Warmes aus dem Kühlraum

Wichmannshäuser richten in Eigenregie eine Kleiderkammer für Flüchtlinge ein

Passt oder passt nicht? Ursula Gonnermann hilft Farhan aus Afghanistan in eine Jacke. Die gibt es derzeit noch in allen Größen. Gesucht werden noch kleine Herrenkleidung, Sportklamotten und Schuhe in den Größen 40 bis 43. Fotos: Deppe

Wichmannshausen. Ausgerechnet in einem ehemaligen Kühlraum finden die in Wichmannshausen untergebrachten Flüchtlinge seit Wochen etwas Warmes zum Anziehen. Denn dort, im Untergeschoss des Kurt-Reuber-Hauses haben freiwillige Helfer eine Kleiderkammer eingerichtet.

Jacken in verschiedenen Größen und Farben von der Stange, T-Shirts und Hosen aus dem Regal. Alles was wärmt finden die Flüchtlinge hier. Zudem Schuhe und Spielzeug. Nur Socken sind kaum gefragt. „Viele kommen immer noch barfuß und in Flipflops“, sagt Mitarbeiterin Ursula Gonnermann, „Socken kennen viele gar nicht. Leider gilt das auch für Halsschmerzen.“

Längst ist der Raum, der jeweils montags und freitags für zwei Stunden öffnet, zum Treffpunkt geworden. Viele Flüchtlinge kommen mit Fragen zum Helferteam rund um Initiatorin Annette Graumann. „Heute haben wir einem jungen Mann bei Fragen zu seiner Monatskarte für den Bus geholfen“, sagt sie, „hier geht es nicht um Transitzonen oder Einreisebedingungen, sondern darum, wie man ein Fahrrad repariert.“

Bemerkenswert ist auch die Geschichte eines Mannes, dessen Brille auf der Flucht zerbrochen war. Ihn vermittelte Graumann an einen Optiker im Ort, der umgehend und gratis mit alten Brillengläsern aushalf. In einem anderen Fall hatte ein Wichmannshäuser mehr Äpfel in seinem Garten, als er selbst essen konnte. Er ließ einige Flüchtlinge für deren Eigenbedarf das Obst pflücken.

Zudem gibt es für die etwa 30 Flüchtlinge auch permanente ANgebote. Deutschkurse, nicht nur von der Volkshochschule, sondern auch privat organisierte, zum Beispiel. Oder eine Volleyballgruppe, die sich jeden Mittwochvormittag in der Turnhalle trifft. „Die steht in der Zeit sowieso leer“, sagt Ortsvorsteher Herbert, „und es ist doch schön, wenn jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten, wenigsten ein bisschen was beisteuert, um zu helfen“. In Wichmannshausen ist die Hilfe groß.

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