Eine Sekunde, die alles veränderte

Vortrag zu Gewalt 
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Christoph Rickels (links) zusammen mit Benjamin Franke und einem Teil der siebten Klassen der Adam- von-Trott-Schule Sontra. Sonja Berg

Ehemaliger Gewalttäter Christoph Rickels erzähl Schülern in Sontra seine Geschichte. 

Sontra– „Ich hatte keine Angst, habe mich auch ab und zu geschlagen und war ein kleiner Gangster, wie viele andere in diesem Alter auch“, mit diesen Worten eröffnet Christoph Rickels seinen Vortrag. Vor den Schülern der siebten Klassen der Adam-von-Trott-Schule steht ein junger Mann, dem das Reden schwer fällt. Viele der Schüler werden sich zu diesem Zeitpunkt sicherlich gedacht haben „der und kleiner Gangster, na klar“. Dann beginnt Christoph Rickels sehr eindringlich seine Geschichte zu erzählen, die Schüler hören ihm genau zu.

Karriere bei der Bundeswehr 

Christoph Rickels war ein typischer, beliebter Jugendlicher, machte gerne Sport und Musik. „Ich wollte später einen Job haben, bei dem ich etwas zu sagen habe, deshalb entschied ich mich für eine Laufbahn bei den Feldjägern der Bundeswehr“, so Rickels. 

Letzte Party

Bevor es für ihn zur Ausbildung nach Süddeutschland gehen sollte, wollte er ein letztes Mal mit seinen Freunden feiern gehen. In einer Disco traf er ein Mädchen, das er aus dem Internet kannte, er wollte ihr ein Getränk ausgeben. „Der Freund war sehr eifersüchtig, er kam dazu und hat mich angeschrien, wir haben uns gegenseitig geschubst, ich hatte keine Angst vor ihm.“ Vor der Disco rannte der Freund des Mädchens später auf ihn zu und schlug ihm ins Gesicht. 

Sechsfache Hirnblutung 

Christoph Rickels war darauf nicht vorbereitet, wurde sofort bewusstlos und fiel mit dem Gesicht auf den Steinboden. „Diese eine Sekunde hat alles kaputt gemacht“, erklärt Rickels. Er hatte sechsfache Hirnblutungen und wurde ins künstliche Koma versetzt. Die Ärzte glaubten nicht, dass er es schaffen würde. „Das alles nur, weil ich einem Mädchen ein Getränk ausgeben wollte.“ Seit diesem Abend 2007, als Christoph Rickels 19 Jahre war, ist er halbseitig spastisch gelähmt, reden fällt ihm schwer und auch weinen kann er nicht mehr. Die Geschichte berührt die Jugendlichen, aber als Rickels ihnen gegen Ende des Vortrags das Video des Vorfalls der Überwachungskameras zeigt, sind sie komplett ergriffen. Auf dem Video, das keine fünf Sekunden dauert, sehen sie einen jungen Mann, der keine Chance hatte, sich zu wehren und von jetzt auf gleich auf den Boden fällt.

Zusammen was verändern

„Jedem von euch könnte das Gleiche passieren wie mir“, sagt er den Jugendlichen. „Wirklich cool ist man, wenn man bei sich selbst bleibt und keine Sachen macht, nur weil seine Gang das von einem erwartet. Wir zusammen können etwas verändern, bitte achtet auf einander.“

„Ich freue mich sehr, dass wir Christoph Rickels für einen Vortrag in Sontra gewinnen konnten, ich bin überzeugt, dass dies zu einem Bewusstseinswandel und mehr Sensibilität an unserer Schule und in unserer Gesellschaft beitragen wird“, so Bürgermeister Thomas Eckhardt. Finanziert wurde das Projekt mit dem Titel „First Togetherness“ vom Kinderbasarteam „Kleine Strolche“.

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