Beschluss des Sontraer Magistrats

Die Uhr tickt nicht richtig: Defekte Anlage im Rathausturm wird nun repariert

Hat die Uhr phasenweise täglich vor dem Dienst aufgezogen: Sontras Hauptamtsleiter Jürgen Kniepkamp. Die defekte Anlage, die im Bild zu sehen ist, steuert das Ziffernblatt an der Außenseite (kleines Foto) des Rathausturms und die dazugehörige Glocke. Foto: Künemund

Sontra. Seit Monaten ist die Glocke im Sontraer Rathausturm stumm. Auch die Zeiger blieben schon öfter stehen. Grund ist ein mechanischer Defekt. Um den zu beseitigen, hat der Magistrat jetzt beschlossen, sie im kommenden Jahr gründlich instandsetzen zu lassen.

In den vergangenen Jahrzehnten hat die circa 65 Jahre alte Uhr neben ein paar Tropfen Spezialöl keine Inspektion oder Generalüberholung erfahren – und das, obwohl sie während der Sanierung des historischen Rathauses (Herbst 2005 bis Frühjahr 2008), wenn auch dick in Plastikfolie eingepackt, auf dem Dachboden verbleiben musste und dort erheblichen Temperatur- und Staubbelastungen ausgesetzt gewesen ist.

„Dass die Turmuhr danach weiter recht zuverlässig getickt hat, war nicht zuletzt dem langjährigen Bauhofleiter Herbert Rößler zu verdanken, der viele Stunden, auch in der Freizeit, damit verbracht hat, ,seiner’ Uhr auf dem Dachboden die gelegentlich auftretenden Unarten und Macken abzugewöhnen“, berichtet Sontras Hauptamtsleiter Jürgen Kniepkamp.

Nachdem Rößler im vergangenen Jahr in den Ruhestand gegangen ist, schien auch die Uhr in Rente gehen zu wollen. Jedenfalls häuften sich die Ausfälle. So war allein der elektrische Aufzug mehrere Wochen kaputt. Deswegen sah sich Kniepkamp genötigt, jeden Morgen vor Dienstbeginn auf den Dachboden zu steigen und die Uhr mit einer Kurbel für die nächsten 24 Stunden aufzuziehen. „Denn wenn die Zeiger einmal stillstehen, rufen gleich besorgte Bürgerinnen und Bürger an, um auf den Missstand hinzuweisen“, weiß er zu berichten.

Hat die Uhr phasenweise täglich vor dem Dienst aufgezogen: Sontras Hauptamtsleiter Jürgen Kniepkamp. Die defekte Anlage, die im Bild zu sehen ist, steuert das Ziffernblatt an der Außenseite (kleines Foto) des Rathausturms und die dazugehörige Glocke. Foto: Künemund

Es erstaunt auch ihn immer wieder, wie viele Sontraer fast automatisch zum Ziffernblatt des Rathausturmes hochblicken, wenn sie den Marktplatz betreten. Den elektri-schen Aufzug konnte Ullrich Hollstein vom Bauhof nach einer längeren Tüftelei reparieren, sodass nur noch gelegentlich die Uhrzeit mithilfe eines Schraubenschlüssels korrigiert werden muss. „Denn je nach Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit läuft das Uhrwerk etwas schneller oder langsamer“, so Kniepkamp.

Machtlos ist Hollstein jedoch bei dem Defekt des Schlagwerkes, der dazu geführt hat, dass die Glocke bereits seit fünf Monaten stumm steht. Regelmäßig alle zwölf Stunden wird ein Zacken im Zahnrad des Läutwerks übersprungen. Das bringt mit sich, dass Uhrzeit und Anzahl der Glockenschläge nicht mehr übereinstimmen.

Hier müssen Profis ran. Die genauen Kosten werden derzeit noch ermittelt. „Theoretisch könnte die mechanische Turmuhr auch durch eine neuzeitliche funkgesteuerte Anlage ersetzt werden, aber das wäre voraussichtlich noch teurer und würde zum historischen Rathaus passen wie ein Formel-1-Motor zu einem Oldtimer“, scherzt Bürgermeister Thomas Eckhardt.

Schon 1692 gab es eine Rathausuhr

„Wie alte Rechnungen im Staatsarchiv Marburg belegen, hat es im bereits im Jahr 1692 errichteten Turm des Sontraer Rathaus eine Glocke und darunter auf dem Dachboden eine Turmuhr gegeben“, berichtet Hauptamtsleiter Jürgen Kniepkamp. Die jetzt dort in einer hölzernen Uhrenkammer stehende mechanische Rathausuhr mit elektrischem Aufzug und Glockenschlag sei aber erheblich jünger. „Vermutlich ist sie im Zusammenhang mit der Sanierung des Rathausturmes 1953 installiert worden und somit mindestens 65 Jahre alt.“ Hersteller war die noch existierende renommierte Turmuhrenfabrik „Korfhage & Söhne“ im niedersächsischen Melle-Buer. (flk)

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