Psychiater im Prozess: Der Schütze von Sontra wusste, was er tat

Kassel/Sontra – Der 50-jährige Deutsch-Türke wusste, was er tat, als er vor fast einem Jahr den Verlobten seiner Tochter in Sontra aus zwei Pistolen beschoss und mit zwei Bauchtreffern lebensgefährlich verletzte.

Zu dieser Einschätzung kam gestern der Göttinger Psychiater Dr. Georg Stolpmann in seinem Gutachten vor der 6. Strafkammer des Landgerichts. Der Angeklagte sei voll steuerungs- und damit auch schuldfähig gewesen.

Der Angeklagte vermittele mit seiner harmlosen Erscheinung und seinem Selbstbild als friedlicher und um Ausgleich bemühter Geschäftsmann einen Eindruck, der nur zum Teil stimme. Tatsächlich trage er auch die Neigung zu dominantem und aggressivem Verhalten in sich, wie es bei vielen depressiven Männern anzutreffen sei.

Dass er aus Angst vor dem jungen Kurden zu den Waffen gegriffen habe, nahm ihm Stolpmann nicht ab: Als der 24-Jährige nach den ersten Schüssen davonlief, habe er ihn verfolgt und mit den Worten: „Ich bin noch nicht fertig mit dir“ weiter auf den Fliehenden geschossen.

Eigentlich sollten gestern nach dem Gutachten des forensischen Psychiaters die Plädoyers gehalten werden, doch daraus wurde nichts. Berthold Fresenius, Anwalt des als Nebenkläger auftretenden Kurden, stellte nicht weniger als acht neue Beweisanträge, über die zahlreiche neue Zeugen geladen werden sollten.

Weder die Strafkammer von Richter Volker Mütze noch Staatsanwaltschaft und Verteidigung sahen sich gestern in der Lage, diese Anträge so kurzfristig zu bewerten. Zusätzliche Verhandlungstage wurden daher vorsorglich angesetzt. Das Verfahren geht jetzt am kommenden Mittwoch um 14 Uhr weiter.

Rubriklistenbild: © David-Wolfgang Ebener/dpa

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