Fernsehsender berichten aus der Kupferstadt und stellen diese als heruntergekommenes Nest dar

Laut ZDF und RTL: Sontras hässliches Gesicht

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Ins schlechte Bild gesetzt: ZDF-Reporter Christian Landrebe vor heruntergekommenen Gebäuden in Sontra. Darüber kann er nur sein Gesicht verziehen.

Sontra. Völlig verkommene Hausfassaden, mit Brettern notdürftig zugenagelte Fenster, bedrohliche Musik. Ein Szenario wie in einer Westernstadt - es fehlt nur, dass ein Heuballen durchs Bild weht. Doch das hier, das ist Sontra. Zumindest so, wie es das ZDF in einem Beitrag der Sendung Drehscheibe darstellt.

ZDF-Reporter Christian Landrebe zieht in dem sechseinhalbminütigen Beitrag, der am Freitag ausgestrahlt wurde, durch die Straßen, verzieht immer wieder sein Gesicht, angesichts der Hässlichkeit dieser Kleinstadt. Dick eingepackt hat Landrebe sich, eine rote Mütze schützt gegen den Wind. Es muss immer kalt sein in Sontra, so wirkt das. Wie schlecht es den Menschen hier geht, wie frustriert sie sind, offenbart sich in einer Straßenumfrage.

„Sie suchen interessante Menschen?“, fragt eine Frau zurück. „Wo sollen die leben? In Sontra ganz bestimmt nicht.“ Ein anderer beklagt sich über Leerstand in der Innenstadt und den fehlenden Markt. „Woran liegt das?“, fragt Landrebe. Die Antwort: „An wem denn wohl? Immer an der Stadt, oder?“ Unterlegt ist diese Zeichnung eines besonders tristen Bildes ironischerweise mit Conny Froboess’ Liebeserklärung an Paris („Midi-Midinette“).

Gründe für die offenbar miserable Situation Sontras werden aus dem Off aufgezählt: Das Ende des Kupferbergbaus in den 50er-Jahren sei die Ursache des Abschwungs, heißt es da. Seit der Wende falle die Zonenrandförderung weg, hinzu komme noch der Abzug der Bundeswehr aus der Husarenkaserne vor einigen Jahren. Fazit: „Arbeitsplätze Mangelware, Kaufkraft im Keller.“

Ob der Beitrag humoristisch gemeint sein soll oder nicht, wird nicht aufgelöst. Das Kurzporträt der Stadt mündet übergangslos in eine Geschichte des Ehepaares Gudrun und Wolfgang Fuchs, die sich neben einer eigenen Reinigung mit der Herstellung von Bienenhonig beschäftigen. Von Humor oder Satire gibt es spätestens hier keine Spur.

Drehte in Diemerode: Comedian Kaya Yanar.

Diese Einseitigkeit verärgert Bürgermeister Thomas Eckhardt. „Da ist das ZDF schon mal in der Stadt und dann kommt so ein Bericht dabei heraus. Die Gebäude, die da gezeigt wurden, muss man erstmal finden“, sagt er. Informationen, wie die der fehlenden Arbeitsplätze, hält er schlichtweg für falsch. Er sei aber beruhigt, dass in den sozialen Netzwerken vielen Zuschauern die wenig neutrale Berichterstattung sauer aufgestoßen sei. Er selbst schreibt in einem Kommentar: „Schade eigentlich (...), dass man mit dem 'nordhessischen Pessimismus’ immer alles schlechtredet und manchmal vor allem in der Vergangenheit lebt.“

Doch das ZDF steht nicht alleine da mit seinem Spott. Ebenfalls am Freitag strahlte der Privatsender RTL in der Sendung „Geht’s noch?! Kayas Woche“ einen im Sontraer Ortsteil Diemerode gedrehten Beitrag des Comedians Kaya Yanar aus. „Ich komm überall hin, sogar nach Diemerode“, sagt Yanar und fährt fort: „Man könnte meinen, man sei hier am Arsch der Welt. Das nicht, aber man kann ihn von hier schon gut erkennen.“ Es folgt ein Schwenk vom Ortsschild auf eine Weide, auf der - nachträglich ins Bild montiert - ein Riesenhinterteil zu sehen ist. Das wiederum soll zumindest eines sein: lustig.

Von Lasse Deppe

Die Beiträge gibt es hier:

Kayas Woche

ZDF-Drehscheibe

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