Insgesamt wurden elf couragierte Nordhessen ausgezeichnet

Sie hat ein Tötungsdelikt verhindert: Polizeimedaille für Diana Sandleben aus Sontra

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Ehrung im Polizeipräsidium Nordhessen: Das Bild zeigt (von links) Sven van Wees, Katrin Miller, Henri Vollbrecht, Diana Sandleben, Martin Malcher, Justizministerin Eva Kühne-Hörmann, Oberbürgermeister Christian Geselle, Nicola Haenisch-Korus, Polizeipräsident Konrad Stelzenbach, Ina-Maria Reize-Wildemann, Wolfgang Jungnitsch, Ulrich Zabel, Jens Habicht, Fabian Küthe, Henning Wiegand und Thomas Josef Bischof.

Das Polizeipräsidium Nordhessen hat am Montagabend elf couragierte Menschen mit der Kasseler Polizeimedaille ausgezeichnet. Unter ihnen war auch Diana Sandleben aus Sontra, die im April des vergangenen Jahres ein Tötungsdelikt verhinderte.

Die Sontraerin hatte einen 27-jährigen Mann in die Flucht geschlagen, der einen gehbehinderten 56-Jährigen vom Fahrrad gestoßen hatte und anschließend auf ihn einschlug. 

Dafür wurde ihr jetzt in Kassel der Verdienstorden überreicht. Justizministerin Eva Kühne-Hörmann und der Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle sowie Polizeipräsident Konrad Stelzenbach zollten den Ausgezeichneten Respekt für ihre Zivilcourage und ihr mutiges Handeln.

Gefahr war ihr gar nicht bewusst

„Wie gefährlich das war, wurde mir eigentlich erst hinterher klar. Trotzdem würde ich es wieder so machen“, sagt Diana Sandleben aus Sontra, die für ihre Rettungstat jetzt mit der Polizeimedaille des Präsidiums Nordhessen ausgezeichnet worden ist. Ende April 2018 ging sie im Bereich der Breitwiese in Sontra mit ihrem Hund Gassi. Sie sah plötzlich, wie ein 27-Jähriger wie im Wahn auf einen am Boden liegenden anderen Mann trat – auch auf dessen Kopf.

„Das konnte ich nicht mit ansehen. Ich dachte, der bringt ihn um“, so Sandleben. Deswegen schrie sie. So laut sie nur konnte. Daraufhin ließ der Schläger zunächst von seinem Opfer ab. Er kam aber zurück. Sandleben schrie nach eigenen Angaben erneut. „Ich habe meinen Schirm gehoben und gebrüllt, dass ich ihn in Grund und Boden schlage, wenn er nicht verschwindet“, erzählt die Sontraerin.

Instinktiv gehandelt

Alles sei in diesem Moment instinktiv geschehen. Gedanken gemacht habe sie sich erst hinterher. Ihr sei nur wichtig gewesen, zu helfen. Und das tat sie. Sie unterband die Prügelattacke, die die Polizei als versuchtes Tötungsdelikt wertet. Laut den Ermittlern hat der Täter sein gehbehindertes 56 Jahre altes Opfer vom Fahrrad gezogen und dann auf ihn eingeschlagen und getreten. „Ohne Vorwarnung oder Auslöser“, berichtet Sandleben. Der Geschädigte erlitt dadurch massive Gesichtsverletzungen und viele Knochenbrüche.

„Nachdem ich geschrien habe, kamen weitere Leute dazu. Der Täter wurde dann auch schnell nach dem Eintreffen der Polizei geschnappt. Der war besoffen oder high oder irgend sowas, das hat man schon an Ort und Stelle gemerkt“, schildert Diana Sandleben, die bis vor Kurzem lange eine Tankstelle in Sontra betrieben hat.

Einfach froh geholfen zu haben

„Schön“ sei es, dass sie für ihre Courage nun gewürdigt wurde. „Auch wenn der Abend ein bisschen schwierig für mich war. Denn die Geschichte ging mir schon nahe“, sagt die Sontraerin. Dennoch habe sie die Veranstaltung letztlich genossen. „Ich wusste ja vorher schon, dass ich ausgezeichnet werde. Aber vor den Augen von 200 Gästen, darunter Polizeichefs, Fernsehredakteure und Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann – das war schon etwas Besonderes“, bilanziert Sandleben.

Auch RTL und die ZDF-Kriminalsendung Aktenzeichen XY wollen jetzt Beiträge über die Preisträgerin drehen und senden. „Da werde ich wohl nicht drum rumkommen. Auch wenn ich damit gar nicht so sehr in der Öffentlichkeit stehen wollte. Ich bin einfach nur froh, geholfen zu haben“, sagt Sandleben.

