Stehplatz statt Sitzplatz: Grundschüler des Pfaffenbachtals sollen mit öffentlicher Buslinie fahren

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Wollen ihr altes Busunternehmen behalten: Eltern und Schüler, die aus Diemerode, Heyerode, Berneburg, Königswald oder Rockensüß zur Grundschule nach Cornberg gebracht werden, befürchten einen Qualitätsverlust durch die Linienbeförderungen. Foto: Stück

Cornberg. Die Nachricht des Landkreises Hersfeld-Rotenburg ist unverblümt. Die Kapazitäten der neuen Buslinie müssten ausreichend sein. Mit rund 20 stehenden Kindern aus den Stadtteilen Heyerode und Berneburg sei aber zu rechnen.

Das gefällt den Eltern aus dem Werra-Meißner-Kreis, die ihre Kinder in Cornberg zur Schule schicken, längst nicht. Sie fordern, dass das bisherige Busunternehmen, mit dem die Beförderung zuletzt reibungslos funktioniert habe, bestehen bleibt.

Zur Erinnerung: Die Sontraer Stadtteile Diemerode, Heyerode und Berneburg sind dem Grundschulbezirk Cornberg zugeteilt, demnächst werden auch Schüler aus Eltmannsee im Nachbarkreis die Grundschule besuchen. Der Weg nach Cornberg ist für unsere Kinder kurz und schnell“, sagt Karlfried Funk, Vater eines der betroffenen Kinder. Bisher fährt das Busunternehmen Ziltz aus Weiterode die Kinder jeden Morgen zur Schule. Karl Ziltz, der längst das Rentenalter erreicht hat, kennt jedes der rund 40 Kinder persönlich. „Teilweise hat er uns schon zur Schule gefahren“, sagt die Elternbeiratsvorsitzende Melanie Urbanski. Für die Eltern ist es ein gutes Gefühl, ihre Kinder in der Obhut des erfahrenen Busfahrers zu wissen.

Linienverkehr starten

Für den Landkreis Hersfeld-Rotenburg haben aber andere Beweggründe Priorität. Sie wollen die Schulfahrten in den Linienverkehr des Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) integrieren. „Neben wirtschaftlichen Vorteilen können so für die Bevölkerung zusätzliche Angebote im Personennahverkehr geschaffen werden“, sagt Martin Glöckner für den Kreis. Die Grundschule wird zur offiziellen Haltestelle - jeder darf dann hier ein- und aussteigen. Vorher waren die Kinder unter sich. Vor der Eichendorff-Schule soll vor Beginn des nächsten Schuljahres ein Wendehammer gebaut werden. „Unser Ziel muss es aber auch sein, die Verkehrsanbindung auf dem Land zu sichern und zu verbessern.“

Nach Informationen des NVV werden die Kinder zukünftig mit der Linie 251, die zwischen Sontra und Königswald pendelt, befördert. Statt um 7.40 Uhr - fünf Minuten vor Unterrichtsbeginn - kommen die Kinder dann um 7.23 Uhr an. „Im Sommer ist das in Ordnung, im Winter müssen unsere Kinder draußen frieren“, sagt Alexandra Sbrzesny. Außerdem muss die Schule zusätzliches Aufsichtspersonal zur Verfügung stellen.

Für die Eltern besonders schlimm ist die Tatsache, dass ihre Kinder während der Linienfahrt wohl keinen Sitzplatz mehr bekommen. Gerade für Erstklässler sei diese Tatsache dramatisch. „Im Auto muss man Kindersitz und Anschnallgurt vorhalten, im Bus nicht“, bemängelt Karlfried Funk. Die Proteste der Eltern kommen voraussichtlich zu spät. Der Kreisausschuss hat bereits grünes Licht für die neue Buslinie gegeben.

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