Mit Hilfe des Mitmachparcours „KlarSicht“ lernen Schüler mehr über Alkohol und Nikotin

Den Umgang mit Suchtmitteln lernen

Mit der Rauschbrille können Jugendlichen ausprobieren, wie die Sicht und Koordination mit 0,8 bis 1,5 Promille beeinträchtigt wird. Foto: Berg

Sontra. 2007 wurden im Werra-Meißner-Kreis 40 Jugendliche mit einer Übermenge an Alkohol in die Kliniken in Eschwege und Witzenhausen eingeliefert. Eine Zahl, mit der der Kreis hessenweit führte.

„Seitdem hat sich einiges getan und wir tun viel, um die Jugendlichen mit Suchtpräventionsmaßnahmen aufzuklären“, erklärte Harald Nolte vom Zweckverband des Diakonischen Werkes. Die Taten sprechen für sich, die Zahl der eingelieferten Jugendlichen ist gesunken, 2012 wurden nur 25 Jugendliche wegen Alkohol in den Krankenhäusern behandelt. Auf Initiative des Zweckverbandes des Diakonischen Werks in Eschwege war der Mitmachparcours „KlarSicht“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Sontra und die Tage zuvor schon in Witzenhausen zu Gast. An verschiedenen Stationen lernen die Schüler dort mehr über Alkohol- und Nikotinkonsum, ohne jedoch die Jugendlichen mit dem erhobenen Finger zu maßregeln. „Wir wollen den Schülern den Alkoholkonsum nicht verbieten, wir wollen sogar, dass sie sich ausprobieren, und dabei eben ein Verantwortungsbewusstsein gegenüber sich selbst entwickeln“, so Peter Frech, Projektleiter von „KlarSicht“. In den Gruppen suchen die Schüler gemeinsam Lösungen für die gestellten Aufgaben und erhalten dabei Punkte für die aktive Mitarbeit. Dabei müssen sie zum Beispiel den Alkoholwert verschiedener Getränke richtig zuordnen oder mit Hilfe einer „Rauschbrille“, die den Jugendlichen einen Promillewert von 0,8 bis 1,5 vortäuscht, einfache Aufgaben erfüllen.

„Bei Tabak ist unsere Herangehensweise eine andere, hier wollen wir nicht, dass die Jugendlichen es ausprobieren und ihnen die Folgen bewusst machen“, so Frech weiter, „zum Glück ist das Image von Zigarettenrauchen nicht mehr cool, wie es noch vor ein paar Jahren war.“ Weitere Kooperationspartner für die Realisierung des Projekts waren der Awo-Kreisverband, der Werra-Meißner-Kreis, die Stadt Sontra, die Bundesagentur für Arbeit und die Adam-von-Trott-Schule, die dabei halfen, den Parcours für die Schüler erfolgreich umzusetzen.

Schulleiterin Susanne Hermann-Borchert erklärte, dass das Nichtraucherschutzgesetz an der Adam-von-Trott Schule ohne Kompromisse umgesetzt wurde und auch die Lehrerkollegen nicht mehr auf dem Gelände rauchen. „Die Anzahl der rauchenden Schüler ist rückläufig, erwischte Schüler müssen sich zusammen mit den Eltern der Diskussion stellen, mit Strafe ist es hier nicht getan“, so die Schulleiterin. Auch Bürgermeister Karl-Heinz Schäfer erklärte, dass man die Situation in den Jugendräumen der Stadt verbessern und den Alkoholkonsum einschränken will. „Wir wollen genauer hinschauen und auch auf die Vereine wirken.“

Peter Frech lobte die Arbeit des Diakonischen Werkes und die Zusammenarbeit vor Ort. „Es muss ein Präventionsnetzwerk entstehen, das Hand in Hand arbeitet und auch andere Suchtmittel und Medienkonsum beinhaltet“, so Frech.

Von Sonja Berg

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