Männer mit ihren Maschinen

Wichmannshäuser Nahverkehr: Die Fotografin Doris Büschel porträtiert Originale ihres Dorfes

+
Der Hund durfte nicht fehlen: Jagdhund Duke posierte mit Markus Leimbach auf dem Hof der Familie in Wichmannshausen.

Männer mit ihren Maschinen – so wie sie im Dorf täglich anzutreffen sind und sie jeder kennt: Die Fotografin Doris Büschel hat Wichmannshäuser Originale porträtiert.

Mit Bruno fing alles an. Bruno Reimuth ist 80 Jahre alt und der Nachbar von Doris Büschel in Wichmannshausen. Viel beschäftigt brummelt er tagtäglich mit seiner kleinen roten Honda samt Anhängerchen durchs Dorf, schafft Strauchschnitt weg, holt Hasenfutter, transportiert Obst – mit dem gelben Helm aus den 1970-er Jahren, den Gummistiefeln, der Cordjacke und, für die Sicherheit, den Bauhandschuhen. „So kennen ihn die Leute hier“, sagt Doris Büschel.

Mit Nachbar Bruno Reimuth begann die Reihe „Wichmannshäuser Nahverkehr“ für die Fotografin Doris Büschel. Der 80-Jährige ist der Nachbar der Fotografin und ein echtes Wichmannshäuser Original.

Das Bild von Bruno Reimuth hat die Fotografin irgendwann fertig in ihrem Kopf und kann ihn für ein Shooting gewinnen. Das erste Foto der Reihe „Wichmannshäuser Nahverkehr“ entsteht.

Das nächste Model ist Brunos Freund Günther, denn auch der ist nicht nur 80 Jahre alt, sondern auch stets mit einem schicken Motorrad älteren Baujahrs unterwegs.

29 einzigartige Porträts sind entstanden

Manche der Wichmannshäuser Originale sucht sich Doris Büschel aus, andere kommen von sich aus auf sie zu, weil sie auch einen schönen Trecker oder Auto haben, weil sie zum Dorf gehören. So entstanden seit dem Sommer vergangenen Jahres 29 Porträts von Männern mit ihren Maschinen – der „Wichmannshäuser Nahverkehr“.

Mit Gehörschutz an seinem Lieblingsort: Heinz Reimuth mit dem knallroten Fahr, der ihm Hobby und Leidenschaft zugleich ist.

„Meine Fotos sind inszeniert, ich habe das Bild vorher im Kopf“, sagt die Fotografin. Jedes Detail beachtet sie bei ihren Kompositionen, arbeitet später am Rechner Farben und Einzelheiten heraus. „Ich kenne meine Bilder in- und auswendig.“ Pro Shooting entstehen zwischen 50 und 70 Bilder, aus denen sie später auswählt. Ihr Blick auf die Menschen ist liebevoll und beim Anschauen ihrer Fotos kommt es dem Betrachter vor, als hätte er die Person gerade eben auf der Straße getroffen.

Mit ihren Modellen begibt sich Doris Büschel immer an die Orte, wo diese sich hingehörig fühlen. Den Landwirt Werner Dietzel fotografiert sie auf dessen Rinderweide, mit seinem Trecker und seinen Tieren. Er lehnte das Bildermachen während der Trockenheit vorigen Sommer ab. „Er wollte, dass alles grün ist“, erzählt Doris Büschel. Im Herbst plötzlich stand er vor ihrer Tür und sagte: „So, jetzt können wir.“

Vor seinem selbst gebauten Insektenhotel lässt sich Udo Hildebrandt fotografieren – auf dem Arm eine Henne. „Die brachte seine Frau zu dem Shooting mit“, erzählt die Fotografin. Während sie fotografiert, spricht Hildebrandt liebevoll mit gurrenden Tönen mit dem eingeschüchterten Huhn, um es zu beruhigen.

Kam mit Henne zum Fototermin: Udo Hildebrandt vor seinem selbst gebauten Insektenhotel.

Mit Heinz Reimuth verabredet sie sich an seinem Holzlager. Ausdrücklich bittet sie die Männer, sich nicht schick zu machen, sondern so zu kommen wie immer. Der feuerrote Fahr ist für den 80-Jährigen Hobby und Leidenschaft zugleich. Das Portrait von Markus Leimbach auf dem Hanomag entsteht auf dem Hof der Familie. Hund Duke muss mit aufs Foto. „Der hat grandios posiert“, erinnert sich die Fotografin.

Männer gucken nicht aufs Display

Als sich im Dorf rumgesprochen hatte, woran Doris Büschel arbeitet, meldeten sich noch mehr Wichmannshäuser, vor allem Männer mit aufpolierten Oldtimern, weiteren historischen Treckern, aber auch selbst gebauten Fahrwerken pittoresker Ausprägung. Auch der Schlossbesitzer Otto von Boyneburgk, der Baron des Dorfes, fehlt nicht in ihrer Reihe.

Eine Erkenntnis hat Doris Büschel aus den Shootings gezogen. „Ich fotografiere am liebsten Männer.“ Die seien wie sie sind und wollten nicht alle drei Sekunden aufs Kameradisplay schauen.

Porträts von Wichmannshäuser Originalen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare