Heinrich Roß singt seit 66 Jahren aktiv in Vereinen und leitete verschiedene Chöre

Ein Urgestein der Sänger

Musikalisch: Neben seiner Tätigkeit als Sänger, Chorleiter und Chorhelferausbilder war Heinrich Roß auch 27 Jahre aktiver Bläser im evangelischen Posaunenchor. Foto: W. Skupio

Sontra. Als Urgestein der Sänger hat Michael Werner, der Vorsitzende des Sängerkreises Alheimer, Heinrich Roß auf dem jüngsten Chorkonzert bezeichnet und damit den Nagel auf den Kopf getroffen. Schließlich singt Roß schon seit seinem 17. Lebensjahr nicht nur aktiv in Vereinen, er ist dem Gesang sogar so verpflichtet, dass er mehrere Chöre leitete und auch heute noch einspringt, wenn „seine“ Chorvereinigung 1856 Sontra einmal einen Chorleiter braucht.

Kein Wunder: Roß wuchs in einer sehr musikalischen Familie auf. Der Vater leitete den Posaunenchor von Rengshausen und sein Bruder ist ebenfalls Chorleiter. Roß selbst lernte Trompete. Nachdem Roß eine Stelle bei der Post in Kassel annahm, trat er 1947 gleich in den dortigen Be-triebschor ein. Eva, seine spätere Frau, hatte er in Rengshausen kennengelernt. Als sie dann nach Sontra ging, um einer dort wohnhaften Tante zur Hand zu gehen, tauschte Roß kurzerhand mit einem Eschweger Post-Mitarbeiter, der lieber in Kassel arbeiten wollte und zog ebenfalls nach Sontra.

Selbstverständlich, dass Roß 1953 dann aktiver Sänger im zweiten Tenor beim Männergesangverein (MGV) 1856 Sontra wurde. Inzwischen zum Ersten Vorsitzenden des MGV gewählt, war er 1966 dann maßgeblich am Zusammenschluss von Männergesang- und Chorverein zur Chorvereinigung beteiligt. Bis 2010 blieb er im Wechsel Erster oder Zweiter Vorsitzender der Chorvereinigung und ist bis heute Beisitzer.

„Damals hat sich keiner darum gerissen, das Amt zu übernehmen und da habe ich es eben gemacht“, sagt der gelernte Fernmeldetechniker bescheiden. Sein Amt aber hat Roß stets klug genutzt und als Vorsitzender 1968 den Anstoß für den Musischen Plan des Kreises Hersfeld-Rotenburg gegeben, der bis heute gilt und bereits erweitert wurde.

„Seitens des Landkreises rühmte man sich damals oft damit, wie sehr man die Gesangsvereine unterstützen würde, während ich meine Ausbildung zum Chorleiter selbst bezahlen musste“, erinnert sich der 84-Jährige. Bis heute profitieren die Sänger von Roß‘ Engagement, denn inzwischen bietet der Landkreis die entsprechende Unterstützung.

Neben der Chorleitung in Sontra leitete er bis 2002 auch noch den Chor in Nentershausen. „Er sollte eigentlich nur drei Wochen die Vertretung übernehmen, daraus wurden dann 30 Jahre“, erinnert sich Eva Roß. Ab 1976 war Roß außerdem 20 Jahre Kreischorleiter des Sängerkreises Alheimer und bis 1995 Bezirkschorleiter von Sontra.

An verschiedenste Fahrten mit seinen Sängern erinnert sich der Rentner gern. Besonders spektakulär war eine Reise vom Mitteldeutschen Sängerbund nach Berlin. Damals wurden die Sangesbrüder an der innerdeutschen Grenze gestoppt. Weil die Kontrollen sich aber in die Länge zogen, stimmten die Männer ein Lied an und sorgten für einen solchen Menschenauflauf, dass ein DDR-Offizier eilig die Weiterfahrt ermöglichte.

Das Engagement von Roß für die Gesangskultur wurde unter Anderem mit der Spohr-Plakette und dem Landesehrenbrief gewürdigt. Er ist zudem Ehrenkreis-, Ehrenbezirks- und Ehrenchorleiter. Neben dem Singen ist das Gärtnern sein Hobby. Beide Söhne sind ebenso musikalisch wie er. Sohn Harald leitet inzwischen die Chorvereinigung und selbst die vier Enkel singen alle schon in Chören.

Von Wolfram Skupio

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