Meine alte Penne (6): Die Adam-von-Trott-Schule in Sontra

Meine alte Penne (6): Die Adam-von-Trott-Schule in Sontra: Von Spinnen und Schafen

Überblick behalten: Für die Suche nach der richtigen Lektüre muss der pädagogische Leiter der Adam-von-Trott-Schule, Ludger Arnold, im Lehrbuchlager schon mal auf die Leiter steigen. Fotos: Deppe

Sontra. „Es gibt Raumpflegerinnen, die nennen das hier die Gruselkammer“, sagt Jens Saur. Der Hausmeister der Sontraer Adam-von-Trott-Schule hat gerade eine unscheinbare Tür im Treppenhaus des Nebengebäudes aufgeschlossen, hinter der, gelinde gesagt, alles etwas heruntergekommen wirkt. Ein Blick an Orte, an die die meisten Schüler nie gelangen.

Obwohl ein paar alte Putzutensilien zwischen den Spinnweben herumstehen, dient der Raum nur als Durchgang zu einem Ort, den die über 500 Schüler wohl niemals zu Gesicht bekommen: einen unterirdischen Gang, mehr als 70 Meter lang, den man maximal in gebückter Haltung und wegen großer Pfützen auch nur mit Gummistiefeln durchqueren kann. Hier verlaufen etliche Versorgungsleitungen quer über das Schulgelände. Nicht nur Wärme, auch Internet gibt es so in allen Räumen.

Das Schulgelände ist in Sontra besonders weitläufig und bietet dank seiner etwas abseitigen Lage viele Vorteile. Der angrenzende Wald wird mit in den Unterricht einbezogen, wenn Schüler Bodenprofile erstellen oder pH-Werte messen sollen. Schwimmunterricht findet im benachbarten Freibad statt und wo verfügt eine Schule schon über genug Fläche, um sich ein Dutzend Schulschafe und Bienenstöcke zu leisten? „Wir profitieren viel von der Ruhe hier“, sagt der pädagogische Leiter der Schule, Ludger Arnold.

Das wissen auch Eltern zu schätzen, die ihre Kinder aus einem großen Einzugsgebiet nach Sontra schicken. So kommen Schüler, die zuvor Grundschulen beispielsweise in Nentershausen, Cornberg, Waldkappel, Herleshausen oder Reichensachsen besucht haben. Etwa 100 neue Schüler haben im vergangenen Sommer im fünften Schuljahr angefangen.

Ortswechsel: An die obersten Fächer der langen Regalreihen kommt Arnold nur mithilfe einer Leiter ran. Die Bücher, die hier im Lehrbuchlager stehen, sind kaum zählbar. Denn die Schule hebt auch Bücher auf, die seit vielen Jahrzehnten nicht mehr gelesen werden. „Wir schmeißen nur ganz selten etwas weg“, sagt Schulleiterin Susanne Herrmann-Borchert, „aber wir haben ja zum Glück auch genug Platz.“ Doch auch daraus schlagen die Lehrer Profit. Manch ein Religionsbuch der 60er-Jahre wird im Unterricht als Originalquelle wieder eingesetzt. Lektüren für den Deutsch- oder Fremdsprachenunterricht veralten ohnehin nicht. So gilt es lediglich, auch weiterhin den Überblick zu behalten.

Schule in Zahlen

Die Adam-von-Trott-Schule in Sontra ist die größte weiterführende Schule im Werra-Meißner-Kreis außerhalb Eschweges.

2 Hausmeister kümmern sich darum, dass auf dem Schulgelände auch außerhalb des Unterrichts alles rundläuft. Sie werden unterstützt von bis zu 13 Reinigungskräften.

3 Turnhallen gibt es auf dem Schulcampus, zu dem in Zukunft auch die Regenbogenschule gehören wird. Wann die Grundschule umzieht, ist derzeit noch offen.

19 Schüler besuchen derzeit die so genannte Daz-Klasse. Das steht für „Deutsch als Zweitsprache“, die Schüler sind Flüchtlinge.

25 Arbeitsgemeinschaften werden angeboten. Die können die Schüler freiwillig im Anschluss an den Unterricht besuchen. Weit über die Hälfte der AGs widmen sich Sportarten wie Zumba und Reiten. Andere behandeln eher untypische Themen wie die Regionalgeschichte und Tiffany, eine Kunst, bei der Glasteile zusammengesetzt werden.

64 Lehrkräfte umfasst das Kollegium derzeit, davon sind 49 fest angestellt.

494 Freunde hat die Schule im sozialen Netzwerk Facebook. Dort stellt die Schule regelmäßig ihr Angebot vor und präsentiert besondere Aktionen. Natürlich gibt es dort auch jede Menge Fotos.

582 Schüler besuchen die Schule derzeit, beginnend in der Klasse fünf bis hin zur Oberstufe.

1923 hat die jüdische Gemeinde in Sontra ein kleines Grundstück gekauft, das als Friedhof genutzt wurde und heute zum Schulgelände gehört. Das Areal wird vor allem im Geschichtsunterricht mit einbezogen.

1958 wurde in Sontra erstmals Schülern das Abitur abgenommen. Seit 2008 wird jährlich eine Feier zum goldenen Abitur ausgerichtet, an der die Jubilare teilnehmen können.

1979 ging die Gesamtschule aus der Friedrich-Ebert-Schule (Haupt- und Realschule) und dem Gerhart-Hauptmann-Gymnasium hervor. Die Gesamtschule Sontra erhielt dann erst 1989 ihren Namen, der an den 1944 hingerichteten Widerstandskämpfer Adam von Trott zu Solz erinnert. (lad)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare