Bahnstrecke mit Geschichte

Der Sontraer Bahnhof war essenziell für den Vertrieb von Kupfer und für die Soldaten

Von Sontra nach ganz Deutschland: Der im Richelsdorfer Gebirge gewonnene und auf dem Brodberg weiterverarbeitete Kupferschiefer konnte vom Bahnhof aus transportiert werden. Dieses Bild entstand bei der Eröffnung des elektrischen Betriebs im Mai 1963. Foto: Brill/nh

Sontra. Der Bahnverkehr spielt im Landkreis seit über 100 Jahren eine große Rolle. Wir blicken in loser Reihenfolge auf aktuelle und historische Themen. Heute an der Reihe: der Bahnhof in Sontra.

Sontra. Mit dem Abbau von Kupferschiefer im Richelsdorfer Gebirge und der Weiterverarbeitung am Brodberg bei Sontra wurde in den 1930er Jahren eine Güterzugstrecke nach Sontra gebaut. Das Kupfer, das auf dem Brodberg abgebaut wurde und für die Kriegsindustrie wichtig war, hätte sonst importiert werden müssen. Eisenbahn-Historiker Edgar Brill aus Bischhausen widmet sich im Folgenden der Geschichte des fast 90 Jahre alten Bahnhofs in der Berg- und Hänselstadt.

Mit der Eröffnung der Bundeswehrkaserne im Jahr 1962 mit Panzerkompanien bekam der Bahnhof eine Panzerverladung, die seit Auflösung des Standortes 2008 nicht mehr genutzt wird. Durch die Elektrifizierung der Bahn entfiel auch das Nachschieben der Züge. Der Bahnhof wurde in den 1970er Jahren modernisiert und zurückgebaut, um die Unterhaltungskosten zu minimieren. Seit 1982 ist auch das Stellwerk unbesetzt und wird von Bebra fernbedient. Da der Bahnhof meist nur Regionalhalt war, wurde dieser auch nicht mehr besetzt, da man die Fahrscheine jetzt im Zug lösen konnte. Um das ehemalige Empfangsgebäude nicht mehr zu nutzen, wurden Wartehäuschen auf den Bahnsteigen aufgestellt. Die Fenster und Türen des Bahnhofs wurden nach 2006 gegen Vandalismus geschützt. Heute hält hier nur noch der Cantus. Die Stadt war zuletzt bemüht den Bahnhof zu erwerben, doch außer dem Kaufpreis von 118 000 Euro für das Grundstück mit Gebäude, kämen noch weitere 525 000 Euro für Rückbaukosten der Bahnanlagen direkt am Gebäude hinzu.

Auch von einigen Unglücken bleib der Sontraer Bahnhof nicht verschont – zum Beispiel am 27. Januar 1947. Bei einem Kesselzerknall einer Güterzug-Dampflok explodierte diese und ihr Kessel flog etwa 50 Meter bis in das Flüsschen Sontra. Hierbei kam der Lokheizer ums Leben und der Lokführer wurde schwer verletzt. Vier Tage später wurde der Kessel mittels Dampfkran aus dem Fluss geborgen.

Ein weiterer Unfall ereignete sich im Jahr 1922. Bei Nebel lösten sich unbemerkt einige Wagen zwischen Berneburg und Sontra von einem fahrenden Güterzug. Durch die abfallende Strecke in Richtung Sontra rollten die Wagen hinter dem Zug her und erhielten hierbei eine hohe Geschwindigkeit. Sie prallten mit großer Wucht auf den im Bahnhof stehenden Zug auf. Verletzt wurde dabei niemand. 

Weitere Informationen erhalten Interessierte auf der Internetseite von Edgar Brill unter www.werra-meissner-bahnen.de

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