Bürgermeisterwahl Sontra - Eckhardt einziger Kandidat

„Strukturschwach ist ein Unwort“ - Sontras Bürgermeister im Wahlinterview

Will auch in den kommenden sechs Jahren Bürgermeister der Stadt Sontra sein: SPD-Politiker Thomas Eckhardt.
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Will auch in den kommenden sechs Jahren Bürgermeister der Stadt Sontra sein: SPD-Politiker Thomas Eckhardt.

Am 1. November wählen die Bürger Sontras ihren Bürgermeister. Als einziger Kandidat steht der bisherige Amtsträger Thomas Eckhardt (SPD) zur Wahl. Wir sprachen mit ihm vorab im Interview.

Sontra - Eckhardt würde in seine zweiten sechs Jahre gehen. Wir sprachen mit ihm darüber, was er mit Sontra in den kommenden Jahren vorhat, welche Dinge er rückblickend bereut und wie man einen Wahlkampf inmitten einer Pandemie führt.

Herr Eckhardt, nach den ersten 100 Tagen im Amt haben Sie gesagt, Sie wollen immer die richtigen Worte finden und Sie selbst bleiben. Ist Ihnen das gelungen?

In jedem Fall habe ich viele Worte gefunden (lacht). Hinsichtlich der Familie und meines Wesens bin ich durchaus ich geblieben. Auch die Nähe zu den Bürgern war schon immer da und so wird es auch bei mir bleiben, da der Mensch immer im Fokus meines Handelns steht.

Worauf sind Sie in Ihrer Amtszeit besonders stolz?

Ich glaube, stolz kann man auf die gesamtheitliche Entwicklung unserer Stadt sein. Als ich 2014 Bürgermeister wurde, gab es eine Image-Krise nach dem Motto „Am Arsch der Welt in Sontra“, ausgelöst durch den Komiker Kaya Yanar. Damit zu starten war nicht einfach. Gleichzeitig war es aber für mich die Grundlage, um den Menschen in unserer Stadt zu zeigen, dass jeder seinen Beitrag leisten muss, um ein gutes Image für unsere Stadt zu schaffen.

Es ist mittlerweile eine positive Stimmung aus vielen einzelnen Entwicklungsprozessen heraus entstanden, die wiederum das Fundament für den zukünftigen Erfolg ist. Stolz bin ich darauf, dass die Bürger sagen, sie leben gerne in dieser Stadt und bringen sich gerne auf unterschiedlichen Ebenen und bei Projekten ein.

Bereuen Sie Dinge?

Meine Frau sagt, für mich stehe mein Beruf über allem Anderen. Damit hat sie Recht. Ich bereue manchmal, dass es mir nicht gelingt, eine gesunde Balance zwischen der Arbeit und dem Privatleben hinzubekommen. Ich bin fast immer erreichbar und beantworte Anfragen manchmal, bis ich mich schlafen lege.

Wenn ich sage, ich bin für die Bürger erreichbar, dann stehe ich dazu, auch wenn dies manchmal an die Substanz geht. Selbst im Urlaub, wenn man tolle Dinge sieht und damit neue Ideen für Sontra aufschnappt, um sie anschließend umzusetzen. Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden. Daher ist dieser Job so einzigartig, da man Ideen und neue Projekte direkt anstoßen und umsetzen kann, wenn alle Entscheidungsträger sie auch mittragen.

Wo soll Sontra in weiteren sechs Jahren mit Ihnen als Bürgermeister hin?

Gerade durch den Bau der A 44 und zukünftig drei eigenen Autobahnanschlüssen ist ein riesiges Entwicklungspotenzial vorhanden. In Hessisch Lichtenau sieht man, wie die Nachfrage nach Gewerbegebieten steigt. Auch wir spüren dies bereits heute. Neben der Schaffung neuer Arbeitsplätze soll die Stadt als Wohnstandort künftig weiter wachsen, womit dem demografischen Wandel aktiv entgegengewirkt wird. Dafür benötigen wir auch neuen, barrierefreien Wohnraum.

Aktiv die Zukunft zu gestalten und dabei Mut auf-zubringen, das ist das Ziel, was wir mit dem Slogan „Sontra 2030“ ausgegeben haben. Wir wollen uns nicht rückwärts gewandt mit Dingen aus der Vergangenheit beschäftigen, sondern nach vorne schauen und die Stadt zukunftsgerecht aufstellen und entwickeln. Wir können die Bundeswehr nicht mehr nach Sontra zurückholen und auch die früher vorhandenen 1000 Industriearbeitsplätze werden wir so auch nicht mehr aufbauen können.

