Zum Tag der Kriminalitätsopfer

Interview mit Opferbetreuerin Viola Groeber: "Reden hilft fast immer"

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Wollen Opfern helfen: Roger Dietrich und Viola Groeber vom Weißen Ring. Am morgigen 22. März ist der Tag des Kriminalitätsopfers.

Werra-Meissner. Morgen ist der Tag der Kriminalitätsopfer. Damit möchte die Opferschutzorganisation Weißer Ring auf Menschen aufmerksam machen, die durch Kriminalität und Gewalt Schaden erlitten haben.

Ab Mai wird die 63-jährige Viola Groeber als eine von sieben ehrenamtlichen Mitarbeitern neu für den Raum Eschwege zuständig sein. Groeber hat zwei erwachsene Kinder und lebt in Eschwege. Bis vor wenigen Jahren war sie Englisch- und Französischlehrerin an den Beruflichen Schulen. Wir sprachen mit ihr über ihre neue Aufgaben, wie sie den Menschen helfen möchte und ihr Italienisch-Studium.

Frau Groeber, welche Personen betreut der Weiße Ring? 

Viola Groeber: In unserer Obhut befinden sich Opfer von Kriminalität. Menschen, die unter den Folgen von Wohnungseinbrüchen, Raubüberfällen, häuslicher Gewalt oder Betrugsmaschen leiden. Das Aufgabenfeld ist sehr vielfältig.

Haben Sie ein bestimmtes Aufgabengebiet?

Groeber: In Zukunft werde ich eher ältere Menschen betreuen. Je höher deren Alter, desto größer ist das Sicherheits-bedürfnis. Manche leiden über einen Zeitraum von vielen Jahren. Traumata können lange anhalten.

Wie helfen Sie den Menschen? 

Groeber: Oft geht es nur darum, dass das Opfer jemanden zum Reden und Zuhören braucht. Das hilft fast immer. Wir unterstützen aber auch bei der Verarbeitung schlimmer Vorfälle, bei der Bewältigung der Folgen und leisten in Einzelfällen finanzielle Hilfe.

Wie kam es zum Entschluss, für den Weißen Ring tätig zu werden?

Groeber: Mich hat schon immer geärgert, dass der Fokus in so vielen Fällen auf den Tätern liegt. Dabei entscheiden die sich in den meisten Fällen bewusst für ihre Tat. Die Opfer werden oftmals überhaupt nicht erwähnt. Sie sind es aber, die unschuldig in eine schlimme Situation geraten und teilweise ihr ganzes Leben darunter leiden. Das möchte ich durch meinen Einsatz ändern.

Wie hat sich ihre Ausbildung gestaltet und was gehört dazu? 

Groeber: Um als Opferbetreuer arbeiten zu dürfen, sind zwei Seminare nötig. Eins habe ich im Januar absolviert. Das zweite folgt noch, es findet im Mai statt. Zwischendurch habe ich andere Kollegen bei ihrer Arbeit begleitet. Man muss lernen, mit den Schicksalen der Opfer umzugehen, darf ihnen aber auch nicht zu nahe kommen. Man muss stets umsichtig sein.

Gibt es schon jetzt einen Fall, der ihnen in Erinnerung bleiben wird? 

Groeber: In manchen Fällen von häuslicher Gewalt, die ich durch meine Einsätze kennengelernt habe, konnte ich mir das wahre Ausmaß nicht vorstellen. Das prägt.

Können Sie ihre Arbeit einfach ausblenden und wenn ja, wie gelingt das?

Groeber (schmunzelt): Man kann sich gut mit Hobbys ablenken. Wenn man es als solches auffassen will: Ich studiere neben meiner ehren-amtlichen Arbeit Italienisch an der Uni Göttingen. Derzeit noch als Gasthörerin, im nächsten Semester will ich dann fest einsteigen. Sonst treibe ich viel Sport, um mich abzulenken.

Lässt sich der Erfolg ihrer Arbeit in irgendeiner Form messen?

 Groeber: Es ist schwierig, die Ergebnisse unserer Arbeit in Zahlen auszudrücken. Manchmal brauchen die Opfer einen gewissen zeitlichen und menschlichen Abstand, um sagen zu können ‘Danke, du hast mir geholfen’. Das ist dann aber umso befriedigender.


Hintergrund: Pro Jahr werden 50 Opfer betreut

Der Weiße Ring setzt sich für Menschen ein, die durch Gewalt und Kriminalität auf Hilfe angewiesen sind. Pro Jahr sind das im Werra-Meissner Kreis ungefähr 50. An seine Grundsätze erinnert der Weiße Ring jedes Jahr mit dem Tag der Kriminalitätsopfer am 22. März. Dieser Aktionstag wurde bereits vor 25 Jahren initiert. „Wir wollen damit die Probleme und Belange der Opfer und ihrer Familien ins öffentliche Bewusstsein rücken. Es ist ein Signal für Politik, Justiz und Verwaltung, tätig zu werden“, sagt der Außenstellenleiter des Weißen Rings im Kreis, Roger Dietrich. 

Der Weiße Ring ist eine der wenigen Organisationen, die in bestimmten Fällen finanzielle Hilfe leisten kann. • Weitere Informationen und ein Spendenkonto finden Sie unter www.weisser-ring.de oder auf der Internetseite zum Aktionstag: www.infovictims.de. (jpf)

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