Drei Bewohner, 278 Jahre

Ludwig und Maria Pfützenreuter sowie Käthe Mock bilden die wohl älteste WG Sontras

Helfen sich gegenseitig: (von links) Ludwig und Maria Pfützenreuter mit Käthe Mock. Foto: Künemund

Sontra. Ludwig und Maria Pfützenreuter bilden gemeinsam mit Käthe Mock die wohl älteste Wohngemeinschaft Sontras. Zusammen sind sie 278 Jahre alt. 

Sontra. Ursprünglich war der Pressetermin für 9.30 Uhr anberaumt. Moment mal. Da war doch irgendwas. Ach genau: Jeden Freitagmorgen geht Käthe Mock aus Sontra zum Friseur. „Man muss was für seine Schönheit tun“, sagt die 92-Jährige. Erst mittags war sie bereit und frisch gestylt für das Gespräch. Thema: Sie lebt zusammen mit ihrer Schwester Maria Pfützenreuter (94) und deren Mann Ludwig (92) gemeinsam in Sontra – und gehört mit zusammengenommen 278 Lebensjahren zur wohl ältesten Wohngemeinschaft der Stadt.

Ähnlich wie der freitägliche Gang zum Haareschneiden hat auch der Rest der Woche bei dem Dreigestirn bis auf wenige Ausnahmen einen geregelten Ablauf. „Einkaufen, Lesen, Termine erledigen und das Haus in Schuss halten“, erzählt Ludwig Pfützenreuter. Der rüstige Rentner kann das meiste noch selbst leisten. Er mäht sogar Rasen mit seinem kleinen Traktor und schiebt im Winter Schnee. Auch das Autofahren bereitet ihm keine Probleme. Somit sorgt er rührend für Frau und Schwägerin. „Nur wenn mal schwere Dinge zu tragen sind, rufe ich meinen Sohn an“, berichtet Pfützenreuter. Der wohnt ebenso wie die Tochter anderswo in Sontra mit eigener Familie und eigenem Haus.

Dankbar für Gesundheit

„Wir sind dankbar dafür“, sagt Ludwig Pfützenreuter, „dass wir alle mit einem Alter von mehr als 90 Jahren noch zu Hause selbstständig leben können.“ Ins Altersheim zu ziehen, stehe momentan gar nicht zur Debatte. Bis auf ein paar Alters-Wehwehchen und Gehhilfen haben die drei nichts zu beklagen. „Aber dafür, dass es uns noch so gut geht, tun wir ja auch was. Es gibt zum Beispiel nur sonntags Fleisch zum Essen“, sagt Pfützenreuter. Seine Frau Maria, die mit ihren 94 Jahren den Titel der Alterspräsidentin innehat, betont, dass ihr Mann immer fürs Kochen zuständig sei und sein Fach außerordentlich gut beherrsche. „Ja. Freitags gibt es zum Beispiel ganz traditionell Fisch. Aber nur für mich, die Damen mögen das nicht. Denen brate ich dann Eier“, erklärt der hausinterne Küchenchef Ludwig Pfützenreuter.

In dem Haus wohnt er mit Frau und Schwägerin übrigens seit 1985. 1958 aus der DDR geflohen, führte er in Sontra bis zum Eintritt in das Rentnerdasein in diesem Jahr eine Bäckerei als Familienbetrieb. Diese verkaufte er samt dem angeschlossenen Wohnhaus. Sein jetziges Eigenheim hatte er Jahre zuvor schon mit Blick auf die Zukunft gebaut. „Mittlerweile“, so Pfützenreuter, „darf ich mich nach 50 Jahren hier sogar Sontraner nennen.“

So verbringt er nun die Abende mit den beiden Frauen des Hauses beim Kartenspielen, Lesen oder Fernsehgucken. „Streit gibt es über das Programm in der Regel nicht. Nur auf Formel 1 und Boxen lege ich großen Wert. Dafür stehe ich sogar nachts auf“, sagt Ludwig Pfützenreuter, der in vier Jahren Kriegsgefangenschaft in Ägypten selbst semiprofessionell geboxt hat.

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