Rentnerin leidet bis heute unter Angstzuständen

Vor Gericht: Zeugin der Prügel-Attacke in Sontra sagt unter Tränen aus

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Hier ist es passiert: Am Fußweg zwischen Bahnhof und Innenstadt hat der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft völlig unvermittelt auf den Radfahrer eingeschlagen.

Kassel/Sontra - Im Prozess gegen einen Mann, der 2018 auf der Breitwiese in Sontra auf einen Radfahrer eingetreten haben soll, hat nun die Zeugin der Prügelattacke ausgesagt.

So groß war die Angst der 66-jährigen Rentnerin aus Sontra vor dem Angeklagten, dass sich eine Justizbeamtin zwischen Anklagebank und Zeugentisch setzen musste, als vor dem Landgericht in Kassel das Verfahren gegen einen 28-jährigen Mann aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburgfortgesetzt wurde.

Dem Mann wird vorgeworfen, am 25. April 2018 auf der Breitwiese vor dem Sontraer Bahnhof einen zufällig vorbeikommenden Radfahrer aus dem Sattel gezogen zu haben und den am Boden liegenden Mann mehrfach mit dem beschuhten Fuß mit voller Wucht gegen den Kopf getreten zu haben. Der sehbehinderte Flüchtling aus Syrien erlitt mehrere Knochenbrüche im Gesicht. Der Vorwurf: versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung.

Zeugin brach immer wieder in Tränen aus

Erst nachdem Richter Robert Winter der Zeugin ihre Unversehrtheit im Gerichtssaal zugesichert hatte, erklärte sich die Rentnerin zur Aussage bereit. Während ihrer Schilderung brach sie immer wieder in Tränen aus.

Ihren Angaben zufolge hatte sie am Mittag vor genau einem Jahr ihren Hund ausgeführt, als sie sah, wie der Angeklagte den Radfahrer zu Boden riss und auf ihn eintrat. Als der Angeklagte auf den Syrer eintrat, habe sie gerufen: „Hör auf damit, du trittst ihn ja tot!“ Als der Schläger davonging, habe das Opfer reglos und aus den Ohren blutend am Boden gelegen. Sie habe hinter dem Angeklagten hergerufen: „Du kannst ihn doch nicht so liegen lassen, ruf den Notarzt.“ 

Daraufhin sei der Mann zurückgekehrt, habe erneut auf den Verletzten eingetreten und sich dann ihr genähert. Als er sich vor ihr aufbaute und nach dem Hund trat, habe sie ihren Regenschirm drohend gehoben und gebrüllt: „Wage nicht, mich anzufassen.“ Der Angeklagte sei dann durch die Unterführung weggegangen. Passanten riefen Notarzt und Polizei, die den Mann wenig später im Umfeld des Bahnhofes festnahm.

Rentnerin leidet bis heute unter Angstzuständen

Bis heute leidet die Rentnerin unter Angstzuständen und ist in therapeutischer Behandlung. Immerhin traue sie sich jetzt wieder aus dem Haus, berichtete sie.

Auch ein Bediensteter der Stadt Sontra sagte aus. Der stark alkoholisierte Mann (2,17 Promille) habe schon vor der Attacke auf den Radfahrer randaliert, er habe ihn mehrfach zur Ordnung gerufen, sagte der Zeuge.

Die Verhandlung wird am Montag, 6. Mai, um 9 Uhr fortgesetzt. Mit einem Urteil wird am 13. Mai gerechnet. 

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