Landgericht Kassel

Sontraer soll bei DHL Elektrogeräte für 169000 Euro gestohlen haben

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Kassel / Sontra. Zwischen Oktober 2010 und Mai 2011 verschwanden in der Niederlassung des Paketdienstes DHL in Ludwigsau (Kreis Hersfeld-Rotenburg) diverse Geräte. Das Unternehmen beziffert den Gesamtschaden laut Staatsanwaltschaft auf rund 169 000 Euro. Der 41-jährige Sontraer, der gegenwärtig auf der Anklagebank des Kasseler Landgerichts sitzt, soll die Pakete beiseite geschafft haben, um sie weiterzuverkaufen.

Laut Anklage soll sein Bruder, der bei DHL beschäftigt war, in die Sache involviert gewesen sein. Er soll den Pförtner „angefüttert“ haben, indem er ihm zwei Fernseher beschafft habe. Der Angeklagte soll mit einem Kleinbus auf das DHL-Gelände gefahren sein, um die Geräte, vor allem Fernseher, abzuholen und sie in einem Lager in Eschwege bis zum Weitererkauf zwischenzulagern. Bei einer Durchsuchung sind dort 51 Fernseher gefunden worden. DHL geht laut Anklage von 174 verschwundenen Geräten aus.

Der 41-Jährige, dem gewerbsmäßiger Diebstahl vorgeworfen wird, sagte jetzt vor Gericht, dass er sich mit dem Weiterverkauf von verbilligten Waren habe selbständig machen wollen. Geliefert worden seien sie ihm von einem Bekannten, und der habe ihm versichert, dass die Ware nicht gestohlen sei. Obwohl ihn dieser Lieferant entlasten könnte, wollte der Angeklagte dessen Namen nicht nennen.

Bei DHL, sagte er, sei er tatsächlich gewesen, und zwar, um beschädigte Matratzen, die das Unternehmen verschenkt habe, abzuholen. Die Geräte, die bei der Durchsuchung sichergestellt wurden, hätten nicht von dem Paketdienst gestammt, beteuerte er. Er sitzt gegenwärtig wegen Drogenhandels für dreieinhalb Jahre hinter Gitter.

Sicherheit nicht optimal

Ein DHL-Abteilungsleiter, der als Zeuge aussagte, gestand, dass „die Sicherheitsvorkehrungen nicht optimal“ gewesen seien. „Wir nahmen an, dass unsere Pakete so groß sind, dass man sie nicht ohne Weiteres hinaus tragen kann.“ Ein Wachdienst habe das Gelände kontrolliert. Der Bruder des Angeklagten habe ihn um ein Gespräch gebeten, als in Eschwege Geräte aus dem Lager gefunden worden waren. Und der habe klarstellen wollen, dass er mit der Sache nichts zu tun habe. Als die beiden ein weiteres Gespräch im Unternehmen anberaumt hätten, sei der Bruder nicht erschienen und danach auch nicht mehr zur Arbeit gekommen. Der Bruder machte als Zeuge von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Ein Mitarbeiter des Werkschutzes berichtete, dass der Verdacht aufkam, einer seiner Kollegen sei in die Sache verstrickt. Dies habe sich bestätigt, denn auf Befragen habe einer der Wachmänner gestanden, dass der Bruder des Angeklagten ihm Fernseher beschafft und er daraufhin einen Transporter auf das Gelände habe fahren lassen. „Wir hatten damals keine Videotechnik installiert, deshalb können wir das nicht nachvollziehen“, sagte der Werkschutzmitarbeiter. Inzwischen, so der DHL-Abteilungsleiter, seien die Sicherheitsvorkehrungen verbessert und unter anderem Videosysteme installiert worden.

Der Prozess wird in dieser Woche fortgesetzt. (pas)

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