Kirche Krauthausen - Ein denkwürdiges Gemäuer

Kirche Krauthausen
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Für Spenden gedacht: Ortsvorsteher Horst Linhose vor dem Opferstock im Kirchenpfosten.

Die Dorfkirche Krauthausen birgt reichlich Zeitzeugnisse  aus den dunklen Tagen der Kirchengeschichte.  

Krauthausen– Das Krauthausener Gotteshaus atmet nicht nur Geschichte, es beherbergt auch Zeitzeugen aus den reichen und dunklen Tagen der Kirchengeschichte. Eines dieser Relikte ist sogar für die Ewigkeit in den Grundfesten der Dorfkirche verankert – in den massiven Holzpfeiler, mitten im Kirchenschiff, ist ein wuchtiger Opferstock eingelassen. Vor der Spendenkassette hängt ein Kanonenschloss, das nur noch von wenigen geöffnet werden kann.

Die fetten Jahre sind vorbei 

Für Spenden gedacht: Ortsvorsteher Horst Linhose vor dem Opferstock im Kirchenpfosten.

„Heute gibt es nur noch zwei Schlüssel für den Opferstock“, sagt Ortsvorsteher Horst Linhose. Und diese seien sicher aufbewahrt, auch wenn die massive Spendenkassette schon lange nicht mehr benutzt wird. Heute prasselt die schmaler gewordene Kollekte nicht mehr in die düsteren Tiefen des Pfeilers. Für den Sonntagsgottesdienst reicht auch ein kleineres Gefäß, denn: Die fetten Jahre der Gotteshäuser, in denen sich die Kirchenbänke vor Gläubigen bogen, sind vorbei und das bekommt auch die Krauthausener Kirche zu spüren. Nur ein bis zwei Dutzend Gläubige besuchen den Sonntagsgottesdienst noch regelmäßig und mit dem Besucherandrang versiegten auch die Geldströme. Heute muss das Krauthausener Gotteshaus, wie viele andere Kirchen auch, um jede Finanzierung ringen. So auch in 2001, als der Kirchenvorstand sich entschied, die im Jahr 1832 erstandene Orgel zu renovieren. Es dauerte noch vier weitere Jahre, bis Orgelbauer Mebold aus Siegen mit der Renovierung beginnen konnte.

Denkmal für Gefallene der beiden Weltkriege mit Spenden finanziert

Auch bei der Errichtung des Denkmals für die Soldaten beider Weltkriege war die Kirche auf Spenden angewiesen, einen Großteil brachten die Krauthäuser selbst auf. Neben dem Denkmal der Gefallenen umringt ein Friedhof mit Gräbern aus dem 18. Jahrhundert die Dorfkirche. „Das Gebäude selbst stammt wahrscheinlich aus dem 12. Jahrhundert, wobei die Apsis noch älter ist“, weiß Linhose. Der halbkreisförmige Gewölbeteil wurde im 7. bis 8. Jahrhundert erbaut. Zusammen mit dem Taufstein aus dem 16. Jahrhundert und den bunt bemalten Emporen aus dem 18. Jahrhundert schlummern in der Krauthausener Dorfkirche echte Zeitzeugen hessischer Kirchengeschichte.

Glocken rufen schon seit der Reformation zum Gebet

Das Glocken-Duo im Kirchturm rief schon vor der Reformation zum Gebet: Sie sind seit Jahrhunderten im Dorf, sind übergroß, und trotzdem hat sie kaum einer je zu Gesicht bekommen: die 700 Jahre alten Glocken im Turm der Krauthausener Kirche. Hoch über den Köpfen der Gläubigen hängen die Glocken versteckt in einem Verschlag, in dem sie sogar zwei Weltkriege überdauerten. Das Klang-Duo läutete schon vor der Reformation den Gläubigen den Weg.

Das genaue Alter der Glocken ist nicht schriftlich überliefert, aber der Guss in Zuckerhut- und gotischer Dreiklangrippe spreche für sich, bestätigt Dennis Willershausen. Der Türmer aus Homberg/Efze hatte die Krauthausener Kirche und ihr historisches Glockengeläut im letzten Jahr besucht und das Alter der Klangkörper anhand der Gussformen bestimmt. Dabei datierte der Experte die kleinere der beiden Glocken in das frühe und die größere in das späte 14. Jahrhundert zurück.

Zuckerhutglocken sind an ihrer spitzen Form zu erkennen, werden heute nicht mehr hergestellt, da sie kein ideales Klangerlebnis ermöglichen.(kim)

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