Vor zehn Jahren: Husarenkaserne in Sontra wird endgültig geschlossen

Feierliches Gelöbnis: Das fand 2007 das letzte Mal in der Husarenkaserne Sontra statt. Endgültig geschlossen wurde die aber erst im August des Jahres 2008. Archivfoto: Harald Triller/nh

Sontra. Vor rund zehn Jahren, im August 2008, wurde die Husarenkaserne in Sontra endgültig geschlossen. 1000 Soldaten belebten über Jahrzehnte hinweg die Stadt. Plötzlich waren sie weg. Düstere Szenarien wurden damals für Sontras Zukunft gezeichnet. Wir blicken zurück.

„Als Panzeraufklärungsbatallion an der ehemaligen Grenze zur DDR wären wir im Ernstfall der Stoßkeil gewesen“, erinnert sich Edgar „Eddi“ Buchenau aus Reichensachsen, der von Dezember 1969 bis Juli 1945 in der Husarenkaserne stationiert war. Glücklicherweise aber ist es dazu nie gekommen. Lediglich die Russen habe man bei Nachtübungen mal in der Funkverbindung gehabt. „Dann haben wir aber auch dazwischen gequatscht“, erzählt Buchenau und lacht.

Generell sind seine Erinnerungen an die Bundeswehrzeit in Sontra sehr positiv. „Ich denke heute noch gern an die Zeit zurück und fühle mich meinen Kameraden und der Kaserne nach wie vor emotional verbunden“, sagt er. Unter anderem deswegen organisiert er zusammen mit Knut Martin jetzt regelmäßig Ehemaligen-Treffen – mit Erfolg.

Dabei kommen unter anderem Geschichten auf den Tisch, wie man früher unter der Woche das Sontraer Nachtleben in den Discos und Kneipen wie Pferdestall oder Beichtstuhl belebt habe. Unter anderem deswegen sei die Bundeswehr ein großer Wirtschaftsfaktor gewesen. „Und auch so gehörten die Soldaten einfach dazu, sie haben die Stadt belebt. Nach der Kasernenschließung haben ja quasi 1000 Einwohner auf einen Schlag gefehlt“, so Buchenau.

Nicht umsonst wurden seinerzeit düstere Szenarien für Sontras Zukunft gezeichnet, was den Abzug der Soldaten angeht. „Sontra stirbt, wenn die Bundeswehr abzieht“, sagte der damalige Stadtverordnetenvorsteher Heinz Gebhardt 2004, als Ex-Verteidigungsminister Peter Struck die Schließung von 105 Kasernen anordnete – darunter auch die in der Stadt Sontra. Man befürchtete, dass der Einzelhandel wegen der fehlenden Kundschaft einbricht und die Wirtschaft baden geht.

Rückblickend lässt sich sagen: So schlimm war es nicht. „Natürlich ist Sontra heute nicht mehr so belebt wie damals, aber ein Todesstoß war das für die Kommune sicherlich nicht“, meint auch Edgar Buchenau. Letzten Endes hätten die Soldaten ihr Geld ohnehin größtenteils für Essen in Gastwirtschaften gelassen. „Eingekauft wurde in der Stadt gar nicht so viel, das hatten wir alles in der Kaserne.“

Zudem sei die Vermarktung des Kasernengeländes nach Jahren des Leerstands als Gewerbegebiet seit 2012 die beste Lösung, um das Areal und die Gebäude darauf nicht verfallen zu lassen. Erste Grundstücke wurden durch den zuständigen Interkommunalen Zweckverband der Kommunen Sontra (Besitzer), Herleshausen und Nentershausen bereits an Unternehmen verkauft (wir berichteten). „Eine andere Ex-Kaserne, in der ich stationiert war, ist komplett vermarktet“, berichtet Edgar Buchenau abschließend. Ein offenbar sinniges Konzept.

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