Pfarrer will Livestreams für Unis anbieten

1000 Fledermäuse leben in Bischhäuser Kirche

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Sie formieren sich immer in großen Trauben: die Fledermäuse unter dem Dach der Kirche in Bischhausen. Mittlerweile sind fast alle an wärmere Orte umgesiedelt. Das Bild stammt aus der Zeit zwischen April und Oktober. 

Bischhausen. Die Kirche in Bischhausen hat so viele Gäste wie vermutlich keine andere in Deutschland. Allerdings nicht auf den Sitzbänken beim Gottesdienst, sondern zwischen dem Dach des Gebäudes.

1000 Fledermäuse leben dort in der Spitze. Diese Besonderheit will Pfarrer André Lecke jetzt nutzen, um ein einzigartiges Artenschutzprojekt auf die Beine zu stellen. Schulen und Universitäten sollen sich per Video-Livestream in den Raum schalten können. Was noch fehlt, ist das nötige Geld für die Technik.

Los ging alles im Jahr 2000. Damals hauste erstmals eine Handvoll Tiere in dem Gotteshaus. „Im Lauf der Zeit wurden es immer mehr, denn die Bedingungen hier sind gut“, berichtet Lecke. Mittlerweile sind es bis zu 1000 Tiere, wie regelmäßige Zählungen des NABU ergeben haben. Der hat dort auch eine Lichtschranke installiert, der täglich aktuelle Zahlen an Lecke sendet. „Das Besondere ist, dass wir hier nur Mutter- und Jungtiere haben. Die Männchen des Großen Mausohrs leben ausschließlich draußen und befruchten vorbeikommende Weibchen“, so Lecke.

Durch die steigende Population ergab sich ein Problem: der Kot. Der liegt nämlich überall – haufenweise. Den Dachboden kann man daher nur mit Überziehstrümpfen betreten. „Sonst war es das mit den Schuhen“, scherzt der Pfarrer. Daher wurde zwischen November 2016 und Ostern – also in der Zeit, wenn sich die Tiere an wärmeren Orten wie stillgelegten Bahntunneln befinden – ein neuer Holzboden reingelegt. „Wir hatten Angst, dass das sonst irgendwann durchsickert und in den Kirchenraum tropft“, schildert Lecke. Dafür gab es Fördergeld von der Oberen Naturschutzbehörde. Zusätzlich hat er mit ehrenamtlichen Helfern mit Blechen und Folien weitere Balken und Holz vor Urin und Kot geschützt, damit diese nicht verfaulen. Auch ein spezielles Lüftungssystem gibt es.

„Jetzt wollen wir den nächsten Schritt gehen und diese Besonderheit für ein innovatives Projekt nutzen“, sagt André Lecke. Das soll so aussehen, dass unter dem Dach etwa zehn Videokameras für 10 000 Euro installiert werden. Auf die können sich Schulen oder Universitäten mit einem Zugang übers Internet schalten und das Geschehen beobachten. „Wir wollen Mensch und Tier zusammenbringen. Das geht aber nicht vor Ort, da die unter Naturschutz stehenden Großen Mausohren nicht gestört werden dürfen. Zudem sind sie ja nachaktiv“, erklärt Lecke.

Eine Gruppe der Universität Göttingen sei schon vor Ort gewesen. Auch in der Uni Greifswald gebe es einen interessierten Professor. „Mein Ziel ist, dass hier irgendwann steht, Außenstelle der Universität XY“, sagt Lecke. Zudem könnten Grundschulkinder das Projekt im Sachunterricht nutzen. Dafür schreibt er sich gerade „die Finger wund“, um Fördergelder zu bekommen. Helfen kann jeder über eine Abstimmung. Das Projekt mit dem meisten Zuspruch bekommt 1000 Euro:

http://bit.ly/2lrJM6T

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