Gibt es Themen, bei denen Sie Bauchschmerzen haben?

Das Finanzielle ist natürlich immer entscheidend. Wir haben fünf Jahre sehr gut gewirtschaftet, Rücklagen gebildet, keine Steuern erhöht und die Straßenbeiträge abgeschafft. Das geht aber auch immer nur, wenn man dafür gewisse finanzielle Rahmenbedingungen hat.

Sollte es uns wirtschaftlich wieder schlechter gehen wie möglicherweise infolge der Auswirkungen der Coronapandemie, dann fängt man wieder an zu konsolidieren. Und damit kommen wir zu dem Begriff „strukturschwache Region“, den ich als imageschädigendes Unwort für unsere gesamte Region bezeichne.

Warum das?

Strukturschwach bedeutet nach der Raumplanung unter anderem, dass eine Region quasi völlig abseits liegt und schlecht erreichbar ist. Ich sehe uns nicht als strukturschwache Region, da wir seit der Grenzöffnung vor nunmehr 30 Jahren in der Mitte Deutschlands liegen.

Ich bin daher überzeugt davon, dass unsere Region riesiges Entwicklungspotenzial hat, und das gilt es gemeinsam auf allen Ebenen und in den Köpfen unserer Bürger deutlich zu machen.

Stichwort Wahlkampf: Wie funktioniert der in einer Pandemie?

Es ist ein Wahlkampf, den man nicht als solchen wahrnimmt. Nach knapp sechs Jahren im Amt und der Tatsache geschuldet, dass ich seit meiner Geburt in Sontra lebe, haben die Menschen natürlich ein Bild von mir.

Da ist der Haustürwahlkampf nicht mehr zwingend notwendig, wie ich ihn zuvor gemacht habe. Mittlerweile ist man vernetzt und wird an vielen Stellen wahrgenommen.

Gab es denn Überlegungen, Veranstaltungen zu organisieren?

Natürlich habe ich darüber nachgedacht, Veranstaltungen in Sontra und den Stadtteilen durchzuführen, habe mich aber dagegen entschieden, da die Gefahr besteht, dass sich Teilnehmer mit dem Coronavirus infizieren oder auch die Anzahl der zulässigen Teilnehmer überschritten wird. Ich hoffe, die Bürger haben Verständnis dafür, dass ich das Risiko, gerade auch wegen der aktuell deutschlandweit steigenden Fallzahlen, nicht eingehen will.

Zumindest wird es neben Wahlplakaten einen Flyer geben, der zeigt, was in den vergangenen sechs Jahren passiert ist und was in den kommenden sechs Jahren passieren soll. Werbegeschenke habe ich auch gestrichen. Stattdessen spende ich jeweils 150 Euro an alle sechs Kindergärten unserer Stadt.

Es wird bei der Bürgermeisterwahl keinen Gegenkandidaten geben. Haben Sie dennoch ein Wunschziel?

Ich wünsche mir eine hohe Wahlbeteiligung. Dass die Bürger, die meine Arbeit wertschätzen oder nicht, am 1. November oder per Briefwahl von ihrem demokratischen Recht Gebrauch machen und eine Rückmeldung dafür geben, was in den vergangenen Jahren geleistet wurde.

Eine Wahlbeteiligung über 50 Prozent wäre für mich auch eine Bestätigung meiner bisherigen Arbeit und ein großer Ansporn, diese in den nächsten sechs Jahren erfolgreich fortzuführen. (Maurice Morth)

Zur Person

Thomas Eckhardt (44) ist in Ulfen aufgewachsen und legte sein Wirtschafts-Fachabitur in Bebra ab. Im Anschluss absolvierte Eckhardt eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Stadt Sontra. Zehn Monate Wehrdienst in der Husarenkaserne in Sontra schlossen sich an. Danach arbeitete er wieder bei der Stadtverwaltung und absolvierte in Kassel ein Studium zum Diplom-Verwaltungswirt für den gehobenen Dienst.

Mit dieser Qualifikation arbeitete er fünf Jahre als Büroleiter der Gemeinde Nentershausen und anschließend noch drei Jahre lang in Alheim (beides Hersfeld-Rotenburg). 2014 ließ er sich auf Anfrage der SPD als Bürgermeisterkandidat aufstellen und wurde mit 63,3 Prozent der Stimmen gewählt. Thomas Eckhardt ist verheiratet, wohnt inzwischen in der Kernstadt von Sontra und hat einen Sohn. 

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