Zahnärztin Dr. Carina Angeli behandelt im April Patienten auf den Kapverdischen Inseln

Arbeitet für zwei Wochen mehr als 5000 Kilometer von der heimischen Praxis entfernt: Dr. Carina Angeli, Zahnärztin aus Sontra, hilft Patienten auf den Kapverdischen Inseln. Foto: Deppe

Sontra.Die Zahnärztin Dr. Carina Angeli unterstützt die Stiftung Zahnärzte ohne Grenzen. Sie fliegt dafür für zwei Wochen auf die Kapverdischen Inseln - und ist nervös.

Wer Carina Angeli aufsucht, ist oft etwas nervös. Ganz normal bei einer Zahnärztin. Doch jetzt ist es umgekehrt. Angeli geht auf Reisen und ist aufgeregt. Anfang April fliegt die Sontraer Zahnärztin auf die Kapverdischen Inseln, um dort zwei Wochen die Stiftung Zahnärzte ohne Grenzen zu unterstützen. In dem afrikanischen Inselstaat wird sie Patienten behandeln und über Zahnpflege aufklären.

„Ich wollte gerne Hilfe anbieten, die über Geldspenden hinausgeht“, sagt die 33-Jährige. Bei der Recherche im Internet sei sie dann auf die Zahnärzte ohne Grenzen gestoßen, eine Organisation, die in mehr als einem Dutzend Ländern tätig ist. „Ich habe denen gesagt, mir ist das Land egal. Guckt einfach, wo ihr mich als nächstes braucht“, sagt sie. Und so geht es jetzt mit drei weiteren Teammitglieder in die Hauptstadt Praia, wo die Organisation jeden Monat zwei Wochen lang kostenlos Behandlungen anbietet.

Wie schlecht die medizinische Versorgung auf den Inseln ist, zeigt ein Vergleich. Wäre dort die Versorgungsquote so gut wie in Sontra (vier Zahnärzte auf knapp 8000 Einwohner), müsste es mehr als 250 Zahnärzte geben. Es sind aber nur zehn. Den Besuch bei einem der zusätzlich sieben privaten Zahnärzte kann sich der Großteil der ärmlichen Bevölkerung nicht leisten. Neben Ärzten fehlt auch das technische Gerät wie Röntgenapparat oder Absaugsysteme. „Für intensivere Behandlungen müssen die Menschen sonst bis nach Portugal oder Angola reisen“, sagt die junge Ärztin.

Etwas Sorge bereitet Angeli die körperliche Anstrengung, denn bequeme Behandlungsstühle oder eine OP-Lampe gibt es in Praia nicht. Die Mediziner behelfen sich mit Kopflampen und einfachen Liegen. „Zudem haben Afrikaner oft massivere Kiefer als wir Europäer, da ist das Zähneziehen deutlich schwieriger“, sagt Angeli. Überhaupt ist die Arbeit eine andere als die, die sie aus der heimischen Praxis, die sie gemeinsam mit ihrer Mutter betreibt, kennt. 80 Prozent der Behandlungen seien erfahrungsgemäß chirurgische Eingriffe. Wurzelbehandlungen und Kieferorthopädie sind den Patienten weitestgehend unbekannt.

Auch deshalb will Angeli nicht nur behandeln, sondern auch aufklären. In einer Schule wird sie richtiges Zähneputzen lehren und hofft, die Kinder klassenweise mit Fluorid behandeln zu können, ein Stoff, der den Zahnschmelz härtet und widerstandsfähiger macht.

Die Praxis in Sontra wird auch in Angelis Abwesenheit geöffnet sein. „Zum Glück ist meine Mutter ja noch hier.“ Ob sie schon an einen zweiten Auslandseinsatz denke? „Viele sagen, wer einmal dabei war, der kommt wieder“, sagt sie, „aber ich muss die Erfahrung erst noch machen, um zu gucken, wie es ist.“

Zahnärzte ohne Grenzen

Die Stiftung Zahnärzte ohne Grenzen (Abkürzung DWLF für Dentists without Limits Foundation) wurde im Jahre 2004 von dem Nürnberger Kieferorthopäden, Dr. Claus Macher gegründet. Die gemeinnützige Hilfsorganisation unterstützt Zahnmediziner, damit diese in benachteiligten Ländern ehrenamtlich zahnmedizinische Hilfe leisten können. In mehr als einem Dutzend Länder hat die DWLF über 160 000 Patienten versorgt (Stand Ende 2014). Finanziert wird das für die Patienten kostenlose Angebot über Spenden.

Wer die DWLF unterstützen möchte, kann das mit einer Überweisung auf folgendes Spendenkonto tun. • Stiftung Zahnärzte ohne Grenzen, Evangelische Bank, IBAN: DE83 5206 0410 0005 3024 71, BIC: GENODEF1EK1(lad)

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