Prozess wegen Prügel-Attacke in Sontra: Angeklagter trat Opfer gegen den Kopf

Kassel/Sontra – Ein 28-Jähriger hat laut Staatsanwaltschaft Kassel vor exakt einem Jahr auf der Breitwiese in Sontra einen Mann zu Boden geprügelt.

Dabei hat er das Opfer mehrmals geschlagen und getreten  – auch gegen den Kopf. Deswegen muss er ich seit gestern vor dem Landgericht wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Der alkohol- und drogenabhängige Angeklagte sei zum Tatzeitpunkt der Staatsanwältin zufolge eigentlich zum Entzug im Klinikum Werra-Meißner untergebracht gewesen. Am Tattag habe er das Krankenhaus aber eigenmächtig mit einem anderen Patienten verlassen. Mit der Bahn fuhren die beiden gemäß Anklageschrift nach Sontra und konsumierten auf der Fahrt Alkohol.

Zeugin verscheuchte Täter mit lautem Schreien

Im Bereich der Breitwiese zog der 28-Jährige aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg dann im betrunkenen Zustand (2,17 Promille) völlig unvermittelt den 58 Jahre alten sehbehinderten Mann, der in Sontra lebt, vom Fahrrad, um ihn mit Schlägen und Tritten zu attackieren. Das Opfer habe zu diesem Zeitpunkt auf dem Boden gelegen. Eine Zeugin hat den Täter nach Angaben der Staatsanwältin mit lautem Schreien zunächst verscheucht. Sie wurde dafür mit der Polizeimedaille ausgezeichnet.

Kurz danach soll er aber noch mal zurückgekehrt sein, um abermals auf den Geschädigten einzuprügeln und zu treten – mitunter direkt ins Gesicht. Das Opfer erlitt dadurch mehrere Frakturen im Gesicht und am Kopf, überlebte den Angriff aber trotz schwerer Verletzungen. „Der Täter hat billigend in Kauf genommen, dass der Mann stirbt“, sagte die Staatsanwältin.

Täter ist alkohol- und drogensüchtig

Der Angeklagte war auch laut eigener Aussage zur Entgiftung in Eschwege. Die Drogen- und Alkoholsucht gestand er. Am Tattag habe der 28-Jährige „Suchtdruck“ verspürt und sei Trinken gegangen. Vom kompletten Tatgeschehen will er wegen eines Filmrisses nichts mehr wissen. „Ich hätte nie gedacht, dass ich jemanden so verletzten kann. Ich weiß nicht, warum ich es getan habe. Es tut mir außerordentlich leid.“

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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