DNA-Test: Sechs Angriffe auf Nutztiere

Stölzinger Wölfin stößt bis A 44 vor

Heimisch in Nordhessen: Der Wolf, hier aufgenommen im Tierpark Knüll. Vor allem die Stölzinger Wölfin wird mit Rissen in Verbindung gebracht, sechs Angriffe wurden bereits bestätigt.
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Heimisch in Nordhessen: Der Wolf, hier aufgenommen im Tierpark Knüll. Vor allem die Stölzinger Wölfin wird mit Rissen in Verbindung gebracht, sechs Angriffe wurden bereits bestätigt.

Die Stölzinger Wölfin macht ihrem Namen alle Ehre: War sie anfangs nur im südlichen Teil des Gebirges unterwegs, hat sich sich nun auch bis nach Hessisch Lichtenau vorgewagt. 

Das wurde durch die nun vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) auf dessen Internetseite veröffentlichten DNA-Ergebnisse nachgewiesen.

Von den Fachbehörden hat das Tier das Kürzel GW1409f zugewiesen bekommen. GW steht für Grauwolf, das „f“ für feminin. Von August bis Ende Oktober wurde das Tier in einem sehr engen Radius am Drei-Kreise-Eck Hersfeld-Rotenburg, Schwalm-Eder und Werra-Meißner nachgewiesen.

Wolfsterritorien sind  200 Quadratkilometer groß

Am 17. April riss sie nun östlich der Kernstadt von Hessisch Lichtenau bei Walburg zwei Ziegen und ein Schaf, am 25. April ein Schaf bei Hopfelde. Anhand der offiziellen Nachweise ergibt sich eine Territoriums-Größe von mindestens 120 Quadratkilometern. 

Laut DBBW (Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf) sind Wolfsterritorien in Deutschland durchschnittlich 200 Quadratkilometer groß.

Wiederholte Nutztierangriffe müssen beobachtet werden

Bei weiteren Fällen rund um Hessisch Lichtenau laufen die DNA-Analysen noch. Zweifelsfrei herauszufinden, welcher Wolf der Täter war, ist aus zweierlei Gründen wichtig: Zum einen sind die Mitgliedsländer der EU gesetzlich verpflichtet, den Zustand der Population von geschützten Tierarten wie dem Wolf zu beobachten.

Dafür muss man unter anderem wissen, ob ein Rudel, ein Paar oder – wie es das HLNUG bei der Stölzinger Wölfin einschätzt – nur ein einzelnes Tier ein Territorium besetzt. 

Außerdem muss beobachtet werden, ob ein Wolf wiederholt Nutztiere angreift, die mit den vom Land Hessen empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen entsprechend eingezäunt sind: also an allen Seiten der Weide mit mindestens 90 Zentimeter hohen stromführenden Litzen oder Netzen.

Abschuss bei wirtschaftlichen Schäden?

Das ist bei der Stölzinger Wölfin der Fall: Mit Ausnahme des Angriffs bei Dens-Nentershausen waren die Tiere ordnungsgemäß eingezäunt, bestätigt das HLNUG auf Nachfrage.

Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) sagte erst in der vergangenen Woche auf Anfrage der Deutschen Presseagentur, dass Wölfe, die wiederholt den empfohlenen Schutz überwinden und dabei „ernste wirtschaftliche Schäden anrichten“, erschossen werden dürfen. 

Das sieht das im Dezember 2019 geänderte deutsche Bundesnaturschutzgesetz vor.

Was „ernsthafte“ Schäden sind, ist allerdings nicht genau festgelegt. Bei den fünf Übergriffen, wo der empfohlene Schutz gegeben war, starben insgesamt sechs Schafe und zwei Ziegen. Hinzu kommen vier getötete Schafe bei Dens. 

Alle Belege finden Sie unter hlnug.de/themen/naturschutz/tiere-und-pflanzen/arten-melden/wolf

Von Christopher Ziermann

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