Wolf reißt zwei neugeborene Kälber bei Sontra 

Wolfriss Hübenthal am 5. Mai 2020, Biomilchbetrieb Krug, Johannes Krug
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Landwirt Johannes Krug fand die gerissenen Kälber 50 Meter von der Weide entfernt, wo die Neugeborenen mit ihren Müttern standen. 

Zwei ein- und zwei Tage alte Kälber sind am Dienstag auf einer Weide im Sontraer Ortsteil Hübenthal gerissen worden. Ein Wolfsrissgutachter war vor Ort und hat Proben von den Tieren entnommen. 

Hübenthal.  Über dem Weizenfeld am Ortsrand von Hübenthal kreisten am Dienstagvormittag die Krähen wie in einem Hitchcock-Film. Die hungrigen Vögel waren auch der Grund, warum Landwirt Karl-Otto Krug am Morgen seine beiden vermissten Kälber schnell entdeckte. Beide Jungtiere lagen nur zwei Meter voneinander im Feld. Einem war der komplette Brustkorb aufgerissen und weggefressen, bei dem anderen klaffte ein riesiges Loch im Bauch. Bei beiden Tieren gab es keinen Kehlbiss – das Fraßbild gleicht aber dem der Wölfin, die in der Gegend inzwischen heimisch geworden ist.

Kälber waren gerade erst geboren worden 

Das tote Kalb lag auf einem Feld 50 Meter von seiner Weide entfernt. 

Die beiden Kälber waren am Sonntag und Montag erst geboren worden. „Sie standen mit ihren Müttern auf der Weide“, erzählt der junge Landwirt Johannes Krug. In einem Biobetrieb wie dem seinen würden die Kälber noch mindestens 48 Stunden bei der Mutter bleiben. Der Fundort der beiden Kälbchen befand sich zirka 50 Meter von der mit einem Elektrozaun gesicherten Weide entfernt, jedes der Neugeborenen wog zwischen 30 und 40 Kilogramm.

Sicherheit bringt erst Ergebnis der DNA-Analyse

Der von den Landwirten herbeigerufene Wolfsrissgutachter Gerhard Scholz entnahm an beiden getöteten Tieren Proben für eine Gen-Analyse. Er äußerte sich nicht, ob es sich seiner Ansicht nach um einen Wolfsriss handelt. „Sicherheit wird erst die DNA-Analyse bringen – aber richtig viele Alternativen bleiben nicht“, sagt er. Im November vorigen Jahres waren in Hübenthal in Sichtweite des jetzigen Tatortes bestätigt zwei Schafe von einem Wolf gerissen worden. Allein in der letzten Woche hatte Scholz vier Rehrisse begutachtet.

Angriff ereignete sich nach Mitternacht 

Wolfrissgutacher Gerhard Scholz und Landwirt Johannes Krug bei einem der getöteten Kälber. 

Der Angriff auf die beiden Kälber muss sich nach Mitternacht ereignet haben, denn gegen 0.30 Uhr hatte Karl-Otto Krug noch mal nach den Tieren gesehen. Seine Frau Susanne erzählt, dass in der Nacht die beiden Hunde angeschlagen hatten, das sei allerdings nicht ungewöhnlich, weil die beiden Hofhunde bei jedem vorbeistromernden Dachs anschlagen. „Es ist unmöglich, alle Weiden einzuzäunen“, sagt sie. Der Biobetrieb, der vor neun Jahren von konventioneller Landwirtschaft auf Bio umgestiegen ist, hat um die 70 Milchkühe und etwa 30 Nachzuchttiere.

Rissgutachter Scholz bestätigt, dass das der erste Fall im Werra-Meißner-Kreis ist, wo möglicherweise ein Wolf Rinder angegriffen habe. Er meldete den Riss auch an das Regierungspräsidium in Kassel – zur Erfassung der möglichen Wolfsaktivität und für Ersatzzahlungen an den Betrieb. Denn während Schaf-züchter Zuschüsse für den Herdenschutz bekommen, gilt das nach Scholz' Wissen noch nicht für Rinderzuchtbetriebe. Das Ergebnis der DNA-Analyse wird in zwei bis drei Wochen vorliegen.

Die Stölzinger Wölfin ist mittlerweile auf dem gesamten nordhessischen Gebirgszug* unterwegs. Das ergeben die Analysen.

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