Ebenfalls ausgezeichnet wurden zehn weitere couragierte Menschen aus der Region:

Die elf neuen Träger der Kasseler Polizeimedaille, darunter drei Frauen und acht Männer, sind in diesem Jahr zwischen 20 und 70 Jahre alt. Sie stammen aus Kassel (2), Wolfhagen (2), Grebenstein, Diemelsee, Korbach, Knüllwald, Fritzlar, Sontra und Remagen.

Serienbankräuber nach 20 Jahren gefasst

Durch Hinweise des 26-jährigen Fabian Küthe  konnte eine rund 20 Jahre andauernde Serie von Raubüberfallen auf Geldinstitute in Deutschland geklärt und ein 45 Jahre alter Tatverdächtiger im Raum Siegen festgenommen werden. Am 2. Januar 2018 hatte der 45-Jährige in der Mittagszeit die Filiale der Waldecker Bank in Diemelsee-Adorf (Waldeck-Frankenberg) überfallen. Dank der umfangreiche Angaben zu verdächtigen Wahrnehmungen von Fabian Küthe, der den Täter und vor allem dessen wagen gut beschreiebn konnte, konnte der Mann später in Siegen festgenommen werden. 

Über fast 20 Jahre hatte er eine Berufstätigkeit vorgetäuscht, lebte aber ausschließlich von seinen Banküberfällen.  Er legte ein Geständnis ab und wurde zwischenzeitlich wegen einer Vielzahl von Banküberfällen zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. 

Zwei Festnahmen nach nächtlichem Firmeneinbruch

Jens Habicht kehrte am 27. Januar 2018 kurz vor Mitternacht von der Jagd zurück, als ihm ein Wagen mit auswärtigen Kennzeichen auffiel, der in der Nähe eines Firmengeländes in Grebenstein (Landkreis Kassel) abgestellt war. Durch seine bei der Jagd mitgeführte Wärmebildkamera erkannte er, dass sich auf dem Firmengelände zwei Personen aufhielten und verständigte sofort den Inhaber der Firma. Dieser alarmierte seinerseits gleich die Polizei. 

Durch die schnelle Information und die präzisen Hinweise gelang es den Polizeibeamten, einen der beiden Täter noch auf dem Firmengelände festzunehmen. Bei der anschließenden Fahndung nach dem zweiten Täter bot Jens Habicht den Beamten sofort seine Wärmebildkamera an. Durch diese konnte der zweite Täter in einem bewachsenen Graben in der Dunkelheit ausfindig gemacht und von den Beamten der Polizeistation Hofgeismar ebenfalls festgenommen werden.

Zwei Täter nach Einbruch in Goldschmiede festgenommen

Der Korbach Hotelier Ulrich Zabel bereitete am Sonntag, 25. Februar 2018, gerade das Frühstück vor, als er durch laute Geräusche auf einen Einbruch beim benachbarten Juwelier Ochs aufmerksam wurde. Durch ein Fenster sah er, dass zwei Täter eine Scheibe des Geschäfts eingeschlagen hatten. Er alarmierte sofort die Korbacher Polizei. Einer der Täter stieg in das Geschäft ein, während der andere Mann Schmiere stand. Durch die schnell am Tatort eintreffende Streife der Polizeistation Korbach konnte einer der Männer noch vor Ort festgenommen werden. Der zweite Täter hatte sich aus dem Staub gemacht, wurde im Rahmen der Fahndung aber ebenfalls im Stadtgebiet von Korbach gestellt.

Nur durch die präzisen Angaben des Zeugen gelang die Festnahme der beiden Einbrecher. Zudem konnte die gesamte Beute aus über 100 Schmuckstücken und Uhren im Wert von rund 20.000 Euro sichergestellt werden.

Autoknacker verfolgt - Katharina Janssen suchte mit dem Fahrrad nach Verdächtigem 

Verfolgung auf dem Rad: Durch Katharina Janssen wurde ein Autoknacker gestellt.

Katharina Janssen saß am Samstag, 2. Juni 2018, am Frühstückstisch, schaute aus dem Fenster und hörte einen Knall. Sie sah, wie jemand gegenüber auf der Straßenseite die Scheibe eines Autos zerschlug. Und sie hörte, wie eine Nachbarin rief: „Bleib stehen.“

„Ich glaube, da hat jemand gerade ein Auto geknackt, habe ich zu meinem Mann gesagt“, erzählt die 50-jährige Lehrerin aus der Kasseler Südstadt. Ihr Mann sagte nur: „Los hinterher.“ Katharina Janssen lief raus und schnappte sich ihr Rad. Zunächst fuhr sie kurz in die Karlsaue, um den Autoknacker zu finden. Ohne Erfolg. Dann wieder raus, über die Heinrich-Heine-Straße zur Frankfurter Straße. In Höhe eines Tierfutterladens entdeckte die Frau dann den Autoknacker. Da sie kein Handy dabei hatte, bat sie eine Passantin, ein Foto zu machen. Zudem rief sie die Polizei.

Und verfolgte weiter den Mann, der zu Fuß unterwegs war. „Ich hatte den Vorteil, dass er mich nicht gesehen hat“, sagt Janssen. Dann seien auch schon mehrere Polizeiautos aufgetaucht. Die Polizisten hätten den Mann in einem Hinterhof in der Mozartstraße festgenommen. Katharina Janssen identifizierte ihn eindeutig als den Autoknacker. Später stellte sich heraus, dass der 42-jährige Tatverdächtige für ein weiteres Eigentumsdelikt verantwortlich ist.

Junge Soldaten haben Einbruch verhindert

Henri Vollbrecht (links) aus Niederbeisheim und Sven van Wees aus Remagen bekamen die Kasseler Polizeimedaille verliehen. Sie halfen vergangenen Sommer, einen versuchten Einbruch aufzuklären

Die beiden jungen Soldaten Henri Vollbrecht und Sven van Wees halfen bei der Aufklärung eines versuchten Einbruchs an der Kasseler Wilhelmshöher Allee. Am 28. Juni 2018 gegen 1 Uhr waren die beiden Soldaten auf der Wilhelmshöher Alle unterwegs, als plötzlich ein lautes Knallen ertönte. Dieses konnten sie, so Vollbrecht, nicht zuordnen. Erst als sie eine dunkel gekleidete Person sahen, die sich verdächtig schnell von einem kleinen Supermarkt entfernte, konnten sie sich einen Reim darauf bilden.

„Etwas stimmt hier nicht“, sagten sich die beiden. Ohne lange zu überlegen, riefen sie die 110 an. Sie beschrieben den Polizisten ihre Beobachtungen. Der mutmaßliche Einbrecher entfernte sich von dem Laden, in dessen Scheibe die beiden ein gut sichtbares Loch entdeckten. Sie verfolgten den Mann, der einen Werkzeuggürtel trug, mit einigem Sicherheitsabstand. „Selbst wollten wir ihn nicht stellen, dies war uns wegen des Hammers, den er am Gürtel trug, zu gefährlich“, berichten sie.

Der Flüchtende versuchte immer wieder, sie durch plötzliche Richtungswechsel abzuschütteln. Ihre Beobachtungen gab van Wees an die Beamten weiter.

Schließlich versteckte sich der Verfolgte in einem Gebüsch. Die beiden Männer versperrten ihm den Fluchtweg und warteten auf eine Streife der Polizei. Die Beamten nahmen den 57-jährigen Verdächtigen fest und hörten sich die Aussagen der beiden Soldaten an. „Für uns kam gar nichts anderes in Frage, als die Polizei zu rufen. Wir sahen es als unsere Bürgerpflicht.“ Sie freuen sich sehr über die Medaille, sehen ihre Mithilfe bei der Aufklärung aber als selbstverständlich an.

Festnahme nach Sachbeschädigung und Angriff auf Passanten

Sie rief die Polizei: Katrin Miller beobachtete in der Innenstadt einen Randalierer

Katrin Miller hatte gerade Feierabend in einem Restaurant, als sie auf dem Königsplatz in Kassel hörte, wie Mülltonnen umgekippt wurden. Es war am 31. Juli 2018, als die 24-jährige Frau um kurz nach 22 Uhr zusammen mit einem Kollegen vom Königsplatz in Richtung Stern unterwegs war.

Vom City Point aus habe sie gesehen, wie ein Mann einen Tisch auseinandernahm, der vor der Bäckerei Apel stand. Mit einem Tischbein habe er dann gegen die Schaufensterscheibe geschlagen. Kurze Zeit später habe sie gehört, wie die Scheibe zersprang. Anschließend sei der Randalierer hinter ihr und ihrem Kollegen gelaufen. „Das war schon ein komisches Gefühl, wir haben die Straßenseite gewechselt“, sagt die 24-Jährige. Und dann musste sie noch beobachten, wie der Randalierer an der Haltestelle Stern von hinten auf einen jungen Mann sprang und diesen verletzte. Sie rief die Polizei und ließ den Täter nicht aus den Augen.

