Schüsse in Sontra: Angeklagter sagt aus - Ausschreitung auf dem Flur im Landgericht

Sontra/Kassel. Der 50 Jahre alte Angeklagte hat sich im Prozess um versuchten Mord in Sontra  am Donnerstag im Landgericht Kassel überraschend zu dem Vorfall geäußert. Bislang hatte er die Aussage verweigert.

Diese erregte die Gemüter der beiden beteiligten Familien so sehr, dass es auf dem Flur zu Beleidigungen und einer tätlichen Ausschreitung kam. Mehrere Polizisten mussten eingreifen.

Dass er dem 24-jährigen kurdischen Verlobten seiner Tochter aus Sontra Anfang Februar mit zwei Waffen in Kopf und Rumpf geschossen habe, sei aus Notwehr geschehen, ließ der Beschuldigte größtenteils über eine Stellungnahme seines Verteidigers verlauten. Im Vorfeld habe es Unstimmigkeiten wegen der Heirat gegeben.

Seit einer Ausschreitung im Dezember 2017 und angeblichen Drohungen des Opfers fühlte sich der Angeklagte nicht mehr sicher. Nur deswegen hat er sich demnach zu Beleidigungen gegenüber der Familie des 24-Jährigen hinreißen lassen, die den Disput verschärften. In der Folge habe er erfahren, dass die Gegenseite als gewaltbereit gelte. Um für den Ernstfall gewappnet zu sein, beschaffte er sich seinen Ausführungen zufolge zwei Schusswaffen. In der Absicht, Stärke zu demonstrieren, aber noch mit Hoffnung auf Versöhnung, sei er im Februar nach Sontra gefahren. Die Absicht, den Verlobten der Tochter zu verletzten oder zu töten, existierte seinen Angaben nach nicht.

Vor Ort sei es das Opfer gewesen, dass auf eine Klärung des Streits auf dem Parkplatz bestand. Er habe sich vor ihm aufgebaut und bedrohliche Worte und Gesten mit einer Flasche in der Hand getätigt. Dann habe er aus diesem Zustand der Angst heraus die Schüsse abgegeben. Alles sei „wie in Trance“ geschehen.

Urteil soll am 6. Februar fallen

Wegen versuchten Mordes muss sich seit einigen Wochen ein 50 Jahre alter Deutsch-Türke aus Göttingen vor dem Landgericht in Kassel verantworten. Im Februar 2018 schoss er dem 24-jährigen kurdischen Verlobten seiner Tochter auf einem Parkplatz in Sontra mehrfach aus Pistolen unter anderem in Beine, Stirn, Nacken, Ohr, Lunge, Magen, Bauchspeicheldrüse und Niere. Trotzdem überlebte das Opfer. 

Grund für die Attacke war wohl, dass der Angeklagte mit der bevorstehenden Hochzeit seiner Tochter und des jungen Mannes aus Sontra nicht einverstanden war. Die Beweisaufnahme dazu ist abgeschlossen, zahlreiche Zeugen wurden vernommen. Gestern hat überraschend auch der Angeklagte ausgesagt. Am 31. Januar folgen das psychiatrische Gutachten und die die Plädoyers, am 6. Februar das Urteil.

Rubriklistenbild: © Volker Hartmann/dpa

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