Schlafplatz im Gemeindehaus

Student auf Wanderschaft: Wichmannshäuser gewähren Zoran aus Marburg Unterschlupf

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Wanderstudent Zoran aus Marburg machte auf seinem Weg ins thüringische Eisenach in Wichmannshausen halt. Als Pilger erhielt er nächtlichen Unterschlupf.

Dass ein Ortsvorsteher rund um die Uhr für seine Mitbürger ansprechbar sein muss, ist für den Wichmannshäuser Herbert Cebulla keine neue Erkenntnis.

Kurz vor der Tagesschau ereilte ihn am Mittwochabend in der vergangenen Woche aber ein Anruf, der im Sontraer Stadtteil nicht allzu üblich ist.

Eine besorgte Anwohnerin aus der Straße am Anger rief ihn an, um mitzuteilen, dass sich in einem kleinen Fachwerkhaus für Kinder auf dem städtischen Spielplatz eine fremde Person niedergelassen habe. Durch die Neugierde geweckt, wurde der Fremde, der sich als Wanderstudent der Theologie auf Pilgerschaft mit dem Namen Zoran entpuppte, über den Spielplatzzaun angesprochen.

Schutz vor dem Regen

Laut Ortsvorsteher Herbert Cebulla habe der junge Mann nach der Besichtigung der Wichmannshäuser Kirche lediglich Schutz vor dem Regen gesucht und dabei über sein Smartphone gar an einer Online-Lesung teilgenommen.

Da der junge Mann einen glaubhaften und ehrlichen Eindruck auf den ehemaligen Polizisten Cebulla gemacht habe und sich die Frage nach der Übernachtung aufdrängte, bot ihm der Ortsvorsteher einen Schlafplatz als Pilger im nahegelegenen Gemeindehaus, dem Kurt-Reuber Haus, an. Dieses Angebot nahm der 23-Jährige freudig an, da für die sich anbahnende Nacht weitere Regenschauer vorausgesagt waren.

Erleben der Ursprünglichkeit der Natur

Herbert CebullaOrtsvorsteher Wichmannshausen

Zu seiner Motivation für die Pilgerschaft befragt, gab der junge Student laut Herbert Cebulla das Erleben der Ursprünglichkeit der Natur, das damit verbundene Unabhängigkeitsgefühl, aber auch die Abenteuerlust und das Verhältnis zu Gott an.

Am nächsten Morgen spendete der Ortsvorsteher Zoran noch ein kostenloses Frühstück, ehe der junge Mann, der sich tausendmal für die Übernachtung und Verpflegung bedankte, gen Eisenach aufbrach. Bepackt mit Rucksack, Schlafsack, Lebensmitteln, Smartphone, Laptop und Solarladegerät war der Wanderstudent von der hessischen Universitätsstadt Marburg aus zu Fuß nach Thüringen unterwegs – immerhin 110 Kilometer Luftlinie trennen die beiden Städte. Übernachtungen nahm der junge Mann auch mitten im Wald in Kauf.

Gastfreundschaft

Wichmannshausens Ortsvorsteher Herbert Cebulla ist sich indes ganz sicher: Auch der bekannte Wichmannshäuser Pfarrer und Mediziner Kurt Reuber hätte mit solcher Gastfreundschaft gehandelt. 

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