Durch ihre Standortmeldungen konnte der leicht alkoholisierte und geistig verwirrte Mann kurze Zeit später am Altmarkt festgenommen werden.

Bunkerbrand bei Fritzlar durch Zeugenaussage aufgeklärt 

Thomas Josef Bischof half bei der Aufklärung eines spektakulären Verbrechens bei Fritzlar vergangenen November. Bischof ist in der Forstwirtschaft tätig und hielt sich mit seinem Sohn und einem Mitarbeiter im Wald bei Fritzlar in der Nähe der Bunkeranlagen auf.

Schwerstarbeit für die Feuerwehr: Immer wieder explodierten Feuerwerkskörper im ehemaligen Bundeswehr-Bunker in Fritzlar.

Ihm fiel ein Fahrzeug auf, aus dem immer wieder Personen ausstiegen und sich die Bunker ansahen. Erst glaubte er, dass die Personen eine der alten Militäranlagen mieten wollen. „Ich fand ihr Verhalten aber sehr verdächtig. Also gab ich meinem Sohn vorsichtshalber das Kennzeichen des Wagens via Funk durch.“

Als der 55-Jährige einen Tag später von dem Brand in einem der Bunker erfuhr, berichtete er der Kriminalpolizei von seinen Beobachtungen und gab das Autokennzeichen an die Beamten weiter. Daraufhin konnte die Polizei drei Männer und drei Frauen im Alter zwischen 25 und 26 aus Schauenburg (Landkreis Kassel) und Heringen (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) ausfindig machen. Diese hatten versucht, am 20. November gegen 22 Uhr in einen Bunker einzudringen, um Pyrotechnik zu entwenden. Dabei geriet das gelagerte Gut in Brand und sorgte für eine große Explosion, die überregional Furore machte.

Als Dank für seine Hilfsbereitschaft erhielt Bischof die Kasseler Polizeimedaille. Über das Dankesschreiben der Polizeiinspektion Fritzlar habe er sich sehr gefreut, verrät er. „Ich sehe die Hilfe als meine Pflicht als Bürger an“, sagt er dazu.

Festnahme nach Einbruch in Baumarkt

Der Zeuge, Herr Sedat, befand sich am Sonntag, 28. Oktober 2018, gegen 1 Uhr zufällig in der Bahnhofstraße in Wolfhagen (Landkreis Kassel), als er an dem dortigen Baumarkt verdächtige Beobachtungen machte. Er sah Licht im Markt und erkannte, dass sich mehrere Personen im Inneren des Gebäudes befinden. Da er vermutete, dass es sich bei den Personen um Einbrecher handeln könnte, sprach er Herrn Wiegand an, der sich ebenfalls in der Nähe befand, über Handy die Polizei zu alarmieren, damit er das Geschehen weiter beobachten konnte. Die alarmierten Streifen waren schnell vor Ort und es gelang, zwei der Täter nach kurzer Verfolgung festzunehmen. Die Männer führten sowohl das Diebesgut als auch das Einbruchswerkzeug mit sich. 

"Kasseler Polizeimedaille Spezial" für die Sendung "Aktenzeichen XY ...ungelöst

Zum zweiten Mal die „Kasseler Polizeimedaille Spezial“ verliehen. Preisträger ist die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY …ungelöst“. In der Begründung hieß es, dass das von Eduard Zimmermann erdachte Fernsehformat seit fast 52 Jahren die Kriminalpolizei bei der Ermittlung von Straftaten unterstütze. Schon die Bilanz zum 50. Geburtstag im Jahr 2017 sei beeindruckend gewesen: 523 Sendungen, 4586 Kriminalfälle, davon 1853 gelöst und 2319 Täter festgenommen.

Da Moderator Rudi Cerne, der übrigens im Jahr 2012 in Kassel mit dem GdP-Stern der Gewerkschaft der Polizei ausgezeichnet worden war, verhindert war, nahmen gestern Abend Redaktionsleiterin Ina-Maria Reize-Wildemann und Redakteurin Nicola Haenisch-Korus den Preis entgegen. „Wir freuen uns über diese Auszeichnung sehr. Es erfüllt uns alle – das gesamte Team – schon auch mit einem gewissen Stolz, dass unsere Arbeit eine solche Wertschätzung erfährt. Ein Preis wie die Kasseler Polizeimedaille zeigt uns, dass wir mit unserer Arbeit richtig liegen“, so Reize-Wildemann.

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