Praxis-Schließung und neues Pflegeheim: Ärztemangel wird in Sontra akut

Im Januar sollen die Patienten einziehen: Diese Aufnahme stammt von den Bauarbeiten am Pflegeheim Schloss Sontra unter der Federführung des Geschäftsführers Roland Bardt im Sommer – mittlerweile ist man dort schon viel weiter. Archivfoto: Künemund

Sontra. Die Arztpraxen in Sontra sind wie in allen anderen Kommunen auf dem Land voll bis oben hin. Weil eine Ende des Jahres schließt und wegen der Eröffnung des Pflegeheims Schloss Sontra im Januar spitzt sich die Lage weiter zu. Der Betreiber der Anlage, Roland Bardt, will daher einen eigenen Mediziner anstellen.

Das Thema wurde sogar von der ARD-Sendung Plusminus aufgegriffen.

Der Hintergrund

Das Schloss soll am 1. Januar eröffnet werden. 56 vollstationäre Pflegeplätze und 16 Tagespflegeplätze entstehen dort. Die Idee von Bardt, der gestern nicht zu erreichen war: Es soll einen Heimarzt geben, um den Problemen vorzubeugen. Er ging von weiteren Praxisschließungen aus. Um eine Versorgung der nicht mehr so mobilen Senioren in seinem Heim direkt vor Ort zu garantieren, möchte er das hessenweit erste solche Modell ins Leben rufen.

Die Notwendigkeit

Nötig ist das, weil vorhandene Ärzte keine neuen Patienten aufnehmen können. „Es ist schon schwierig, all die zu versorgen, die ich hier gerne versorge“, sagt beispielsweise Dr. Benita Heller aus Sontra in dem Beitrag. Deswegen habe sie Roland Bardt gesagt, dass sie keine Kapazitäten mehr für die Senioren aus dem baldigen Heim habe.

Die Schließung

Plusminus schließt mit dem Satz, dass der Heimarzt keine Lösung für alle sei. Dem pflichtet Sontras Bürgermeister Thomas Eckhardt bei. „Dass überraschenderweise im Stadtkurier zu lesen ist, dass Allgemeinmediziner Thomas Meister ohne vorhergehende Info an mich und die Patienten, der ich unter anderem auch bei ihm bin, zum Ende des Jahres seine Praxis schließt, zeigt sehr deutlich, dass wir zwingend Lösungen suchen müssen“, sagt der Verwaltungschef. Allerdings sei man verstärkt auf die Unterstützung der Kassenärztlichen Vereinigung angewiesen.

Die Forderung

„Wir wollen dieser Entwicklung ja mit unserem Gesundheitsnetz, das wir interkommunal mit Herleshausen und Nentershausen betreiben, aktiv begegnen“, so Eckhardt. Ganz wichtig sei an dieser Stelle unverzügliches Handeln seitens der Landes- und Bundespolitik, um eine ärztliche Versorgung für die Zukunft im ländlichen Raum zu sichern. „Strenge Regeln, die auch in dem Beitrag thematisiert wurden, und Auflagen müssen so geändert werden, dass es für Allgemeinmediziner wieder attraktiver wird, aufs Land zu gehen“, sagt Eckhardt.

Die eigene Idee

Schon länger feilt der Bürgermeister selbst an einer Lösung. Mit Herleshausen und Nentershausen möchte er ein zentrales Gesundheitszentrum in Sontra schaffen, das Außenstellen in den Kommunen vorhält. Doch auch dafür brauche man erst mal geeignete Ärzte. Und es seien noch einige Schritte zu gehen.

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