Gebäudekomplex weicht einem Pflegeheim

Altes Schloss in Sontra wird abgerissen 

+
Abriss Altes Schloss in Sontra

Sontra. Das Alte Schloss in Sontra ist in den vergangenen Wochen eingerissen worden. Entstehen soll auf der Fläche ein neues Pflegezentrum.

Wenn es beim Straßen- oder Gebäudebau Proteste von Naturschützern gibt, melden sich schnell auch Menschen zu Wort, die die Aufregung nicht verstehen können. Anders beim Alten Schloss in Sontra. Dort hat ein Mehlschwalbennest für große Freude beim Bauherrn Roland Bardt gesorgt - und dass obwohl es die Bauarbeiten für das neu entstehende Pflegezentrum um mehrere Monate verzögerte. „Wir durften mit dem Abriss der alten Gebäude erst anfangen, als sich die Schwalben in Richtung Afrika davongemacht hatten“, sagt Bardt. In dieser Zwangspause entschied sich der Unternehmer, umzuplanen.

Erweiterung um 16 Plätze

Ursprünglich sollten 56 vollstationäre Pflegeplätze entstehen. „Wir haben aber in der Zwischenzeit eine erhöhte Nachfrage an Plätzen in der Tagespflege festgestellt“, sagt Roland Bardt, der bereits ähnliche Einrichtungen in Rotenburg und Heringen (Kreis Hersfeld-Rotenburg) betreibt. Die Konsequenz: Bardt erweitert seine Pläne um 16 Tagespflegeplätze im Erdgeschoss. Lediglich Teile der Tiefgarage müssen dafür weichen. Und weil der neue Bereich völlig separat geführt wird, kommen zu den zuvor geplanten 45 nochmal acht zusätzliche Arbeitsplätze hinzu. „Die Schwalbe hatte für uns sicher etwas Gutes“, sagt Bardt.

Für die geänderten Pläne muss nur wenig umstrukturiert werden. Einige der Funktionsräume, in denen beispielsweise die Heizanlage und die Wäscherei untergebracht sind, kommen nun in den Keller. Laut Bardt sind sogar die Baukosten nur minimal gestiegen.

Im Gegensatz zum Naturschutz war der Denkmalschutz des alten Gebäudes kein Problem. „Die alten Gewölbekeller waren in einem so schlechten Zustand“, sagt Bardt, „die hätten keiner Erschütterung mehr standgehalten.“ Weil der Boden unter dem Gebäude keine ausreichende Qualität für den Neubau hat, muss er ausgetauscht werden. Und das bis zu einer Tiefe von anderthalb Metern. Bardt rechnet derzeit damit, dass der Abriss noch im laufenden Monat erledigt sein wird. Ab Dezember könne dann mit dem Rohbau begonnen werden. Die Eröffnung ist für das Frühjahr 2017 geplant.

Schuttberge als Rampe

Die Abrissarbeiten auf der Baustelle haben in den vergangenen Wochen regelmäßig Zuschauer vom Straßenrand aus verfolgt. Ihnen boten sich mitunter beeindruckende Szenarien. Mit einem großen Bagger arbeiteten sich die Arbeiter Stück für Stück voran. Auf dem Grundstück wuchsen große Schuttberge, mit der großen Baggerschaufel penibel nach Baustoffen getrennt. Teile des Schutts wurden umgehend weiterverwendet - als Rampe für den Bagger, um hoch gelegene Gebäudeteile besser erreichen zu können.

Auch im Inneren steht kaum noch ein Stein auf dem anderen. Bis auf letzte Relikte wie eine Toilette oder Badewannen gibt es hier nur noch Schutt und Scherben. Dämmmaterialien und Kabel sind längst entfernt. Kaum eine Scheibe ist noch ganz, Vandalen seien in der Nacht unterwegs gewesen, erzählt einer der Arbeiter. Schaden anrichten können diese hier aber kaum. Dennoch zeige die Polizei auf ihren Streifen erhöhte Präsenz, heißt es.

Was hier innerhalb weniger Tage eingerissen wurde, braucht ein Jahr, um komplett neu zu entstehen. Wer derzeit auf das Gelände blickt, kann sich kaum vorstellen, dass hier ein modernes Pflegezentrum entsteht.

Von Lasse Deppe

Altes Schloss in Sontra wird abgerissen - Pflegezentrum entsteht

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare