasser stand, wird einem ganz anders“, berichten die beiden Männer betroffen. „Diese junge Familie hat, wie viele andere auch, einfach alles verloren, ihr Haus, welches sie nun renovieren, ist komplett leer.“

Familie will sich Computer kaufen, weil Anträge auf Hilfe nur digital gestellt werden können

Von den von der Diemeröder Dorfgemeinschaft gespendeten 1300 Euro möchte sich die Familie einen neuen Computer kaufen, weil alle finanziellen Hilfen, die Bundes- und Landesregierung für die Flutopfer zur Verfügung stellt, digital beantragt werden müssen. „Wenn man keinen Computer mehr hat, ist das schwer machbar“, so Björn Vogel, „wir freuen uns, dass wir mit dem gespendeten Geld wenigstens ein klein wenig helfen können.“ Reinhard Brandau und Björn Vogel bedanken sich auch im Namen der Familie bei allen Spendern. Die Diemeröder stehen weiterhin in Kontakt zur Familie. „Wenn alles irgendwann mal wieder gut ist, wollen wir die Familie noch mal mit der Motorradgruppe besuchen.“ (Sonja Berg)

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