Respekt, aber keine Panik

Fragen und Antworten: Was bei einem Unfall mit einem E-Auto zu beachten ist

Stadtbrandinspektor André Bernhardt (rechts) erklärt, was beim Brand von E-Autos zu beachten ist. 
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Sontras Stadtbrandinspektor André Bernhardt (rechts) erklärt, was beim Brand von E-Autos zu beachten ist. 

In Sontra gab es jüngst eine Feuerwehr-Fortbildung über das Löschen von E-Autos. Wir waren mit dabei und beantworten die wichtigsten Fragen.

Sontra – „Über 300 000 Elektroautos sind auf Deutschlands Straßen unterwegs“, betonte Uwe Jacke bei einer Fortbildung über das Löschen von E-Autos für die Feuerwehr Sontra-Mitterode. Der Wehrführer weiß, dass für Ende 2025 bis zu 4 Millionen Elektroautos prognostiziert werden und in dem Zuge jeder Automobilhersteller ein Stück des Kuchens „Elektromobilität“ abhaben will.

„Wir sehen zurzeit kein erhöhtes Brandrisiko, die Elektroautos brennen nicht häufiger als Benziner oder Diesel“, sagte Stadtbrandinspektor André Bernhardt, der an der Feuerwehrwache sein Wissen weitergab. Der gelernte KfZ-Meister Jacke ergänzte: „Wir wollen Respekt vor dem Umgang mit E-Autos vermitteln, aber keine Panik schüren.“ Wir haben die Fortbildung besucht und beantworten die wichtigsten Fragen:

Was ist bei einem Unfall zu beachten?

Die Batterie wird, wenn der Airbag auslöst, sofort automatisch von den anderen Hochvoltkomponenten und den orangenen Hochvoltkabeln getrennt, sodass dort keine Spannung mehr anliegt. Aber das klappt nicht immer. So gibt es in den Datenblättern der Autos eine exakte Auskunft, wo die Feuerwehr ihre Schneidewerkzeuge am besten ansetzt oder wie das Hochvoltsystem manuell deaktiviert werden kann.

Wo liegen hier die Schwierigkeiten?

„Jeder Hersteller hat ein anderes Datenblatt, da sind Erfahrungswerte wichtig und gerade deswegen haben wir uns sehr gefreut, dass uns die Autohäuser Salzmann und Heidenreich ihre Autos für einen Abend zur Verfügung gestellt haben“, sagte Standbrandinspektor André Bernhardt.

Er empfiehlt, einen Ausdruck des Datenblattes hinter die Sonnenblende des Fahrerplatzes zu klemmen. Dort werden die Helfer im Einsatzfall als erstes nachschauen. Alternative dienen den Rettungskräften auch Hinweise und Fähnchen im Motorraum.

Warum ist der Brand eines Elektroautos gefährlich?

Elektroautos transportieren keine brennbare Flüssigkeit in Tanks. Bernhardt erklärte: „Elektroautos brennen anders als andere Fahrzeuge. In der Batterie kann es zu einer Kettenreaktion von Kurzschlüssen kommen. Nachdem das Feuer gelöscht ist, kann es an anderer Stelle wieder aufflammen. Das Feuer in einer Akkuzelle erzeugt einen Brand in der nächsten.“

Stromschläge, Lichtbögen und Kurzschlüsse sollen vermieden werden, deswegen empfiehlt Jacke: „Abstand wahren und besonnen weiterarbeiten.“ Ganz wichtig: Wassermoleküle dürfen keine feste Einheit ergeben. „Haltet bei einem Vollstrahl fünf Meter Abstand, bei einem Sprühstrahl ist ein Meter notwendig“, lautet Bernhardts klare Ansage.

Wie wird ein Brand gelöscht?

„Wir bekommen das Feuer aus, aber es ist aufwendiger“, sagte Bernhardt. Konkret brauche man viel mehr Wasser, um den Akku über einen langen Zeitraum zu kühlen. Bernhardt spricht von 10 000 Litern, üblich sind 5 000 Liter Wasser bei Otto- und Dieselmotoren.

Und wenn das Wasser nur ein heißer Tropfen auf den Stein ist? „Dann muss das Auto in einem großen Wasserbehälter versenkt werden“, sagte Bernhardt, der mit seiner Wehr 9 000 Liter Löschwasser in vier Tanklöschfahrzeugen auf der Achse hat. (Marvin Heinz)

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