Sieben Steine Erinnerung

In Sontra wird erstmals mit Stolpersteinen der jüdischen Vertriebenen gedacht

1941 ermordet: Gerda Plaut mit ihren Söhnen Meinhardt und Heinz. Foto: privat/nh

Sontra. Klein, golden und schon längst in vielen deutschen Orten zum Stadtbild gehörend: Mit den Stolpersteinen des Künstlers Gunter Demnig wird vertriebener und ermordeter Juden aus der Zeit des NS-Regimes gedacht. In der kommenden Woche werden erstmals sieben solcher Mahnmale in Sontra verlegt.

Die Familie 

Gedacht wird der jüdischen Familie Plaut: Eltern Ludwig und Gerda mit den vier Kindern Joachim, Meinhardt, Heinz und Betty-Eva. Der siebte Stein erinnert an Emma Katzenstein, Gerdas Mutter. Sie hat die Gräuel des Zweiten Weltkrieges als Einzige der Familie überlebt, hatte aber kurz nach Kriegsbeginn in die USA fliehen müssen. Die restliche Familie hatte bis 1938 in Sontra gelebt und war dann über die Umwege Witzenhausen und Hann. Münden nach Berlin gegangen. Ludwig hatte vermutlich vor, sich zum Landwirt ausbilden zu lassen, was eine Ausreise nach Israel ermöglicht hätte. Von Berlin aus wurde die Familie vermutlich am 27. November 1941 nach Riga deportiert. Zu diesem Zeitpunkt waren die Söhne neun, sechs und fünf Jahre alt. Tochter Betty-Eva wurde 1938 nur wenige Monate nach ihrer Geburt in der Reichspogromnacht von einem Stein getroffen. An den Verletzungen starb sie Anfang Dezember. Weil das Lager in Riga bei Ankunft des ersten Zuges, in dem auch Familie Plaut deportiert wurde, noch nicht geräumt war, sollen alle Insassen direkt nach dem Eintreffen in einem nahen Waldstück erschossen worden sein.

Der Arbeitskreis 

Die Organisation der Stolpersteinverlegung hat der Arbeitskreis Juden, der aus Vertretern der Evangelischen Kirche, der Stadt und der Adam-von-Trott-Schule besteht, übernommen. Profitiert haben die Hauptverantwortlichen Ludger Arnold, Doris Weiland und Karlheinz Schäfer von den Erfahrungen anderer Arbeitskreise in der Region. Den Termin am 17. Juni in Sontra hat der ehemalige Herleshäuser Bürgermeister Helmut Schmidt organisiert, der auch guten Kontakt zu Gunter Demnig pflegt und schon viele Verlegungen organisiert hat. Der Reichensächser Historiker Hans Isenberg hat bei der Recherche geholfen.

Die Verlegung 

Sieben Stolpersteine wird der Berliner Künstler Gunter Demnig am kommenden Mittwoch, 17. Juni, vor dem Haus Niederstadt 32 verlegen. Treffpunkt für den Gedenkakt ist die Bürgerhilfe um 11 Uhr. Im Anschluss an die Verlegung geht es mit einer Diskussionsrunde in der Adam-von-TrottSchule weiter. Die Organisatoren bieten dafür Mitfahrgelegenheiten an. Sie hoffen, dass auch Gunter Demnig dann noch für Gespräche zur Verfügung stehen wird.

Der besondere Gast 

Zum Gedenkakt reist auch eine noch lebende Verwandte der Familie Plaut an. Marga Griesbach ist eine Nichte von Gerda Plaut. Die heute 87-Jährige überlebte das Rigaer Ghetto, in das sie im Winter 1941 kurz nach der Familie Plaut von ihrem Wohnort Witzenhausen deportiert wurde. Heute lebt sie in Washington, reist als Zeitzeugin aber immer wieder nach Deutschland.

Spendenkonto des Arbeitskreises: IBAN DE 6352 2500 3000 0600 5458 

Von Lasse Deppe

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