Motorraddemo

„Verbote wollen wir nicht“ - rollende Demo gegen Diskriminierung von Motorradfahrern

Demonstrieren gegen Diskriminierung von Bikern: Ingo Schäfer, Präsident des Unicorn-M.C. Eschwege und sein Vize, Mario Ekelmann.
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Demonstrieren gegen Diskriminierung von Bikern: Ingo Schäfer, Präsident des Unicorn-M.C. Eschwege und sein Vize, Mario Ekelmann.

Es hätte der 27. Motorradgottesdienst zum Saisonabschluss auf dem Hohen Meißner werden sollen. Doch wegen der Ausbreitung der Corona-Pandemie hatte der Termin abgesagt werden müssen.

Eschwege/Hoher Meißner – Die Männer und Frauen des MC Unicorn Eschwege wollten ihre 27 Jahre alte Tradition jedoch nicht ganz ohne eine Alternative einfach ausfallen lassen.

Von Eschwege zum Hohen Meißner: Die Fahrt mit 500 Teilnehmern fand anstelle des alljährlichen Motorradgottesdienstes statt.

„Den Sommer über haben in ganz Deutschland Proteste gegen Streckensperrungen an Sonn- und Feiertagen für Motorradfahrer stattgefunden“, sagt Ingo Schäfer, Präsident des Motorradclubs. „Wir müssen aber nicht in die Großstädte zu diesen Veranstaltungen fahren, wir können auch eine eigene Demonstration auf dem Land organisieren.“

Gesagt, getan. 500 Motorräder und ihre Fahrer wurden zur Demo angemeldet. 30 Ordner mussten mitfahren, die der Club stellte und in neongelbe Pullis kleidete. Sie sollten den Pulk zusammenhalten.

Von Hauptkommissar Dirk Wittich von der Polizei gab es ein Lob: „Das Demonstrationsrecht steht jedem zu, der sich an die Regeln hält. Die Ordner sind hier klar zu erkennen, das ist vorbildlich.“

So begleiteten die Polizeibeamten den Demonstrationszug, nicht anders als in den 26 Jahren zuvor, auch per Auto und Motorrad. Die Strecke führte wie üblich vom Eschweger Werdchen zum Wanderparkplatz auf dem Hohen Meißner.

Autos machen genauso viel Lärm, aber das Verbot richtet sich allein gegen Motorräder.

Ingo Schäfer, Präsident des Motorradclubs Unicorn Eschwege

Welche Argumente richtet Schäfer an die Menschen, die an den Strecken wohnen, die für Motorradfahrer am Wochenende gesperrt sind? „Autos machen genauso viel Lärm, aber das Verbot richtet sich allein gegen Motorräder. Natürlich sind immer ein paar schwarze Schafe darunter, die richtig laut sind, aber man darf nicht alle Motorradfahrer über einen Kamm scheren“, sagte er.

Zur Demo trafen sich viele Fahrer, die in den vergangenen Jahren am Motorradgottesdienst teilgenommen haben. Unter ihnen auch Andreas Schüttemeyer aus Meinhard, der regelmäßig zu den Gottesdiensten auf dem Meißner mitgefahren ist und nun zum ersten Mal seine elfjährige Tochter Anna-Mia mitbrachte. Das Anliegen der Demo unterstützt er.

„Man arbeitet von Montag bis Freitag und freut sich auf das Wochenende, um Motorrad zu fahren. Aber dann sind die Strecken gesperrt.“

Fotostrecke: Rollende Demo des MC Unicorn Eschwege

Motorrad-Demo im Werra-Meißner-Kreis
Motorrad-Demo im Werra-Meißner-Kreis
Motorrad-Demo im Werra-Meißner-Kreis
Motorrad-Demo im Werra-Meißner-Kreis
Fotostrecke: Rollende Demo des MC Unicorn Eschwege

Vielen Fahrern ging es auch darum, zum Saisonabschluss noch einmal gemeinsam an die verunglückten Fahrer zu denken. Jochen Gardziella aus Blankenbach sagte, dass er an den Motorradgottesdiensten Jahr für Jahr teilgenommen habe, seit er gut befreundete Fahrer verloren habe. Nachdenkliche Worte gab es auf dem Hohen Meißner deshalb von Pastor Ralph Habener von der Christian Motorcyclists Association aus Bad Hersfeld.

Eine Rede zur Kundgebung hielt dann Chris Steiner. Sie fiel allerdings recht kurz und knapp aus. „Verbote wollen wir nicht“, sagte er und dankte den Unicorns für die Organisation. (Von Kristin Weber)

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